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Corona-Krise: Die fetten Jahre in der Premier League sind vorerst vorbei

Transfermarkt-Blase droht zu platzen : Die fetten Jahre in England sind vorerst vorbei

Die Blase in Englands höchster Spielklasse droht zu platzen. Selbst die reichste Fußball-Liga der Welt wird von Corona hart getroffen.

Milliardenschwere TV-Verträge, stetig steigende Transferausgaben, übertrieben hohe Spielergehälter für mittelmäßige Spieler - die Premier League ist in der vergangenen Jahren zur reichsten Fußball-Liga der Welt geworden und hat förmlich mit Geld um sich geschmissen. Doch nun könnte diese Blase platzen, immer mehr englische Klubs bekommen die ausbleibenden Einnahmen durch die Coronapandemie zu spüren.

Vor allem bei den TV-Geldern drohen der Liga erhebliche Einbußen. Der Spielbetrieb wird höchstwahrscheinlich noch bis Mitte Juni ruhen. Sollte auch dann die Liga nicht starten oder sogar abgebrochen werden, droht der Verlust von knapp 870 Millionen Euro. Zum Vergleich: In der Bundesliga würden den Vereinen knappe 304 Millionen Euro entgehen - nicht einmal die Hälfte.

Selbst bei einer Wiederaufnahme der Saison würden die Stadien zunächst leer bleiben, Einnahmen durch Zuschauer blieben also ebenfalls aus. Zudem werden auch wichtige Sponsoren von der Pandemie wirtschaftlich hart getroffen. Auch dort drohen den Vereinen große Einschnitte.

Doch auch eigene "Wertanlagen" haben - wenn man so will - schon erhebliche Verluste zu verzeichnen. Die unter Vertrag stehenden Spieler in England haben in der Summe bereits 1,8 Milliarden Euro an Wert verloren. Daher wurden Forderungen nach einer Aussetzung der diesjährigen Transferperiode laut. Auch Manchester United Legende Gary Neville sprach sich bereits für eine Transfersperre aus. "Wenn die Klubs versuchen, Gehaltskürzungen von 30 Prozent bei den Spielern durchzubekommen, muss die Premier League möglicherweise ein Transfer-Embargo verhängen", sagte Neville gegenüber Sky Sport.

Doch gerade für Vereine, die sich hauptsächlich über Spielerverkäufe finanzieren, könnte ein Verbot fatale Folgen haben. "Es wird eine deutliche Senkung bei Ablösesummen geben. Eine große Anzahl an Vereinen stünde, bei einer Rückkehr des Transfermarktes in irgendeiner Form, kurz vor der Geschäftsaufgabe, und würde daher Ausverkaufspreise akzeptieren", sagte Fußball-Finanzexperte Kiernan Maguire gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Je länger also die Transfersperre dauere, desto niedriger könnten die Preise gedrückt werden.

Doch nicht nur künftige Transfers könnten ein Problem für angeschlagene Vereine sein. Auch zurückliegende Geschäfte könnten gefährlich werden. Aufgrund der immer steigenden Summen werden Ablösen in vielen Fällen im Laufe eines Spielervertrags überwiesen. Demnach hatten die Vereine der Premier League am Ende der Saison 2018/2019 rund 1,8 Milliarden Euro Schulden bei anderen Vereinen - davon knapp eine Milliarde Euro bei Klubs aus dem Ausland.

"Die Befürchtung ist, dass finanzielle Probleme in einer Liga sich auf die ganze Branche ausbreiten könnte - so wie das Virus", sagte Maguire. Oder: Können die englischen Vereine ihre Schulden nicht zahlen, könnte das zu einer Reihe von Zahlungsausfällen führen, und damit zu Insolvenzen womöglich sogar in ganz Europa.

Die fetten Jahre in England sind also vorerst vorbei. Selbst zurückliegende Transfers könnten für Vereine am Rande der Existenz gefährlich werden, und das sogar auf dem ganzen Kontinent. Sicher geglaubte Einnahmen durch enorm hohe Ablösen werden ausbleiben. Die durch milliardenschwere TV-Verträge übertrieben aufgeblasenen Transfer-Blase in England wird mit Wiedereröffnung des Marktes höchstwahrscheinlich platzen.

(sid/old)