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Corona-Chaos in Dänemark: Nationalmannschaft fehlen 20 Spieler und der Trainer.

Corona-Chaos vor Länderspiel : Dänemark fehlen 20 Spieler und der Trainer

Mutierte Coronaviren, positive Fußballer und Millionen tote Nerze: Das Länderspiel zwischen Dänemark und Schweden gerät zur Farce.

Ebbe Sand hat in seinem bewegten Fußballer-Leben schon vieles durchgemacht, bis hin zur dramatischen Schalker "Meisterschaft der Herzen". Doch das Corona-Chaos in der dänischen Nationalmannschaft hat auch den einst eiskalten Torjäger richtig aufgewühlt. "Das ist eine ganz besondere Situation", berichtete er am Dienstag mit versteinerter Miene.

Sand ist Teil einer sportlichen Farce, die sich vor dem Hintergrund des "großen Schlachtens" in den dänischen Nerzfarmen vollzieht. Mutierte Coronaviren haben bis zu 17 Millionen Pelztiere zum Tode verurteilt und eine mittlere Staatskrise ausgelöst.

Dänemark muss wegen der Pandemie auf Chefcoach Kasper Hjulmand und insgesamt 20 (!) Nationalspieler um den positiven Hoffenheimer Robert Skov verzichten - und soll am Mittwoch trotzdem gegen Schweden spielen, dem Trainer Janne Andersson und fünf Profis fehlen.

"Das einzig Richtige wäre, die ganze Scheiße abzusagen", schrieb der schwedische „Expressen“ - da war der Fall Skov noch gar nicht bekannt. Das dänische „Ekstrabladet“ berichtete von einer "Corona-Hölle" und sieht die Nationalmannschaft "in Trümmern" liegen, die „Berlingske“ titelte: "Riesen Corona-Chaos im Landshold-Lager."

In diesem beispiellosen Durcheinander muss Stürmertrainer Sand seinen Chef Hjulmand vertreten. Der frühere Mainzer Coach hatte engen Kontakt zu Skov oder dem ebenfalls positiven Stabmitglied. Deshalb steht er gegen Schweden wie etwa auch der Leipziger Yussuf Poulsen und Schalkes Frederik Rönnow nicht zur Verfügung. Alle sind negativ, wurden aber isoliert.

"Das ist ärgerlich für die Mannschaft und vor allem für die beiden Positiven", sagte Hjulmand. Skov und das Stabmitglied sollen sich aber schon vor dem Treffen der ohnehin dezimierten Auswahl infiziert haben. Wegen der vielen coronabedingten Ausfälle hatte der dänische Verband in zwei Runden bereits insgesamt elf Spieler nachnominiert. Am Dienstag kamen weitere sieben hinzu, darunter sechs Neulinge.

Die ersten Neu-Berufungen waren auch notwendig, weil die britische Regierung eine zweiwöchige Quarantäne angekündigt hatte für Spieler, die aus Dänemark zurückkehren. Daher konnten die sieben nominierten dänischen England-Legionäre ebenso wenig anreisen wie die fünf der Schweden. Deren Coach Andersson, der das Spiel wegen eines positiven Familienmitgliedes verpasst, berief drei Neue - allesamt in Dänemark aktiv.

Ist das Spiel überhaupt noch vertretbar? "Klar", sagte der Dortmunder Thomas Delaney, die Neuen würden "ihren rechten Arm geben", um dabei zu sein. Und überhaupt: Die dänische "Blase" sei dichter als jene bei seinem Klub. Sand bemühte ein in diesen Zeiten eher unglückliches Bild: "Wir rücken noch enger zusammen."

Warum trotz Corona und toter Nerze gespielt wird, betonte Hakan Sjöstrand. "Es gibt bedeutende ökonomische Aspekte", sagte der Generalsekretär des schwedischen Verbandes. Man sei "wie alle anderen abhängig von Einnahmen". Gerade jetzt.

Allerdings ist unklar, wie es nach der Mittwoch-Farce weitergehen wird. Beide Verbände setzen darauf, zumindest ihre "Engländer" in den anstehenden Nations-League-Spielen einsetzen zu können. Er hoffe, sagte der dänische Torhüter Kasper Schmeichel, dass die britische Regierung "zur Vernunft kommt" - und die nach dem Heimattrip erforderliche zweiwöchige Quarantäne kippt.

Hjulmand sieht "enormen Druck" auf den britischen Behörden. "Ich verstehe die Logik dahinter nicht", sagte er über die Quarantäne-Regelung. Diese wurde verordnet, weil das mutierte Coronavirus bereits von den Nerzen auf Menschen übergesprungen ist. Der dänische Verbandsdirektor nannte die Beschlüsse dennoch "zu weitreichend".

Sie gefährden auch die Partie zwischen England und Island in der Nations League am 18. November, denn die Isländer spielen zuvor in Kopenhagen gegen die Dänen. Der englische Verband prüft aktuell einen alternativen Austragungsort zu Wembley, im Gespräch ist neben Deutschland auch Albanien. Sollte eine Verlegung scheitern, droht England eine Niederlage am grünen Tisch.

(sid/old)