Transfer von Carlos Tévez und Oscar: Wenn in China ein Sack Geld umfällt

Rekord-Transfers: Wenn in China ein Sack Geld umfällt

Ein chinesischer Fußball-Erstligist buhlt um die Dienste von Lukas Podolski. Die Klubs aus dem Reich der Mitte bieten vor allem eines: reichlich Geld. Das beweisen die Transfers von Carlos Tévez und Oscar.

1,24 Euro - das ist nicht etwa der neue Literpreis für Diesel, nein, so viel soll Carlos Tévez im Jahr 2017 pro Sekunde verdienen. Laut der französischen Nachrichtenagentur AFP wird ihm sein neuer Klub Shanghai Shenhua rund 750.000 Euro pro Woche zahlen - mehr als Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo verdienen.

Dafür verließ Tévez sogar seinen Herzensklub Boca Juniors in der argentinischen Heimat. Der Abschied wird ihm mit dem zwanzigfachen seines bisherigen Gehalts versüßt. Tévez, gewiss überdurchschnittlich talentiert, mit 32 Jahren aber bereits im fortgeschrittenen Sportleralter, wird damit neuer Spitzenverdiener im Fußball weltweit.

China soll eine Fußballnation werden

Chinas Staatschef Xi Jinping hat seinem Volk unlängst verordnet, eine Fußballnation zu werden - und die Vereine gehorchen. Sie locken Stars mit wahnwitzigen Gehältern ins Reich der Mitte. Dem Ruf des Geldes könnte nun auch Lukas Podolski folgen.

Angeblich gibt es gleich mehrere Offerten für den Profi von Galatasaray Istanbul. Zumindest die von Beijing Guoan ist vom Verein bestätigt. "Wir prüfen dieses Angebot. Ob der Transfer realisiert wird, hängt vom Spieler ab", sagt Sportdirektor Levent Nazifoglu. Als mögliche Ablösesumme werden sieben Millionen Euro gehandelt. Ein Schnäppchen für chinesische Verhältnisse.

Bei Tévez ist noch keine Ablöse bekannt. Vorläufige Krönung der Maßlosigkeit waren 71,5 Millionen Euro, die Shanghai IPG kurz vor Weihnachten für die Dienste von Oscar bezahlte. Der 25jährige brasilianische Nationalspieler hatte bis dato nicht etwa ein tristes Dasein bei einem Verein Kategorie "Graue Maus" gefristet, sondern beim englischen Tabellenführer FC Chelsea unter Vertrag gestanden. Ein klares Signal, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die chinesischen Klubs zwar mit Geld winkten, sich aber höchstens ein paar gescheiterte Talente oder abgehalfterte Altstars überreden ließen, in einen neuen Kulturkreis und eine Liga ohne sportlichen Mehrwert zu wechseln.

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Triebfeder der Entwicklung ist vor allem China Sports Media. Das Unternehmen hatte sich vor der abgelaufenen Saison die TV-Rechte gesichert und die Vereine reich gemacht. 250 Millionen Euro erhalten die 16 Erstliga-Klubs seitdem pro Saison. Noch in der Spielzeit zuvor waren es gerade mal sieben Millionen - eine mehr als 35-fache Steigerung. Dieses Geld wird vor allem in Spieler investiert. Und das spürt auch der europäische Markt.

Know-how gegen Bares

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gibt es aber noch keine Befürchtungen, dass die chinesische Finanzkraft eine Gefahr für den europäischen Fußball darstellen könnte. Im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel unterzeichneten der DFB, die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der chinesische Verband CFA erst Ende November eine weitreichende Vereinbarung beider Länder zur Zusammenarbeit für zunächst fünf Jahre.

Das Konzept ist klar: Know-how gegen Bares. Der deutsche Fußball unterstützt China mit seinem Fachwissen, vor allem im Bereich der Trainer- und Nachwuchsausbildung. Denn Staatschef Xi Jinping hat neben der Professionalisierung der Liga auch den Gewinn des WM-Titels ausgerufen. Dazu benötigt es eben geschultes Personal.

Auch für eine geplante WM-Bewerbung bis spätestens 2030 sicherte Deutschland dem bevölkerungsreichsten Land der Erde Rückendeckung zu. Im Gegenzug erhält der deutsche Fußball Zugriff auf den chinesischen Markt. Dieser wächst weiter mit enormer Geschwindigkeit, die Begeisterung für Fußball - vor allem für die Bundesliga - ist riesig.

Mittlerweile scheinen aber auch Xi Jinping Zweifel zu kommen, ob das Prassen im großen Stil wirklich zielgerichtet ist. In einem Kommentar schrieb das Parteiorgan "Volkszeitung" kürzlich, dass die Millionen für ausländische Stars eine echte "Graswurzel-Bewegung" in Chinas Fußball verhindern würden. Zeitgleich kündigte der Fußballverband eine Regeländerung an: Künftig sollen nur noch drei statt wie bisher vier ausländische Spieler pro Verein gleichzeitig auf dem Platz stehen dürfen. Klingt zwar zunächst gut. Dann könnten die Vereine ihr Geld aber noch konzentrierter für drei Stars ausgeben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die spektakulärsten Transfers im chinesischen Fußball

(erer)