Mesut Özil bei FC Arsenal vor ungewisser Zukunft

Ex-Nationalspieler : Mesut Özil bei Arsenal vor ungewisser Zukunft

Nach dem WM-Debakel und seinem aufsehenerregenden Rücktritt aus dem Nationalteam wollte Mesut Özil mit Arsenal neu durchstarten. Am Ende einer enttäuschenden Saison ist die Europa League die letzte Hoffnung.

Wenn es nach Mesut Özil geht, dann wird er „auf jeden Fall“ auch in der nächsten Saison für den FC Arsenal spielen. „Ich hab ja noch einen Vertrag über zwei weitere Jahre“, sagte er in einem seltenen Interview vergangene Woche dem britischen Sender Sky Sports. Es liege aber nicht nur an ihm selbst, sondern auch am Club, betonte der frühere deutsche Nationalspieler. Schon lange ist der einstige Mittelfeldstar und Topverdiener der Gunners in London umstritten.

Am Donnerstag will Özil mit dem FC Arsenal ins Europa-League-Endspiel einziehen. Mit einem Triumph im Finale von Baku am 29. Mai könnte eine weitere verkorkste Saison in London wenigstens ein einigermaßen versöhnliches Ende nehmen - nicht nur mit einer Trophäe, sondern vor allem mit einem Startplatz in der Champions League, den Arsenal in der Premier League schon zum dritten Mal in Serie verpasst hat.

Ob er immer noch glücklich sei bei Arsenal, wollte der Sky-Sports-Reporter wissen. „Ja, warum nicht?“, antwortete Özil und lachte dabei etwas verlegen. Der 30-Jährige hätte durchaus Gründe, unglücklich zu sein - zum Beispiel, weil er unter Arsenal-Coach Unai Emery nicht mehr das uneingeschränkte, bedingungslose Vertrauen genießt, das ihm dessen Vorgänger Arsène Wenger entgegenbrachte.

In dieser Saison bestritt Özil nur 24 von 37 Premier-League-Spielen, nur 20 Mal stand er in der Startelf. Mal musste er verletzungsbedingt pausieren, mal berief ihn Emery nicht in den Kader. So sagte der Trainer nach einer Niederlage bei West Ham United im Januar, er habe „die Spieler ausgewählt, die ich für dieses Match für am besten geeignet hielt.“ Britische Medien spekulierten immer wieder über ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Özil und dem Spanier.

Dabei hatte Özil unter dem Trainer neu durchstarten wollen - nach dem für ihn so desaströsen Sommer 2018. Vor fast genau einem Jahr sorgte der damalige Nationalspieler gemeinsam mit seinem DFB-Teamkollegen Ilkay Gündogan für Wirbel. Vor der Fußball-WM posierten beide am 14. Mai für Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und überreichten dem Staatschef Trikots ihrer Clubs. Erdogan nutzte die Bilder kurz vor den Präsidentschaftswahlen als Wahlkampfhilfe.

Einen Tag vor der Nominierung des deutschen WM-Kaders lösten die Bilder bundesweit Empörung aus. Politiker und Medien kritisierten die türkisch-stämmigen Profis. Grünen-Politiker Cem Özdemir sagte: „Das geht gar nicht.“ Der inzwischen zurückgetretene DFB-Präsident Reinhard Grindel warf Özil und Gündogan vor, sie hätten sich für ein Wahlkampfmanöver „missbrauchen lassen“.

Während Gündogan bald betonte, er habe nicht beabsichtigt, politisch Stellung zu beziehen, schwieg Özil. Während, vor allem aber nach der katastrophalen Weltmeisterschaft in Russland, bei der die DFB-Elf schon nach der Vorrunde ausschied, kam das Thema wieder auf. Besonders Özil musste nach dem WM-Scheitern teils überharte Kritik über sich ergehen lassen. Grindel forderte eine öffentliche Erklärung - und bekam sie. Am 22. Juli verkündete Özil über soziale Medien seinen Rücktritt aus der Nationalelf. Er attackierte Grindel, den DFB und die deutschen Medien und beklagte „Rassismus und fehlenden Respekt“.

Die Fotos mit Erdogan verteidigte Özil aber. Er würde sie jederzeit wieder machen. Und tat genau das. Im März trafen der Arsenal-Profi und seine Verlobte Amine Gulse den Präsidenten in Istanbul. Ein von der Erdogan-Partei AKP zur Verfügung gestelltes Foto zeigte das Paar, wie es dem Präsidenten angeblich eine Einladungskarte für die geplante Hochzeit überreichte. Özil-Berater Erkut Sögüt wollte sich auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht dazu äußern.

Sein privates Glück hat Mesut Özil gefunden. Seine sportliche Zukunft ist aber - trotz aller Treuebekundungen zu Arsenal - offen. Britische Medien spekulierten schon im Winter über einen vorzeitigen Abschied. Mit einer guten Leistung beim FC Valencia und einem starken Auftritt in einem möglichen Finale könnte der frühere Nationalspieler ein bisschen Werbung für sich machen - für eine Zukunft bei den Gunners oder bei einem anderen Club. Vorausgesetzt, er steht beim Europa-League-Rückspiel im Kader.

(ako/dpa)
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