Champions-League-Reform: Klub-Vereinigung ECA rudert zurück

Proteste gegen Champions-League-Reform : Klub-Vereinigung rudert zurück

Die ECA hat ihre Reformpläne für die Europapokal-Wettbewerbe verteidigt. Die massiven Proteste der Ligen haben aber offenbar dennoch Wirkung gezeigt.

Die massiven Proteste auch aus der Bundesliga gegen eine radikale Reform der Champions League haben offenbar Wirkung gezeigt. "Nichts ist in Stein gemeißelt", betonte ECA-Chef Andrea Agnelli am Freitag nach der außerordentlichen Generalversammlung der Klub-Vereinigung, die zurückrudern musste. Das Treffen auf Malta sei "erst der Anfang" eines langes Konsultationsprozesses gewesen, der sich über "mehrere Monate" hinziehen werde, sagte Agnelli.

In den vergangenen Wochen hatte das anders geklungen. Die ECA-Pläne, die für den Europapokal ab 2024 ein dreistufiges Ligensystem mit zahlreichen Fixplätzen für Topvereine vor allem in der Champions League vorsehen, wirkten schon sehr weit ausgearbeitet. Neben den Bundesliga-Vereinen rebellierten unter anderem auch die englischen Klubs der Premier League und zahlreiche Vereine aus der spanischen La Liga.

"Ich glaube nicht, dass man ohne Deutschland und England eine Lösung finden kann", hatte Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), vor der ECA-Sitzung betont: "Wir müssen klarmachen, dass die nationalen Ligen das Wichtigste sind."

Agnelli, gleichzeitig Präsident des Spitzenklubs Juventus Turin, reagierte indirekt auf die Kritik der großen Ligen. Er forderte die Vereine dazu auf, gemeinsam eine Lösung "im Interesse des gesamten europäischen Fußball" zu finden, und das "unabhängig von den nationalen Marktinteressen". Das Wichtigste sei "eine europäische Sicht" auf die Zukunft.

"Wir möchten eine Lösung finden, die dem gesamten europäischen Fußball dient", sagte Agnelli: "Nicht nur einzelnen Ländern oder Klubs." Wenn am Ende "70 oder 80 Prozent (der Vereine, d. Red.) zufrieden" seien, wäre das ein guter Schnitt. Entscheiden würde über eine Reform die Europäische Fußball-Union (Uefa), die ECA gilt aber als einflussreichster "Stakeholder" auf dem Kontinent.

"Viele Vereine sind mit Angst und Skepsis nach Malta geflogen", sagte Agnelli. Diese Zweifel seien aber nach der Versammlung beseitigt. "Aus der Klubperspektive war gestern und heute der Start in den Diskussionsprozesses", sagte der Italiener.

Dabei soll offenbar auch vor den grundlegenden Strukturen der nationalen Ligen nicht Halt gemacht werden. "Wir hatten in Holland zuletzt Diskussionen über die Zukunft unserer Liga", sagte ECA-Vize Edwin van der Sar: "Dabei ging es auch um die Anzahl der Teams. Grundsätzlich ist die Idee, mehr europäische Spiele zu haben. Danach haben die großen und kleinen Klubs gefragt. Natürlich kann man sich dabei auch die Größe der eigenen Liga oder die Spiele in den Pokal-Wettbewerben anschauen."

Im September soll in der Uefa-Zentrale in Nyon eine "Elefantenrunde" stattfinden, bei der sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen. Uefa-Präsident Aleksander Ceferin hatte zuletzt betont, dass vor allem die Königsklasse nicht zwingend reformiert werden müsse.

(lt/sid)
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