Rauswurf wie Tuchel? Getroffener Klopp setzt auf Geduld der Liverpool-Besitzer

Neapel · Jürgen Klopp muss sich nach dem Fehlstart in der Champions League beim SSC Neapel Fragen über seine Zukunft gefallen lassen – und will Liverpool „neu erfinden“.

Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, verfolgt das Spiel.

Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, verfolgt das Spiel.

Foto: dpa/Agostino Gemito

Jürgen Klopp lächelte säuerlich, die freche Frage nach seinem Job schien für ihn an Majestätsbeleidigung zu grenzen. Er glaube „nicht wirklich“ an einen überraschenden Rauswurf beim FC Liverpool, wie ihn sein Kollege Thomas Tuchel beim FC Chelsea ereilte, meinte Klopp schnippisch - und fügte nach einer Kunstpause an: „Aber wer weiß?“

Der kapitale Fehlstart des Vorjahresfinalisten in die Champions League mit dem demütigenden 1:4 (0:3) beim SSC Neapel wirft Fragen auf - vor allem an Klopp. Doch der Unterschied zwischen Liverpool und Chelsea sei, „dass wir andere Besitzer haben“, betonte der Trainer: „Unsere sind geduldiger und erwarten, dass ich die Probleme löse, nicht jemand anderes.“

Klopp steht vor einer Mammutaufgabe, auch in der Premier League läuft es nicht. „Wir sind in einer schwierigen Phase, kein Zweifel“, gab er sichtlich getroffen zu, „grundlegende Dinge haben gefehlt, wir waren nicht gut genug, nicht zum ersten Mal.“ Sein ernüchterndes Fazit: „Wir müssen uns neu erfinden.“ Nur wie?

Die altehrwürdige Times fühlte sich nach der „Horror-Show“ schon an Klopps „verflixte siebte Saison in Dortmund“ erinnert - die endete bekanntlich mit der Trennung. 103 Tage nach der dramatischen Final-Nacht von Paris hätten die Reds wie „Novizen“ in der Königsklasse gewirkt, schrieb der Guardian nach dem „Albtraum“, dem schwächsten Europacup-Auftritt unter Klopp.

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Der hatte den traurigen Fans im Mai noch zugerufen, sie sollten schonmal Zimmer im nächsten Finalort Istanbul reservieren. Die gutgläubigen Anhänger, unkte die Daily Mail, haben „hoffentlich eine Reiserücktrittsversicherung“.

Liverpool war mit vier Gegentoren noch gut bedient. Besonders besorgniserregend: Klopps „Mentalitätsmonstern“ fehlte es nach Ansicht des Independent an Spirit. Das Mittelfeld kam nie in Klopps Gegenpressing, die Abwehr um den abermals wackligen Chef Virgil van Dijk glich laut Liverpool-Legende Jamie Carragher „einem Trümmerhaufen“. Klub-Ikone Michael Owen meinte: „Es riecht nach einer Saison zum Vergessen.“

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Klopp entschuldigte sich bei den mitgereisten Fans für die Blamage und wirkte bisweilen ein wenig ratlos. Seine Jungs wollten ja, betonte er. Warum es dennoch nicht klappe? „Es ist meine Aufgabe, das herauszufinden.“

Das Problem sei, dass er dies mitten in der wegen der Katar-WM vielleicht kompliziertesten Saison tun müsse. Am Samstag kommen die Wolverhampton Wanderers an die Anfield Road, am Dienstag Ajax Amsterdam. Nicht auszuschließen, dass die Fragen an Klopp noch frecher werden.

(lonn/SID)
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