Kein Militärdienst: Heung Min Son rettet seine Karriere

Kein Militärdienst nach Sieg bei Asienspielen : Heung Min Son rettet seine Karriere

Heung Min Son hat mit Südkoreas Triumph bei den Asienspielen wohl seine Karriere gerettet. Er steht nun vor der Befreiung des lange drohenden 21-monatigen Militärdienstes.

Wie aufgedreht sprintete Heung Min Son mit dem Schlusspfiff über den Platz und hob einen Mitspieler nach dem anderen in die Luft, als wollte er jedem einzeln danken. Die ganze Last des lange drohenden Militärdienstes fiel von dem Star der Tottenham Hotspur ab. "Das ist der beste Tag in meinem Leben", sagte Son voller Freude der französischen Nachrichtenagentur AFP. Er hatte seine letzte Chance, seine Profikarriere zu retten, genutzt.

Nach dem 2:1 (0:0) nach Verlängerung im Finale der Asienspiele gegen Japan stehen Son und seine Teamkollegen vor der Befreiung des Militärdienstes. Der schnelle Offensivspieler führte sein Team erneut als Kapitän aufs Feld und bereitete die Tore von Seung Woo Lee (93.) und des Neu-Hamburgers Hee Chan Hwang (101.) jeweils vor. "Ich bin so stolz auf meine Teamkollegen, sie haben 120 Minuten gekämpft. Aber ohne das südkoreanische Volk hinter uns hätten wir das Turnier nicht gewinnen können", sagte Son.

Bei der WM in Russland hatte er mit seinem Treffer in der Nachspielzeit beim 2:0 gegen Deutschland hierzulande für lähmendes Entsetzen gesorgt, der Sieg über den damals taumelnden Weltmeister half ihm jedoch noch nicht, dem Militärdienst zu entgehen.

Südkoreanische Sportler, die bei Olympischen Spielen eine Medaille gewinnen oder - auch als Mitglied einer Mannschaft - Gold bei den Asienspielen, müssen nicht an der Waffe dienen. Auch die Fußballer, die 2002 bei der Heim-WM ins Halbfinale vorstießen, brauchten nicht zum Militär.

Für alle südkoreanischen Männer gilt eine mindestens 21 Monate dauernde Wehrpflicht. Von dieser wäre der frühere Hamburger und Leverkusener Son nur bis zu seinem 27. Geburtstag am 8. Juli 2019 befreit gewesen, danach hätte er einrücken müssen. Seine Karriere wäre in großer Gefahr gewesen.

Statt umgerechnet 95.000 Euro pro Woche hätte er dann fast zwei Jahre lang einen Sold von 240 Euro monatlich bekommen. Statt Spielen an der White Hart Lane stünde Überlebenstraining mit nacktem Oberkörper bei Minusgraden auf dem Programm. Sons erster Titelgewinn überhaupt wird ihn vor all dem bewahren.

"Ich bin Tottenham so dankbar, dass sie mich hier hergelassen haben", sagte Son während er seine Goldmedaille fest umklammerte: "Ich möchte dem Trainer, den Spielern und Fans der Spurs wirklich danken. Sie sind so besonders."

Ganz uneigennützig war die Freistellung der Spurs für Son aber nicht, schließlich müssen sie nun nicht mehr um den Verlust ihres Spielers fürchten, mit dem sie erst kurz nach der WM bis zum Jahr 2023 verlängert hatten. Bei den Asienspielen 2014, als Südkorea ebenfalls triumphierte, hatte ihn sein damaliger Klub Bayer Leverkusen nicht abgestellt.

Nun hatte sich Son bereits in der festen Entschlossenheit des späteren Titelgewinns bei seiner Abreise zu den Asienspielen Mitte August bei Teammanager und Mitspielern entschuldigt, dass er so lange fehlen werde. Tatsächlich verpasst hat er aber nur drei Spiele in der Premier League. Das hat sich gelohnt - für beide Seiten.

(lt/sid)