Todkranker Feyenoord-Fan nimmt Abschied: Das letzte erste Training für Rooie Marck

Todkranker Feyenoord-Fan nimmt Abschied: Das letzte erste Training für Rooie Marck

41 Jahre war Marck Bakker Fan von Feyenoord Rotterdam. Dann teilten ihm seine Ärzte mit, dass er nicht mehr lange zu leben habe. Im Stadion "De Kuip" gab es einen bewegenden Abschied.

Marck Bakker, ein Busfahrer aus Rotterdam, hat im "De Kuip" Meisterschaften und Pokalsiege gefeiert. 2002 gewann Feyenoord sogar den Uefa-Cup im eigenen Stadion. Der Ultra-Fan Bakker hat seinen Verein über Jahrzehnte so sehr gelebt, dass man sich fragt, ob es angemessen ist, nur zu sagen, er trage Feyenoord tief im Herzen. Wegen seiner roten Haare nennen ihn alle nur "Rooie Marck".

Titel werden auch in anderen Stadien von anderen Fans gefeiert. Doch in Rotterdam pflegen die Anhänger seit Jahren eine Tradition, die wohl einmalig ist in Europa. Jeden Sommer strömen tausende Feyenoord-Fans in "De Kuip", um der Mannschaft beim ersten Training zuzusehen. Bengalos gehören dazu wie die Kreidelinien auf dem Rasen.

Im Bett am Spielfeldrand

Diesmal sind etwa 6000 gekommen. Sie könnten ein Auge auf die Neuzugänge werfen, ihre Vorfreude auf die neue Saison ausleben oder es genießen, nach der Sommerpause endlich wieder in ihrem Stadion zu sein. Doch es dreht sich nur um einen, der zunächst etwas abseits in einem Krankenhausbett liegt, die Rückenlehne aufrecht, eine Feyenoord-Fahne auf den Beinen, eine Zigarette im Mund: Rooie Marck.

Seine Freunde haben in Absprache mit dem Verein ermöglicht, dass Marcks letzter Wunsch erfüllt wird. Denn der 54-Jährige ist unheilbar krank. Die Ärzte geben ihm nicht mehr lange, nicht einmal bis zum ersten Feyenoord-Spiel der neuen Saison.

Marck zeigt quer über das Spielfeld auf die Fankurve, wo er in Block Q jahrelang seinen Stammplatz hatte. Was jetzt kommt, weiß er genau. Bengalos hüllen die Tribüne in dichten Rauch. Zum ersten Mal hält es Marck nicht mehr in seinem Krankenbett. Stehend applaudiert er den Kollegen in der Kurve.

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"You'll never walk alone"

Das ist der Teil der Tradition, wie Marck sie kennt. Doch diesmal weichen die Feyenoord-Fans vom Ablaufplan ab. In Block Q enthüllen sie ein riesiges Banner. Es zeigt Marck, der stolz im grünen Shirt posiert. Der echte Marck, im grünen Shirt, bricht in Tränen aus. Dann singen die 6000 "You'll never walk alone". Selten war dies so wahr. "Das ist mein Leben, heute fühle ich keinen Schmerz, nur Freude!", ruft Marck.

Er macht sich auf in Richtung Kurve, klatscht auf dem Weg dorthin die Mannschaft ab, bekommt ein Trikot überreicht. Die Fans feiern den krebskranken Familienvater. Der 54-Jährige weiß, dass er nicht mehr zurückkehren wird nach "De Kuip". Den Rest des Trainings verfolgt er von der Trainerbank aus und sagt zufrieden: "Von mir aus kann es das nun gewesen sein." Drei Tage später stirbt er.

Auf der Todesanzeige steht: "Marck will keine Blumen und Kränze, eure Anwesenheit reicht vollkommen." Die Trauerfeier findet eine Woche nach Marcks Tod statt. Sein grün-weißer Sarg in den Farben der Stadt Rotterdam wird in einem alten Chevrolet durch die Straßen gefahren. Marcks alte Kollegen stehen mit Bengalos am Wegesrand. Auch die Busfahrer erweisen ihm eine letzte Ehre: Statt der Endstation steht vorne auf der Anzeige "You'll never walk alone".

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(sgo)
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