Protest gegen Abtreibung: Vatikan sagt Spiel seines Frauenteams gegen Mariahilf kurz vor Anpfiff ab

Gegnerinnen protestieren gegen Abtreibung : Vatikan sagt Spiel seines Frauenteams kurz vor Anpfiff ab

Für die Frauenelf des Vatikan hätte es das internationale Debüt werden sollen. Doch dazu kam es nicht. Das Freundschaftsspiel zwischen dem FC Mariahilf und den Fußballerinnen aus Rom war zu Ende, bevor es begonnen hatte.

Das Frauen Team des Vatikans und das des österreichischen Vereins FC Mariahilf standen am vergangenen Samstag bereits auf dem Rasen in Wien. Für das 2018 gegründete Frauenteam aus dem Vatikan war es die internationale Premiere. Der FC Mariahilf hatte das Team aus Rom mit der Kapitänin und Stürmerin Eugene Tcheugoue (Kamerun), Mitarbeiterin im Dikasterium für Laien, Familie und Leben, anlässlich seines 20-jährigen Bestehens zum Freundschaftsspiel nach Wien eingeladen.

Wie bei internationalen Begegnungen üblich, wurden zunächst die Nationalhymnen angestimmt. Und dabei kam es zum Eklat, und dann sei alles sehr schnell gegangen, berichtete der ORF. Drei Spielerinnen des FC Mariahilf zogen während der vatikanischen Hymne ihre Trikots hoch und zeigten auf ihre Bäuche gemalte Eierstöcke sowie Botschaften für die Legalisierung der Abtreibung. Daraufhin berieten sich die Gäste aus Rom untereinander und mit dem anwesenden neuen Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro Lopez Quintana. Der veranlasste den Rückzug des Vatikan-Teams. Auf dem grünen Rasen kam es zwar noch zum freundschaftlichen Händeschütteln der Spielerinnen, der Anpfiff zum Kampf um das runde Leder aber blieb aus.

Mittlerweile hat sich der FC Mariahilf entschuldigt: "Wir möchten uns aufrichtig bei den Spielerinnen des Vatikan-Teams und den Gästen von nah und fern dafür entschuldigen, dass das Spiel nicht stattgefunden hat." Das sei zu keiner Zeit beabsichtigt gewesen; man habe sich auf das Freundschaftsspiel gefreut. In seiner Stellungnahme betont der Verein, dass die drei Spielerinnen die Aktion "selbstständig organisiert und durchgeführt" hätten. Gleichwohl verstehe man "die Forderungen und die Botschaft", finde "jedoch den Zeitpunkt der Durchführung unpassend". Die drei hätten den Platz verlassen; auch seien von Zuschauern mitgebrachte Transparente für Homosexualität heruntergenommen worden. Trotzdem habe man "die Verantwortlichen des Vatikan nicht mehr überreden" können zu spielen. Der Mitteilung zufolge gibt es "ambivalente Haltungen innerhalb des Vereins zum Vatikan" wegen dessen Haltung zu Abtreibung und Homosexualität. Man stehe der Gründung eines Frauenteams im Vatikan positiv gegenüber, auch wenn "dies erst ein kleines Zeichen zur Gleichstellung ist".

Bei dem "hässlichen Vorfall" habe es "inopportune und bedauernswerte" Provokationen einiger österreichischer Spielerinnen gegeben, infolge dessen sich die Vatikan-Kickerinnen gezwungen gesehen hätten, die Partie abzusagen, erklärte die vatikanische Frauenorganisation Diva. Es habe sich um die Instrumentalisierung einer sportlichen Begegnung gehandelt, "die nicht nur das gegnerische Team und damit auch den Vatikan beleidigt, sondern auch die Idee des Sports an sich geschädigt" habe, heißt es im Diva-Statement. "Eine Fußballpartie auszunutzen, um mit Gesten, Parolen und Transparenten die bekannten Positionen der Katholischen Kirche zum Lebensschutz und zur Sexualität anzugreifen, war in der Tat eine höchst unpassende Wahl". Ein Fußballfeld sei "sicher nicht der richtige Ort, um einen ideologischen Kampf auszufechten".

Die 25 Spielerinnen der vatikanischen Frauen-Elf kommen aus den Reihen der insgesamt rund 750 Frauen, die in der Zentrale der Weltkirche, aber etwa auch im römischen Kinderkrankenhaus "Bambino Gesu" arbeiten. Trainer des Teams ist Gianfranco Guadagnoli.

(rent/kna)
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