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Arsenal und Daum machen Jens Nowotny nachdenklich: " Ich gehe weiter von Daum als Bundestrainer aus"

Arsenal und Daum machen Jens Nowotny nachdenklich : " Ich gehe weiter von Daum als Bundestrainer aus"

London (sid). In den vergangenen Tagen ist Jens Nowotny einige Male sehr nachdenklich geworden. Als der 24-malige Nationalspieler am Mittwochnachmittag erstmals das neuerbaute Trainingsgelände des FC Arsenal vor den Toren Londons betrat, schoss ihm unwillkürlich noch einmal die Offerte des Londoner Renommierklubs durch den Kopf, die Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund vor Wochen öffentlich gemacht hatte. 80 Millionen Mark hatten die "Gunners" für Nowotny geboten, den zudem auf der Insel als Nachfolger des schon 34 Jahre alten Abwehrveteranen Tony Adams das Doppelte seines bisherigen Gehalts pro Saison (angeblich sechs Millionen Mark) erwartet hätte.

"Meines Wissens gilt die Offerte immer noch. Solch ein Angebot ist für einen Spieler immer interessant. Aber nach Aussage von Leverkusens Manager Reiner Calmund ist die Chance gleich null", sagte der 26-Jährige, der sich aber mehr als nur beeindruckt von der exklusiven Trainingsanlage des englischen Ex-Meisters zeigte.

"Die Bedingungen sind ein Traum, auf den zehn oder 15 Trainingsplätzen ist kein Grashalm größer als der andere", schwärmt Nowotny, "egal ob man ein Angebot hat, oder nicht, wenn man das sieht, ist es für jeden interessant, für einen solchen Klub zu spielen."

Auch wenn ein Wechsel auf die Insel derzeit angeblich kein Thema ist, beschäftigt sich der Leverkusener offensichtlich mit einer solchen Möglichkeit. "Es ist sehr schwierig, Tony Adams zu ersetzen. Aber genauso wenig war es vor zwei Jahren vorstellbar, einen Lothar Matthäus zu ersetzen." DFB-Teamchef Rudi Völler ist davon überzeugt, dass Nowotny das Zeug dazu hat: "Er kann schon jetzt auf eine überragenden Karriere zurückblicken. Es ist kein Zufall, dass sich internationale Topklubs um ihn reißen."

"Wir wollen in England drei Punkte einfahren"

Für Nowotny selbst zählt nach eigenen Angaben derzeit nur das WM-Qualifikationsspiel am Samstag im Londoner Wembleystadion gegen England (16.00 Uhr MESZ/live im ZDF). "Darauf konzentriere ich mich, alles andere zählt im Moment nicht. Es ist sicherlich ein besonderes Spiel, weil es eben das letzte im legendären Wembleystadion ist. Aber für uns ist es in erster Linie ein Spiel, in dem es um drei Punkte geht. Und die wollen wir einfahren."

Die leidige Diskussion um seinen Vereinstrainer und designierten Bundestrainer verfolgte den Bayer-Kapitän aber trotzdem bis in die Themse-Metropole. "Es sieht so aus, als hätte Christoph Daum die schlechtere Position. Ein Nachgeschmack bleibt immer", sagte Nowotny der Tageszeitung Die Welt und fügte vielsagend hinzu: "Sportlich hat er die volle Rückendeckung, als Mensch kennt man ihn zu wenig." Für Nowotny ist aber klar: "Egal was passiert, Daum wird höchstwahrscheinlich zum Saisonende Bayer Leverkusen verlassen."

Der frühere Karlsruher glaubt derzeit aber noch, dass Daum wie geplant am 1. Juni 2001 Bundestrainer wird. "Davon gehe ich aus. Ich habe einige Jahre unter ihm trainiert und weiß, dass er sportlich was bewegen kann." Zugleich versichert Nowotny, dass die "Affäre Daum" bei der Nationalmannschaft in den letzten Tagen keine gravierende Rolle gespielt habe.

Die Vorgehensweise von Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß, der den Stein ins Rollen gebracht hat, wird vom Abwehrchef der DFB-Auswahl jedoch kritisiert: "Hoeneß hätte das Gespräch unter vier Augen führen müssen. Er hat gesagt, er wolle dem deutschen Fußball helfen. Ob das so ist, wird man sehen."

(RPO Archiv)