Nationalmannschaft: Oliver Bierhoff schlägt Berti Vogts als DFB-Beirat vor

Nationalmannschaft : Bierhoff schlägt Vogts als DFB-Beirat vor

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff will einen Beirat beim DFB etablieren. In dem könnte unter anderem der ehemalige DFB-Chefcoach Berti Vogts mitwirken. Außerdem will Bierhoff nochmal mit Mesut Özil sprechen.

Oliver Bierhoff bedauert weiterhin die Umstände des Rücktritts von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft und hofft auf eine Aussprache mit dem Arsenal-Star. „Ich hoffe, dass wir den Weg zum Gespräch finden. Denn ich will die Dinge verstehen, die passiert sind. Ich versuche weiterhin, mit ihm in Kontakt zu kommen und mit ihm zu sprechen“, sagte der DFB-Teammanager in einem Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag-Ausgabe).

Özil hatte nach dem wochenlangen Wirbel um seine Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan schwere Vorwürfe gegen DFB-Chef Reinhard Grindel erhoben und so auch seinen Rückzug aus der Nationalmannschaft nach dem WM-Aus begründet. Bundestrainer Joachim Löw hatte in der Vorwoche bekundet, bislang vergeblich versucht zu haben, Özil zu erreichen. „Das Verhältnis war immer gut. Er ist aber eher jemand, der solche Gespräche scheut“, sagte Bierhoff über Özil.

Er selbst habe nach dem WM-Aus ebenfalls über einen Rücktritt nachgedacht: "In der Nacht nach dem WM-Ausscheiden habe ich natürlich daran gedacht - das lässt doch niemanden kalt", sagte Bierhoff über seine Abschiedsgedanken.

Er habe aber "gelernt, nicht emotional zu entscheiden, sondern über wichtige Themen und Ereignisse zu schlafen und nachzudenken". Inzwischen spüre er wie Bundestrainer Joachim Löw wieder "Energie und Kraft", um die notwendigen Veränderungen bei der Nationalmannschaft anzugehen.

Dabei war sich Bierhoff zunächst nicht sicher, dass er das auch würde tun dürfen. "Ich bin lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass es Mechanismen geben kann, welche die Verantwortlichen im Präsidium zu der Meinung kommen lassen, dass ich nicht mehr der Richtige auf der Position bin", sagte er. Der DFB mit Präsident Reinhard Grindel an der Spitze hatte Bierhoff (und Löw) aber trotz der historischen WM-Pleite sein Vertrauen ausgesprochen.

Vor den Länderspielen gegen Frankreich und Peru verteidigte Bierhoff den sachten personellen Erneuerungskurs von Löw, der in Kai Havertz, Nico Schulz und Thilo Kehrer nur drei Neulinge berief, dafür aber 16 WM-Fahrer in seinem Aufgebot hat. „Wir denken sehr wohl an die Entwicklung von Spielern. Das haben wir immer wieder gezeigt. Umso wichtiger ist, dass die Spieler in ein gutes Korsett eingebaut werden. Wir sind nicht an einem Punkt wie 2004, als wir den großen Umbruch einleiten mussten. Die Notwendigkeit, den ganz großen Schritt mit jungen und unerfahrenen Spielern zu tun, ist 2018 nicht angebracht. Wir müssen jetzt sehen, dass wir eine gute Mannschaft für die EM 2020 hinbekommen“, sagte Bierhoff.

Spieler wie Julian Brandt, Julian Draxler oder Leroy Sané dürfe man heute noch nicht mit einer Führungsrolle überfordern, sagte Bierhoff. Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski seien beim damaligen Umbruch unter Jürgen Klinsmann in ihrer Entwicklung weiter gewesen.

Bierhoff, der in einen zehnköpfigen sogenannten Beirat Experten wie Berti Vogts oder den ehemaligen Adidas-Chef Herbert Hainer einbinden möchte, forderte die Bundesliga-Clubs zu gemeinsamen Bemühungen auf, mehr Talente für das Nationalteam hervorzubringen.

„Unser Misserfolg in Russland hat nichts damit zu tun, ob unsere Nachwuchsarbeit besser oder schlechter ist. Aber wir sehen in naher Zukunft Probleme auf uns zukommen. Wenn wir früher in den Auswahlmannschaften vier, fünf Ausnahmespieler hatten, sind es heute ein oder zwei. Da müssen wir gemeinsam mit der Liga und den Clubs, die das gleiche Interesse haben, größere Anstrengungen unternehmen, um den Kreis von potenziellen Nationalspielern zu erweitern“, sagte der DFB-Direktor.

(rent/dpa)
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