Hertha BSC: Pal Dardai fordert rasches Ende von Fan-Konflikt

Verein liegt mit den Fans im Clinch: Verhärtete Fronten bei der Hertha vor Duell mit Fortuna

Bei Hertha BSC spitzt sich der Konflikt zwischen Klubführung und Fans zu. Ausgerechnet in dieser Phase steht das brisante Spiel bei Fortuna Düsseldorf an.

Der Dauerstreit zwischen der Klubführung von Hertha BSC und Teilen seiner Fans hat eine neue Dimension erreicht. Nachdem die Fanhilfe Hertha B.S.C. am Mittwoch erklärte, gegen Herthas Manager Michael Preetz Anzeige gestellt zu haben, sind die Fronten ziemlich verhärtet - ausgerechnet vor dem brisanten Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf am Samstag (15.30 Uhr/Sky).

Während die Klubführung um Preetz das Vorgehen der Fan-Initiative nicht weiter kommentieren wollte, nahm Trainer Pal Dardai Stellung. Der Coach forderte ein rasches Ende des Streits. "Das ist ein schwieriges Thema. Je schneller die Sache gelöst wird, desto besser", meinte Dardai am Donnerstag und fügte an: "Herthaner gegen Herthaner - das verstehe ich nicht."

Der schwelende Streit hatte am Mittwoch einen neuen Höhepunkt erreicht. Nach den Fan-Krawallen beim Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund (2:2) am 27. Oktober mit 45 Verletzten hatte die Fanhilfe Hertha B.S.C. erklärt, Anzeige gegen Herthas Manager Michael Preetz "wegen Beleidigung und übler Nachrede" erstattet zu haben. Bei der Fanhilfe handelt es sich um eine Abteilung des Förderkreises Ostkurve.

Allerdings blieb weiter unklar, auf welche Aussagen sich die Fanhilfe im Detail bezieht. Herthas Manager hatte nach dem Spiel in Dortmund von einer "Katastrophe" gesprochen und zur Kritik an der Vorgehensweise der Polizei gemeint: "Einen möglicherweise unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei mit Gewalt zu rechtfertigen, das muss mir mal einer erklären."

Die Fans waren sauer, einige Betroffene haben nach Auskunft der Fanhilfe eine Berliner Rechtsanwaltskanzlei mit der Einreichung von Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen des Polizeieinsatzes beauftragt. Der Grund: Die Übergriffe der Polizei beim Spiel hätten "zu zahlreichen und teilweise erheblichen Verletzungen, sowie zu vorübergehender Freiheitsberaubung geführt", hieß es. Herthas Klubführung wollte dazu am Donnerstag nicht Stellung nehmen.

Seit Monaten schon herrscht zwischen Fan-Gruppen und der Klubführung Eiszeit. Beim letzten Heimspiel verweigerten Herthas Fans ihrer Mannschaft im Stadion die übliche Unterstützung. Ein runder Tisch mit Vertretern beider Seiten in dieser Woche war von den Ultras abgesagt worden, weil die Klubführung angeblich auf ein Vorgespräch bestanden hatte.

In Bezug auf die Fan-Gewalt ist es pikant, dass Hertha am Samstag erstmals wieder seit Mai 2012 bei Fortuna Düsseldorf spielt. Damals standen sich beide Teams im Relegations-Rückspiel der Bundesliga gegenüber, das im Chaos endete. Berliner Anhänger warfen brennende Bengalos aufs Feld, Fortuna-Fans stürmten nach dem Spiel den Rasen. Hertha musste damals in die zweite Liga absteigen.

"Mit einer Wiedergutmachung müssen wir uns nicht beschäftigen. Das war damals eine andere Hertha", erklärte Dardai, der das Spiel vor gut sechs Jahren in Berlin am Fernseher verfolgt hatte: "Wir sollten uns auf ein schönes Spiel freuen - mit einem hoffentlich positiven Ausgang für uns."

Doch auch Düsseldorfer Fans fielen zuletzt negativ auf. Beim Derby am letzten Spieltag bei Borussia Mönchengladbach (0:3) war es im Düsseldorfer Fanblock immer wieder zum Abbrennen von Pyrotechnik gekommen. Die Klub-Führung verurteilte das Vorgehen. "Mir geht das so auf die Nerven, dass man ein Spiel so an den Rand eines Abbruchs bringt", sagte Düsseldorfs Vorstands-Chef Robert Schäfer und stellte klar: "Das hat nichts mehr mit Fan-Kultur zu tun."

(lt/sid)
Mehr von RP ONLINE