IFAB-Regelhüter: Kein Videobeweis bei knappem Abseits in der Bundesliga

VAR soll bei „knappem“ Abseits nicht einschreiten : Regelhüter machen sich lächerlich

Und wieder eine Rolle rückwärts beim Videobeweis. Die Regelhüter haben beschlossen: Der VAR soll nicht eingreifen, wenn es sich um ein „knappes“ Abseits handelt. Der Fußball täte aber gut daran, sich im Klaren zu sein, was er will. Ein Kommentar.

In England gab es an den vergangenen Spieltagen Szenen, die erinnerten mehr an die Vermessung der Welt als an ein Fußballspiel in der Premier League. Es wurden wild Linien gezogen, und darüber wurden Markierungen angebracht, um besser darstellen zu können, welches Körperteil vielleicht doch ein klitzekleines Bisschen näher zum Tor gestanden hat. Das hat alle schrecklich genervt. Jürgen Klopp und Pep Guardiola haben besonders laut geflucht und sind nun offenbar erhört worden. Der Aufschrei der Stars aus der englischen Premier League hat für eine Neu-Ausrichtung gesorgt, die auch für die Fußball-Bundesliga Auswirkungen haben wird. Laut den Regelhütern des International Football Association Boards (Ifab) muss der Kölner Keller nämlich bei hauchdünnen Abseits-Entscheidungen künftig schweigen.

Womit wir auch beim Problem wären. Wer definiert, was eine „hauchdünne Abseitsentscheidung“ ist? Und wird diese Auslegung bei einem 4:0 genauso gehandhabt wie bei einem 2:2, das möglicherweise über den Ausgang einer Meisterschaft entscheidet? Interpretieren alle Videoassistenten „hauchdünn“ gleich? Ist für den einen der Fall ganz klar, braucht ein anderer vielleicht deutlich länger, um zu dieser Erkenntnis zu kommen? Genau dieses Problem ist in Deutschland bei der Bewertung des Handspiels zu bestaunen. Es ist eben keinem Schiedsrichter klar, wann es sich um ein strafbares Handspiel handelt und wann nicht.

Was der Fußball braucht, sind klare Regeln. Ein wenig Hand geht nicht. Ein wenig Abseits auch nicht. Der Fußball täte gut daran, sich im Klaren zu sein, was er will. Die Befürchtung: Die Interessen sind zu unterschiedlich, als dass alle Beteiligten unter einen Hut zu bekommen wären. Umso wichtiger wäre es, sich auf Dinge zu verständigen, die wirklich eindeutig sind. Bei allem anderen muss man sich dann eben ausschließlich auf die Eindrücke des Schiedsrichters auf dem Platz verlassen, der für sich selbst entscheiden kann, ob er sich eine strittige Szene ohne weitere Beeinflussung ansehen möchte.

„Entscheidend ist auf'm Platz“, sagte bereits der ehemalige Trainer Adi Preißler. Das sollte, zumindest so gut es geht, auch so bleiben.

(gic)