FC Chelsea holt mit Maurizio Sarri den nächsten Italiener als Trainer

Trainerwechsel : FC Chelsea holt mit Sarri den nächsten Italiener als Trainer

Maurizio Sarri soll dem FC Chelsea zu einem spektakulären Offensivfußball verhelfen. Dabei hat der Neapolitaner noch nie einen Top-Club außerhalb Italiens trainiert. Die Erwartungen sind hoch. Allerdings ist Sarri in Italien nicht nur positiv aufgefallen.

Der Italiener Maurizio Sarri hat mit der ersten Trainingseinheit beim FC Chelsea sein neues Amt beim englischen Pokalsieger angetreten. Der 59-Jährige löst seinen entlassenen Landsmann Antonio Conte ab und brachte von seinem bisherigen Club SSC Neapel den italienischen Fußball-Nationalspieler Jorginho mit. Wie der FC Chelsea am Wochenende mitteilte, hatte der 26-jährige Mittelfeldspieler an der Stamford Bridge einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet. Die Ablösesumme wurde in den britischen Medien auf etwa 57 Millionen Pfund (64 Millionen Euro) beziffert.

Der FC Chelsea, der Club des deutschen Nationalspielers Antonio Rüdiger, erhofft sich von Sarri eine Hinwendung zu einem spektakulären Offensivfußball. „Neapel hat unter ihm mit den spannendsten Fußball in Europa gespielt und durch seinen Offensivansatz und seine Dynamik beeindruckt“, schwärmte die Clubdirektorin Marina Granovskaia. „Seine Trainingsmethoden haben die Spieler unter ihm enorm verbessert.“

Sarri unterzeichnete beim FC Chelsea einen Dreijahresvertrag. Der Club hatte am Freitag nach zwei Jahren die Trennung von Conte bekanntgegeben. Der 48-Jährige war mit dem englischen Spitzenclub in seiner ersten Saison Meister geworden und hatte im zweiten Jahr den FA Cup gewonnen. Die Londoner verpassten zuletzt jedoch als Fünfte der Premier League die Qualifikation für die Champions League.

Zwischen Conte und dem Club hatte es immer wieder Diskussionen über die Transferpolitik gegeben. Ob mit Sarri nun ruhigere Zeiten anbrechen, scheint alles andere als sicher. Der 59-Jährige gilt als eigensinnig und ist in Italien dafür bekannt, dass er immer wieder Dispute mit den Vereinsbossen führte. Zudem kann der Süditaliener keine großen Erfolge oder Titel vorweisen und hat auch noch nie einen Top-Club außerhalb seines Heimatlandes trainiert.

Allerdings hatte Sarri Neapel mit Offensivfußball aus einer Krise geführt. 2017 wurde er in Italien zum Trainer des Jahres gewählt. Sein Team lieferte sich in der abgelaufenen Saison in der Serie A lange Zeit einen Zweikampf mit Juventus Turin um die Meisterschaft, am Ende blieb aber nur Rang zwei. Beim SSC Neapel wird Sarri zur neuen Saison durch den Ex-Bayern-Coach Carlo Ancelotti ersetzt.

„Ich bin sehr glücklich. Das ist ein spannendes neues Kapitel meiner Karriere“, sagte Sarri nach seinem Wechsel an die Stamford Bridge. „Ich hoffe, wir können den Fans einen unterhaltsamen Fußball bieten.“ Der Trainer, der seine Arbeit meist im Trainingsanzug und mit einer Zigarette im Mundwinkel verrichtet, hatte seine Karriere als Teilzeit-Coach in der Provinz begonnen. Tagsüber hatte er als Bankangestellter gearbeitet und nach Feierabend Amateurmannschaften trainiert. In seiner Heimat fiel Sarri allerdings nicht nur durch seinen Fußball-Sachverstand auf. Mit homophoben und frauenfeindlichen Äußerungen sorgte er für Eklats und stand immer wieder in der Kritik.

(rent/dpa)
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