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Coronavirus: Wo noch Fußball gespielt wird

Fußball in Zeiten von Corona : Die Kugel rollt - von Baumjohann bis Brasilien

Totaler Stillstand? Mitnichten! Während in Zentraleuropa fast nichts mehr geht, rollt in Australien, Mexiko oder Südafrika der Ball.

Auch Alexander Baumjohann konnte nichts mehr retten. 24 Minuten vor Abpfiff warf sich der Angreifer im Allianz-Stadion in die Schlacht, die Einwechslung des Routiniers brachte aber im Meisterschaftskampf nicht den erhofften Erfolg - 0:0 hieß es am Samstag zwischen Australiens Tabellenführer Sydney FC und den Gästen von Perth Glory. Aber immerhin: Fußball! In echt und vor Zuschauern. In Zeiten der Coronakrise ein rares Gut.

Fußball-Junkies auf Entzug müssen auf der Suche nach einem sportlichen Methadonprogramm mitunter weit blicken und werden zumeist an den Rändern der Kickwelt fündig. Und doch: Während in weiten Teilen der Erde Ausnahmezustand herrscht, läuft andernorts der Sportbetrieb weiter, als sei nichts gewesen.

Ozeanien, Afrika, Lateinamerika - wer am Wochenende trotz des Total-Blackouts in Europas Topligen Live-Fußball sehen wollte, konnte dies auch. Und sah dabei bekannte Gesichter wie Baumjohann oder den Ex-Frankfurter Nicolai Müller, der am Samstag mit dem Lokalrivalen Western Sydney Wanderers bei Melbourne City auflief. Während in Englands Profifußball nicht gespielt wird, haben die Australier englische Wochen: Dreimal muss Baumjohann mit Sydney binnen sieben Tagen ran. Down under ist Corona noch weit entfernt.

An Nordamerikas Pazifikküste trennt ein Grenzzaun fußballerischen Stillstand von gewohntem Fußball-Rausch. Während in der US-kanadischen Profiklasse MLS nichts mehr geht, kickte direkt "south of the border" in Mexikos Topliga Tijuana im gut gefüllten Estadio Caliente 3:2 gegen Pachuca.

Einen Großkampftag gab es auch in Brasilien, wo die jeweiligen Staatsmeisterschaften auf Hochtouren laufen. Im Maracana ging es am Samstag für Diego und Rafinha mit Flamengo der "Carioca" gegen Außenseiter Portuguesa, in der "Paulista" stand mit dem Duell der Publikumsmagneten FC Sao Paulo (mit Dani Alves) und FC Santos sogar ein veritabler Kracher an.

Wer es exotischer mag, wird in Afrika fündig: Im Kongo wird ebenso wie in Südafrika gespielt, auch in Angola, Ruanda oder Ghana rollt der Ball. Selbst in Asien, wo gemeinhin das üble Coronavirus verstärkt verortet wird, muss der Fan nicht darben: Ob Indonesien oder Indien, Kirgistan oder Usbekistan, Singapur oder Malaysia - der Spielbetrieb läuft.

Auch in Europa herrscht nicht überall Finsternis, und wer mag, darf sogar deutschen Alt-Internationalen zusehen. In der Türkei muss Lukas Podolski mit Antalyaspor am Montag gegen Sivasspor ran, für Samstag war das Match von Max Kruses Fenerbahce bei Konyaspor angesetzt.

In Russland siegte Dynamo Moskau am Freitag nach Treffern der ehemaligen Bundesliga-Spieler Maximilian Philipp und Konstantin Rausch 3:2 in Grosny. Andre Schürrle fehlte Spartak Moskau mit Trainer Domenico Tedesco am Samstagmittag in Orenburg verletzt. Rio-Weltmeister Benedikt Höwedes spielt am Sonntag mit Lokomotive Moskau in Rostow am Don.

Und sogar im kleinen Gibraltar wird gekickt, während drumherum in Spanien der Notstand ausgerufen ist. Die Fußball-Liebe in Zeiten der Corona - erkaltet ist sie nicht.

(eh/sid)