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Premier League: Jetzt muss Thomas Tuchel mit dem FC Chelsea die Champions League gewinnen

Neuer Chelsea-Trainer : Jetzt muss Tuchel die Champions League gewinnen

Thomas Tuchel folgt Jürgen Klopp nach England. Als neuer Trainer des FC Chelsea ist er in der Pflicht, die Champions League zu gewinnen. Ansonsten wird er als gescheitert gelten und bei europäischen Top-Klubs künftig keine Rolle mehr spielen.

Thomas Tuchel ist kein Jürgen Klopp. Bis auf Nationalität und das lichter werdende Haar verbindet die beiden deutschen Fußballtrainer wenig – vor allem, wenn es um ihre Philosophie auf dem Platz geht. Klopp ist ein Menschenfänger, der Spieler wie Zuschauer mit seiner Emotionalität mitreißt und gnadenlosen Offensivfußball lebt. Tuchel hingegen ist eher ein Schachspieler seines Fachs, jeden Zug durchdenkend, teilweise mit einem Hang zur Überperfektion. Und doch muss Tuchel jetzt zu Klopp werden – zumindest was den Erfolg angeht.

Das hat bei seiner Vorstellung als Trainer des FC Chelsea zwar niemand öffentlich gesagt, trotzdem ist es so. Klopp ist es als Coach des FC Liverpool gelungen, sowohl die englische Premier League als auch die Königsklasse des europäischen Fußballs, die Champions League, zu gewinnen. Nicht weniger wird in London nun von Thomas Tuchel erwartet.

Das liegt zum einen an Jürgen Klopp, weil der Vergleich natürlich nahe liegt. Das kennt Tuchel schon aus seiner Zeit in Mainz und Dortmund, wo er Klopp als Trainer nachfolgte. Beim BVB, wo sie Klopp noch heute nachtrauern, wurde Tuchel das allerdings zum Verhängnis. Genauso wie seine Probleme, sich anderen Autoritäten im Klub unterzuordnen. Das könnte auch in London zum Fallstrick werden, wo Marina Granovskaia als Sportdirektorin das Sagen hat. Dass man sich etwa auf Konflikte um Transfers mit der „Iron Lady“ aber besser nicht einlassen sollte, zeigt das Beispiel des jetzt entlassenen Frank Lampard. Das wird Tuchel schwer fallen.

Zum anderen ist Tuchel aber auch selbst dafür verantwortlich, nun unter dem Druck einer solch großen Erwartungshaltung zu stehen. Denn während seiner Zeit bei Paris Saint-Germain hat er bewiesen, dass er ein Trainer von Weltformat sein kann. Er ist ein Star-Dompteur: Er hat es geschafft, die teils schwierigen Charaktere der Alleinunterhalter à la Neymar zu einer funktionierenden Mannschaft zu formen. Und zu einer erfolgreichen. Sechs nationale Titel und das Champions-League-Finale 2020 stehen zu Buche. Messen lassen muss sich Tuchel vor allem an letzterem. Denn klar ist: Chelsea und der Milliarden schwere Eigentümer Roman Abramowitsch verpflichten keinen Trainer, um es auch mal ins Finale zu schaffen. Der Henkelpott soll nach London. Nicht weniger ist der Anspruch – wie auch die Rekordsummern für Transfers von Spielern wie Kai Havertz und Timo Werner vor der Saison untermauern.

Deshalb ist die Herausforderung beim FC Chelsea für Tuchel mehr Risiko als Chance. Hier lohnt noch einmal der Vergleich mit Jürgen Klopp. Als er 2015 das Amt beim FC Liverpool übernahm, ging es den Verantwortlichen hauptsächlich darum, dem müden und emotionslosen Kader der Reds überhaupt wieder neues Leben einzuhauchen. Es gab die Hoffnung, auch irgendwann wieder Erfolge zu feiern. Aber dass Klopp den FC Liverpool so schnell zur besten Mannschaft Englands machen würde, erwartete niemand.

Das ist bei Tuchel anders: Er muss liefern. Tut er das nicht, werden seine einstigen Erfolge in Dortmund als Erbe der Klopp-Ära und seine Titel in Paris als Pflicht mit der stärksten Mannschaft in einer ansonsten schwachen französischen Liga gewertet werden. Tuchel muss jetzt die Champions League gewinnen – und das eher früher als später.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Thomas Tuchel