Kurt Beck tritt für die Interessen der Fans ein: Hörfunkübertragungen nicht weiter einschränken

Kurt Beck tritt für die Interessen der Fans ein: Hörfunkübertragungen nicht weiter einschränken

Hamburg/Mainz (rpo). "Ich sage ganz klar und deutlich, weitere Einschränkungen in der aktuellen Berichterstattung sind nicht zu akzeptieren." Kurt Beck, rheinland-pfälzischer Ministerpräsident, ergreift Partei für eine ausführliche Hörfunkberichterstattung über die Fußball-Bundesliga. Beck ist auch Vorsitzender der Länder-Rundfunkkommission.

Nach Informationen aus ARD-Kreisen haben die Intendanten bereits zugestimmt, dass die Sender des öffentlich-rechtlichen Verbundes auf Wunsch des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ihre Berichterstattung von maximal 40 Live-Minuten pro Spieltag einhalten. Die Einschränkung von 40 Minuten pro ARD-Sender besteht in den Grundzügen schon seit 1982. Allerdings wurde eine Überschreitung bisher stillschweigend geduldet. Jetzt drang die Deutsche Fußball-Liga GmbH (DFL) auf eine Einhaltung des Limits und führten neue Verhandlungen. Auf Wunsch der Kirch- Gruppe, glauben ARD-Mitarbeiter, die sich öffentlich zu diesem Thema nicht mehr äußern wollen. Kirch habe mit der Einschränkung überhaupt nichts zu tun, sagte dagegen ARD-Sprecher Rüdiger Oppers am Mittwoch.

Die DFL hat inzwischen angekündigt, auf der 40-Minuten-Grenze zu bestehen. "Wir werden zukünftig die Einhaltung überprüfen", kündigte DFL-Sprecher Michael Pfad am Mittwoch an. Mit dieser Aufgabe sollen entsprechende Agenturen beauftragt werden. Die Überprüfung solle nicht stichprobenartig, sondern permanent erfolgen. Nach Pfads Angaben hat die DFL über das von der ARD vorgelegte Kompromiss-Papier noch nicht entschieden. Für Sender wie den Bayerischen Rundfunk (BR) und den Norddeutschen Rundfunk (NDR) wären 40 Minuten eine deutliche Reduzierung gegenüber der abgelaufenen Saison, in der etwa beim BR pro Spieltag mehr als drei Stunden gesendet wurden. Dessen Intendant Albert Scharf kritisierte am Mittwoch die DFL mit den Worten, eine Sendung wie "Heute im Stadion" beim BR sei seit Jahrzehnten Kult.

Im Gegensatz zu DFB und Ligaverband hat die ARD bisher stets bestritten, dass es überhaupt Hörfunk-Rechte gibt. Bisher gab es die stillschweigende Übereinkunft, dass die Hörfunk- mit den TV-Rechten abgegolten sind. Die Kirch-Gruppe verschiebt die TV-Berichterstattung ihres Senders SAT.1 in der kommenden Saison auf 20.15 Uhr und hofft so, für den defizitären Pay-TV-Sender Premiere neue Kunden gewinnen zu können. Eine reduzierte Hörfunk-Berichterstattung würde ins Konzept passen. Viele Hörfunk-Leute sahen durch die Verschiebung von "ran" die große Chance, noch mehr Fans vor das Radio zu locken. In der vergangenen Saison hörten durchschnittlich sechs bis sieben Millionen Fußball- Anhänger die Konferenzschaltung, zum Ende der Serie waren es bis zwölf Millionen. Jetzt sehen einige ARD-Sender ihre Möglichkeiten stark eingeschränkt.

Wenn künftig die neue Regelung gilt, gibt es zwei Konferenzschaltungen (vor der Halbzeit und ab 16.55 Uhr) von zusammen rund 25 Minuten. Es blieben also nur 15 Minuten für die übrige Spielzeit. Schwierig würde das vor allem für den WDR mit fünf Erstligisten, den NDR mit vier und den BR mit drei Erstligisten. Innerhalb des Senderverbundes gibt es dazu keine einheitliche Linie. Ein Teil lehnt die neue Regelung ab, ein anderer spricht von einem Kompromiss. Mit Anmoderationen und anderer Programmelementen könne eine umfassende Berichterstattung erreicht werden, sagte ein führender Hörfunk- Mitarbeiter.

ARD kann nicht auf Konfrontationskurs gehen

Die ARD kann sich nach Einschätzung von Experten einen Konfrontationskurs kaum leisten. Das Fernsehen benötigt zum einen von der Kirch-Gruppe bewegte Bundesliga-Bilder für ihre Nachrichten und die Sportsendungen in den Dritten Programmen sowie die WM-Rechte 2006. Zum anderen will die ARD vom DFB auch in Zukunft TV-Rechte für Länderspiele und den DFB-Pokal erwerben. Zudem hat die ARD nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" Interesse an den Internet-Rechten für die Fußball-Bundesliga.

Mit Blick auf die TV-Berichterstattung betonte Beck, dass Ausschnitte von den Topspielen in den Hauptnachrichtensendungen am Samstag wie "heute" (ZDF) und "Tagesschau" (ARD) nicht von vornherein ausgeschlossen sein dürften. Es dürfe nicht so weit kommen, "dass bei allen noch so verständlichen Verwertungsinteressen die Interessen der Fußballfans unter die Räder kommen". Für die TV-Kurzberichte besitzt Kirch aber nach Informationen aus ZDF-Kreisen bereits die Möglichkeit, zwei Spitzenspiele für die "heute"-Sendung zu sperren. Eine solche Regelung werde die ARD auf keinen Fall akzeptieren, sagte ARD-Sprecher Oppers

(RPO Archiv)
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