Premier League: Die VAR-Debatte erobert England

London calling : Die VAR-Debatte erobert England

Nun kocht die Debatte um den Videobeweis auch in England hoch. Liverpools Teammanager Jürgen Klopp sah im VAR nach dem 1:1 gegen Manchester United keinen Sinn.

Nein, Jürgen Klopp war natürlich "nicht sauer". Das beteuerte er ja mehrfach. Seine Verzweiflung über die Entscheidung des Videoassistenten stellte der Teammanager des FC Liverpool aber sehr zur Schau - vor allem verbal. "Wir haben ein klares Problem mit dem VAR", lamentierte Klopp, nachdem seine Mannschaft angeblich benachteiligt worden war: "So ergibt das nicht allzu viel Sinn."

Der 52-Jährige ärgerte sich über eine Szene, die maßgeblichen Anteil am 1:1 (0:1) der Reds beim Erzrivalen Manchester United besaß. Vor dem Führungstreffer der Gastgeber durch Marcus Rashford (36.) hatte Divock Origi rund 70 Meter vor dem eigenen Tor in einem Zweikampf mit Victor Lindelöf den Ball verloren, "ein Foul und nichts anderes" war das nach Ansicht von Klopp.

Dass der Schiedsrichter Martin Atkinson die Aktion aber unbestraft ließ und Rashford im folgenden Angriff traf, war für den Welttrainer des Jahres zunächst auch kein Problem. "Ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass der VAR das Tor zurücknehmen würde", sagte Klopp. Machte dieser zur Verwunderung des Deutschen jedoch nicht - weil dem Treffer angeblich keine klare Fehlentscheidung vorausgegangen war.

Klopp stellte deshalb (zumindest teilweise) die Sinnhaftigkeit der Videoassistenten infrage. Bei Handspiel oder Abseits sei das ja eine gute Sache, "aber ohne den VAR", war sich Klopp sicher, "hätte der Referee gepfiffen. Diesmal vermutlich nicht, weil andere die Entscheidung ja treffen. Das machten sie aber nicht."

In England kocht in diesen Tagen somit jene Debatte hoch, die in Deutschland ausgestanden scheint. Oder die von den Verantwortlichen eben als systemimmanent betrachtet wird und bestenfalls noch ein leidiges Schulterzucken auslöst. "Ich dachte ja immer, dass der VAR objektiv ist. Mittlerweile denke ich, dass das eine sehr subjektive Sache ist", klagte Teammanager Quique Sanchez Flores vom FC Watford.

Watford hatte beim 1:1 (1:0) bei Tottenham Hotspur nach einem vermeintlichen Foulspiel keinen Strafstoß erhalten, ähnlich erging es Liverpools Verfolger Manchester City während des 2:0 (2:0) bei Crystal Palace. "Ich bin ein großer Fan des VAR, aber es sollten weise Entscheidungen getroffen werden", sagte Teammanager Sean Dyche vom FC Burnley, nachdem der Ausgleich seines Teams bei Leicester City (1:2) wegen einer sanften Berührung zweier Gegenspieler aberkannt worden war.

Dass in Manchester ein deutlich härteres Vorgehen unbestraft blieb, obwohl laut Liverpools Kapitän Jordan Henderson "unzählige ähnliche Situationen geahndet wurden", bestärkte Klopp in dessen Einschätzung. Und schürte seinen ohnehin vorhandenen Zorn auf alles andere zusätzlich.

"Wir hätten es besser machen müssen", klagte Klopp. Und außerdem: "Manchester hat nur verteidigt." Also zusammengefasst: "So ziemlich alles ist gegen uns gelaufen."

(pabie/sid)
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