Liverpool-Coach Jürgen Klopp hat empfindlich auf die Formkrise seines Teams reagiert

Balljungen-Diskussion und Reporter-Kritik : Klopp reagiert genervt auf Liverpools Formkrise

Sieben Punkte Vorsprung und die Tabellenführung sind dahin: Dass diese Formkrise seines FC Liverpool auch an Coach Jürgen Klopp nicht spurlos vorbeigeht, zeigte sich nach dem torlosen Derby gegen Everton.

Jürgen Klopp hatte erkennbar Mühe, nicht die Fassung zu verlieren. Es war schon genug passiert an diesem Tag. Ein 0:0 beim Stadtrivalen FC Everton, Verlust der Tabellenführung, die Provokation durch einen Balljungen - und dann fragte ein Reporter auch noch, ob der FC Liverpool nicht vielleicht zu wenig Risiko gegangen sei. „Ich bin sehr enttäuscht über ihre Frage“, entgegnete Klopp hörbar gereizt und knurrte: „Wir spielen hier nicht Playstation.“

Nein, es läuft derzeit einfach nicht für Klopp. Nach dem 20. Spieltag in der Premier League hatte Liverpool sieben Punkte Vorsprung vor Manchester City, ein nettes Polster im Kampf um den ersten Meistertitel seit 29 Jahren. Doch mit dem 1:2 beim Titelverteidiger am 21. Spieltag fiel bei den so hochtourig laufenden Reds die Drehzahl ab. Jetzt, nach dem 29. Spieltag, haben sie einen Punkt Rückstand auf ManCity. Aber, beteuerte Klopp: „Wir verlieren nicht die Nerven.“ Nein?

Wenn der Teammanager ein Spiegelbild seiner Mannschaft ist, dann ist die Stimmung an der Anfield Road allerdings nicht die beste. Klopp jedenfalls schien am Sonntag gleich ein paar Mal kurz davor, an die Decke zu gehen. Zunächst konnte er nur mit Mühe seinen Ärger über die Provokation eines Balljungen des FC Everton unterdrücken. Kurz darauf schien es, als spränge er am liebsten jenem Reporter an die Gurgel, der ihn mit der Frage nach der Risikobereitschaft genervt hatte.

Gleich mehrfach ließ Klopp den Reporter wissen, wie sehr ihn dessen Frage enttäusche, verbittert wirkend versuchte er dann zwei Minuten lang wortreich zu erklären, warum die Diskussion im Grunde genommen absurd sei.

Er könne nicht wie bei einem Videospiel einfach so noch mal einen Stürmer aufstellen, „so funktioniert Fußball nicht“, sagte Klopp schulmeisterlich, „man kann nicht mehr als 100 Prozent Risiko gehen, man kann nicht verrückt spielen.“

Tatsache jedoch ist: Liverpool schwächelt. Mohamed Salah hat in seinen vergangenen sieben Spielen nur einmal getroffen, in vier der letzten sechs Ligaspiele erreichten die Reds nur ein Unentschieden, wie auch im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Bayern München (0:0/Rückspiel am 13. März). Auf das Ergebnis am Sonntag reagierte Klopp mit einer Mischung aus Trotz und gespielter Gleichgültigkeit: „Wir haben einen Punkt mehr als zuvor: alles gut.“

Alles gut? Ja, beteuerte Klopp. „Es ist Anfang März", wen interessiere es da schon, dass „die anderen einen oder zwei Punkte mehr haben als wir.“ Ihn angeblich nicht, jedenfalls versuchte er dies zuvor auch beim Streaming-Dienst Dazn zu vermitteln: „Es ist ja völlig wurscht, wer Anfang März an der Tabellenspitze steht.“ Und übrigens: das Spiel gegen Everton „war nicht perfekt, aber immer noch gut genug, um mit einem halben Lächeln nach Hause zu gehen“.

Doch auch dieses halbe Lächeln wirkte bei Klopp vor allem schief.

(sid/seka)
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