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Nach tödlicher Prügelattacke gegen Schiedsrichter: Klub nimmt Jugendteam aus der Liga

Nach tödlicher Prügelattacke gegen Schiedsrichter : Klub nimmt Jugendteam aus der Liga

Nach der tödlichen Prügelattacke gegen einen Linienrichter hat der Verein der mutmaßlichen Täter seine umstrittene Jugendmannschaft vorerst aus der Liga genommen.

Aus Respekt vor den Angehörigen des Opfers werde am kommenden Wochenende auch keine andere Mannschaft des Vereins spielen, teilte der Amsterdamer Amateurclub SV Nieuw Sloten am Dienstag mit. "Vorläufig setzen wir alle Aktivitäten unseres Klubs aus", heißt es in der Erklärung.

Der niederländische Fußballbund begrüßte die Maßnahmen des Klubs. Nach den Regeln des Bundes können Jugendspieler maximal drei Jahre lang gesperrt werden.

De Boer: "Wo ist die Erziehung geblieben?"

Der Trainer von Ajax Amsterdam, Frank de Boer, hat mit großem Entsetzen auf die tödliche Prügelattacke gegen einen Linienrichter durch drei Amsterdamer Amateurspieler reagiert. "Wie können die Sicherungen bei 15- und 16-jährigen Jungs so durchknallen? Wir müssen etwas tun, denn das ist verrückt", sagte De Boer nach einem Bericht niederländischer Medien in Madrid. "Wo ist die Erziehung geblieben?" Der niederländische Rekordmeister spielt am Dienstag in der Champions League gegen Real Madrid.

Drei jugendliche Amateure vom SV Nieuw Sloten hatten am Sonntag nach einem Spiel in Almere bei Amsterdam einen ehrenamtlichen Linienrichter angegriffen, geschlagen und getreten. Der 41 Jahre alte Richard Nieuwenhuizen starb am Montagabend an schweren Hirnverletzungen in einem Krankenhaus. Die 15- und 16-jährigen Täter wurden festgenommen und sollen an diesem Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden. Sie wurden von ihrem Verein ausgeschlossen.

873 Gewaltfälle registriert

Auf den niederländischen Fußballplätzen kommt es an jedem Wochenende zu gewalttätigen Zwischenfällen. In der vergangenen Spielzeit registrierte der niederländische Fußballbund KNVB insgesamt 873 Vorfälle. Doch die Vereine geben an, dass nur die schlimmsten Attacken gemeldet werden. Anfang des Jahres hatte ein Spieler eines inzwischen aufgelösten Amsterdamer Vereins einen 77 Jahre alten Zuschauer mit einem Karatetritt tödlich verletzt. Nach einer Prügelattacke durch drei Jugendspieler aus Amsterdam erlag ein Linienrichter am Montag seinen Verletzungen.

Vor allem Schieds- und Linienrichter sind zunehmend Opfer von Gewalt und Aggressionen, ergab eine Studie des KNVB von diesem Frühjahr. Zwölf ehrenamtliche Schiedsrichter hatten daher beschlossen, kein Spiel mehr zu leiten. Dennoch erklärte der KNVB am Dienstag nach dem Tod des 41 Jahre alten Linienrichters: "Die Gewalt beim Amateurfußball hat abgenommen." Allerdings kann der Bund dafür keine Zahlen vorlegen.

74 lebenslange Sperren

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Allein in der vergangen Spielzeit wurden 105 Amateurmannschaften aus den Ligen genommen, 74 Spieler lebenslang gesperrt und 200 immerhin noch für zwei Jahre. Vor allem viele 15- und 16-Jährige im Westen des Landes um die großen Städte Rotterdam, Amsterdam und Utrecht sind aggressiv, stellte der KNVB fest. Genau wie die drei mutmaßlichen Täter der tödlichen Prügelattacke vom Sonntag in Almere bei Amsterdam.

Erst in diesem Sommer hatte der KNVB die Sanktionen gerade für Jugendliche gelockert. "Nach vielen Reaktionen der Vereine haben wir beschlossen, den Jugendlichen noch eine zweite Chance zu geben", begründete der KNVB diese Entscheidung. Jugendliche können nicht mehr lebenslang, sondern höchstens drei Jahre gesperrt werden.

(dpa)