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Kommentar zur Fifa-Korruption: Es geht um Steuergeld

Kommentar zur Fifa-Korruption : Es geht um Steuergeld

Düsseldorf (RP). Dieser Dienstag war ein schwarzer Tag für Kabarettisten und Satiriker und all die Menschen, die das Zeitgeschehen mit Überzeichnungen aufs Korn nehmen: Denn was sich bei der Fifa tut, lässt sich nicht mehr übertreiben, überzeichnen, überspitzen.

Einer der Tiefpunkte — bei angemessen sarkastischer Betrachtung könnte man auch von einem Höhepunkt sprechen — im 107-jährigen Gebaren fand sich in einem gestern vorgelegten englischen Untersuchungsbericht zur Vergabe der WM 2018 an Russland. Es war ja schon gemunkelt worden, dass der Paraguayer Nicholas Leoz als Gegenleistung für seine Stimme zu Englands Gunsten mutmaßlich gern zum Ritter geschlagen worden wäre.

Nun zitieren die Engländer eine angebliche E-Mail eines Vertrauten des südamerikanischen Verbandschefs: Dr. Leoz sei ein alter Mann, und in England lediglich den Prinzen zu treffen und das Pokalfinale zu besuchen, reichten ihm nicht (um England die Stimme zu geben). "Wenn das kombiniert wird, sagen wir, mit der Benennung des Cups nach Dr. Leoz, könnte das aber Grund genug sein", heißt es in der Mail weiter. Die Benennung des traditionsreichsten Wettbewerbs der Welt nach einem Paraguayer aus der Pampas — da muss man erst einmal drauf kommen.

Die Episode zeigt: Der eigenartige Kosmos, den Fifa-Präsident Joseph Blatter gern die "Fußball-Familie" nennt, ist aus den Fugen geraten. Ist ja nicht schlimm, sagen einige. Es geht ja nur um Fußball. Und dass das Bällchen prima läuft, war im Champions-League-Finale zu bestaunen.

Doch es geht um mehr als um flotte Passkombinationen zwischen Kreidelinien. Zum einen führt die Fifa ihr in Blatters Sonntagsreden gern besungenes ethisch-moralisches Fundament ad absurdum. Zum anderen tragen die Herren vom Zürcher Sonnenberg indirekt für zig Millionen Euro Steuergeld Verantwortung. Die gigantischen Beträge könnten sicher sinnvoller verwendet werden als mit chancenlosen Bewerbungen aus dramatisch verschuldeten Euro-Ländern wie Spanien und Portugal, die sich vergeblich um die WM 2018 bemühten.

(RP)