Milliardär fördert Viertligisten: Holstein Kiel - das neue Hoffenheim

Milliardär fördert Viertligisten : Holstein Kiel - das neue Hoffenheim

Kiel (RP). Roland Reime ist nicht für norddeutsche Zurückhaltung bekannt. Die einen bezeichnen es als visionär, was der Präsident der KSV Holstein Kiel von sich gibt, die anderen als Größenwahn. Jedenfalls ist zuweilen eine Präzisierung nötig.

So auch jetzt, als Reime mit sichtbarem Stolz ein neues Trainergespann präsentierte. "Ich will, dass in Schleswig-Holstein endlich wieder Bundesliga-Fußball gespielt wird", erklärte er. Will er etwa die Bayern oder den HSV angreifen? "Nein", lachte Reime da. "Die zweite Liga reicht erst einmal."

Der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse soll bis 2012 realisiert werden, es wäre seiner Meinung nach das passende Präsent für das anstehende Jubiläum: Dann jährt sich die einzige Deutsche Meisterschaft der "Störche" zum hundertsten Mal. Ein ehrgeiziges Ziel, zumal der Klub als Spitzenreiter der Regionalliga mit drei Konkurrenten um den Aufstieg in die 3. Liga streitet.

Der wichtigste Schritt ist nach Ansicht der Klubverantwortlichen getan: In Falko Götz und Andreas Thom, die bis Frühjahr 2007 Hertha BSC coachten, präsentierte der Klub ein bekanntes Trainergespann. Am 10. Januar fangen die beiden an. Der bisherige Trainer Peter Vollmann muss gehen. Nach dem 3:1-Sieg im aufgeladenen Derby gegen den VfB Lübeck. Und trotz der Herbstmeisterschaft.

Der 45-jährige Götz soll mehr als nur Cheftrainer sein, er soll im Stile des englischen Teammanager-Modells den gesamten sportlichen Bereich und den Nachwuchs leiten. "Leistungsbereich, Scouting, Jugendarbeit", dieses breit gefächerte Anforderungsprofil habe ihn gereizt, berichtete Götz, der diesen Job nicht als Abstieg begreift, sondern als Aufstieg deutet. Er wolle nicht mehr "als Feuerwehrmann" von Bundesligisten verpflichtet werden, sondern wolle "Feuer entfachen", so Götz.

Weil der ehemalige DDR-Profi und Uefa-Cup-Sieger über ähnliche Befugnisse wie Ralf Rangnick in Hoffenheim oder Felix Magath in Wolfsburg verfügt, war umgehend von einem "Hoffenheim an der Förde" die Rede, von einer Miniatur-Ausgabe des Erfolgsmodells im Kraichgau.

"Hoffenheim 2.0", hieß es im Internetforum. Götz selbst tat nicht viel, um dem Slogan zu widersprechen. "Wir können uns nicht mit dem Tempo messen, das in Hoffenheim vorgelegt wird", sagte er zwar, aber die Infrastruktur in Kiel sei in einigen Bereichen doch schon besser als bei manchem Zweitliga-Verein.

Wenn er mit Infrastruktur die Geldgeber meint, liegt er nicht falsch. Die beiden wichtigsten Sponsoren des Klubs, der einen Etat von rund vier Millionen Euro hat, sind zu Millionenspritzen jederzeit in der Lage. Dr. Hermann Langness ist Geschäftsführer der Bartels-Langness-Gruppe, die im Lebensmittelhandel jährlich über 2,1 Milliarden Euro umsetzt. Das Vermögen von Langness wird auf 800 Millionen Euro taxiert. Und Aufsichtsrat Gerhard Lütje, Inhaber der Citti-Gruppe, soll ebenfalls ein dreistelliges Millionen-Vermögen besitzen.

Trotz des neuen, 1,9 Millionen Euro teuren Jugendleistungszentrums sind die Rahmenbedingungen in Kiel indes eher amateurhaft. Auf der Geschäftsstelle schließlich arbeiten nur eine Vollzeit- und drei Teilzeitkräfte, berichtet Reime. Das Holstein-Stadion etwa versprüht den morbiden Charme der 1960er Jahre. Weil das Licht der Flutlichtanlage nicht hell genug leuchtet, musste kürzlich ein Nachholspiel am Mittwochnachmittag ausgetragen werden: Wird es nicht erneuert, wird Kiel die Lizenz für die 3. Liga nicht erhalten.

"Das neue Flutlicht muss die Stadt bezahlen, denn die ist schließlich Eigentümer", poltert Präsident Reime. Das kolportierte Honorar für das Trainer-Gespann (rund 800.000 Euro jährlich) wird die Lust der finanzklammen Kommune auf derlei Investitionen allerdings kaum mehren.

(RP)
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