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Jürgen Klopp freut sich über Mainzer Medienpreis

Ehre für Liverpool-Trainer : Klopp freut sich über Mainzer Medienpreis

Auf der Orgel erklingt die Liverpool-Hymne, und unterm Kreuz hält Heidel die Laudatio auf einen ehemaligen rechten Verteidiger. In einer nostalgisch-launigen Preisverleihung bekennt sich „Kloppo“ zu Mainz.

Weniger Angst und mehr Entspanntheit im Umgang mit Medien - mit diesem Rat an alle Fußballvereine hat Liverpool-Trainer Jürgen Klopp den Mainzer-Medien-Preis entgegengenommen. „Wenn jemand fragt, gebe ich eine Antwort - wenn das jemand nicht gefällt, kann ich es nicht ändern.“

Für seine Auftritte als TV-Experte hat Klopp schon zweimal einen Deutschen Fernsehpreis erhalten, diese Auszeichnung aber nicht persönlich entgegengenommen. Diesmal aber kommt er für die bislang kaum bekannte Auszeichnung nach Mainz. Die Rückkehr ist für den einstigen Spieler und Coach von Mainz 05 ein großer Spaß.

Das fängt an mit der Stadion-Hymne „You’ll never walk alone“, auf der Orgel gespielt in der Mainzer Christuskirche. Dann erklärt der Herzchirurg Christoph-Friedrich Vahl von der Universitätsmedizin Mainz als Mitbegründer des Preises, dass die Jury nicht etwa den fußballerischen Erfolg würdigen wollte, und auch nicht „seine emotionalen Ausbrüche am Spielfeldrand“. Aber Klopp lebe Fairness vor. Auch leiste er „einen wichtigen Beitrag, um das Bild des Deutschen im Ausland in kleinen Schritten zum Positiven zu verändern“.

Das war 2001 nicht zu ahnen. Damals machte FSV-Manager Christian Heidel den in Mainz nur als „Kloppo“ bekannten rechten Verteidiger in höchster Abstiegsnot zum Trainer des Zweitligavereins. Heidel, mit Krawatte in Schalke-Blau in seine Geburtsstadt gekommen, erinnert an das „schallende Gelächter“ bei der Vorstellung des neuen Trainers. Was folgte, waren Klassenerhalt, Bundesliga-Aufstieg 2004, dann 2008 der Wechsel zu Borussia Dortmund und 2015 zu Liverpool.

„Er vermeidet Populismus, er ist authentisch, auch wenn es manchmal unangenehm sein kann“, sagt Heidel in seiner Laudatio. Auch in einer inzwischen veränderten Medienwelt, in der Information oft von Bewertung verdrängt werde, halte Klopp an Offenheit, Ehrlichkeit und Bodenständigkeit fest.

„Medien sind Mittel der Kommunikation, sie verbinden Menschen“, sagt der gastgebende evangelische Dekan Andreas Klodt. „Wir haben hier ein Medium sitzen, das uns etws vom Geist des Fußballs vermittelt.“ Und Klopp spricht in der Christuskirche auch von seinem persönlichen Glauben: „Christ-Sein, und auch das Mensch-Sein ist ein steter Versuch, und da bin ich noch dabei.“

Nach der Übergabe des Preises, das ist in der Stadt Gutenbergs eine eigens gestaltete Druckgrafik, tritt Klopp ans Mikrofon. In seiner Dankesrede mokiert er sich ein bisschen über die vielen Fragen von Journalisten vor Beginn der Feier. Und kritisiert: „Wir leben in einer Zeit, in der auch die Medien dafür verantwortlich sind, dass Donald Trump Präsident der USA ist.“ Aber dann schwärmt er von der „wunderschönen Zeitreise“ des Abends und bekennt mit Blick auf den bis zur Empore voll besetzten Kirchenraum: „Für meine Familie und mich ist Mainz Heimat und wird auch irgendwann mein Zuhause sein.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Klopp freut sich über goldenes Porträt von sich

(rent/dpa)