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Weitere 36 Coronafälle in der Premier League

Virus bringt Liga durcheinander : Weitere 36 Corona-Fälle in der Premier League

Die englische Premier League hat 36 neue Corona-Fälle gemeldet, im Spielplan wird um Platz für Nachholspiele gerungen, ganze Teams waren zuletzt in Quarantäne. Die Zweifel an der Fortführung des Spielbetriebs werden dadurch nicht leiser.

Die Jungs vom FC Chorley, die von Euphorie betrunken Adeles Mega-Ballade "Someone Like You" schmetterten, waren für einen Moment die Könige des Internets. Gepriesen wurden die wackeren Sechstliga-Amateure nach ihrem Triumph im FA Cup für ihre Gesangseinlage mit Gänsehaut-Faktor, aber schnell gab es auch Ärger. Für Kritiker stehen die Freizeitkicker symbolhaft für alles, was in der Coronakrise im englischen Fußball falsch läuft. Und auf sämtlichen Ebenen den Spielbetrieb gefährdet.

Wie Chorley nach einem Überraschungserfolg gegen den Zweitligisten Derby County eng nebeneinander in der Umkleidekabine zu feiern, ist die eine Sache. Der Blick auf die Zahlen die andere. In der elitären Premier League wurden am Montag 36 neue Coronafälle unter den Spielern und Betreuern gemeldet. Das sind vier weniger als in der vorigen Runde, aber die Lage bleibt alarmierend. Denn neue Fälle bedeuten im Zweifel Spielverlegungen - und die führen in der Regel zu Chaos.

"Moralisch ist es bei der Situation im Land und weltweit ein etwas komisches Gefühl weiterzumachen", sagte Mikel Arteta vom FC Arsenal. Schon vor der dritten FA-Cup-Runde am vergangenen Wochenende hatte Chefcoach Steve Bruce von Newcastle United bekundet: Es sei wohl "moralisch falsch", weiterzuspielen, aber wirtschaftlich wahrscheinlich richtig.

Die Premier League macht bisher keine Anstalten, die Saison zu unterbrechen. Eine Pause hatte unter anderem der frühere englische Nationaltrainer Sam Allardyce, heute beim Erstligisten West Bromwich Albion, schon vor einigen Wochen gefordert. Zum etwa gleichen Zeitpunkt hatten Premier-League-Spieler mit Verstößen gegen die Corona-Regeln rund um das Weihnachtsfest und Neujahr für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

Einen Höhepunkt im Corona-Wirrwarr markierte die Isolation der gesamten Profi-Mannschaft von Aston Villa. Der Traditionsklub aus Birmingham musste wegen 14 positiver Tests mit Jugendspielern im Pokal gegen Liverpool ran - und verursacht immer noch Probleme. Der Premier-League-Spielplan musste mit heißer Nadel umgestrickt werden, denn eigentlich hätte Villa am Mittwoch gegen Tottenham Hotspur gespielt. Die Londoner treten nun kurzfristig gegen Abstiegskandidat FC Fulham an, der davon gar nicht begeistert ist.

Härtefälle wie dieser würde es vermehrt geben, würde der Fußball tatsächlich stillgelegt, befürchtet Nuno Espirito Santo, Teammanager der Wolverhampton Wanderers: "Das ist meine größte Angst, weil der Spielplan dann verrückt werden würde." Um das zu verhindern, ermahnte die Premier League die Klubs zu mehr Vorsicht und der Einhaltung noch strengerer Regeln.

Bei Amateurvereinen wie Chorley waren Regelverstöße am FA-Cup-Wochenende klar ersichtlich. Als Tottenham am Sonntag beim Achtligisten Marine FC in Crosby nahe Liverpool antrat, versammelten sich beispielsweise Menschen rund um das nur spärlich abgeschottete Stadion.

Für die Klubs der EFL, welche die drei Ligen unterhalb der Premier League zusammenfasst, machte der neue Boss Trevor Birch eine klare Ansage: "Wir werden von der Regierung extremen Druck bekommen, wenn wir weiterhin die geltenden Regeln missachten", schrieb er in einem Brief.

Am Freitag hatte die EFL vermeldet, dass unter 66 Klubs - unter anderem allen, die im FA Cup dabei waren - 112 Personen positiv getestet wurden. Eins ist klar: Steigen dürfen die Zahlen nicht mehr groß, wenn der Ball weiterhin rollen soll.

(eh/sid)