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Hertha BSC: Klinsmann nicht länger im Aufsichtsrat - Lars Windhorst wird deutlich

„Viel Glaubwürdigkeit verloren“ : Hertha-Bosse und Investor finden deutliche Worte für Klinsmann-Rücktritt

Nach nur elf Wochen ist das Kapitel Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC wieder beendet. Der 55-Jährige hat nach seinem plötzlichen Rücktritt als Trainer auch seinen Posten im Aufsichtsrat verloren.

Nach dem Chaos um seinen überraschenden Rücktritt als Trainer von Hertha BSC wird Jürgen Klinsmann nicht in den Aufsichtsrat der Berliner zurückkehren. Das gab die Vereinsführung auf einer Pressekonferenz am Donnerstag bekannt. „Die Art und Weise ist so unakzeptabel, dass wir im Sinne des Vereins eine zielführende Arbeit mit ihm nicht fortführen können. Ob wir in Zukunft, wenn sich die Wogen geglättet haben, auf ihn und seinen Rat zurückgreifen, wird man dann sehen. Er hat viel von seiner Glaubwürdigkeit verloren“, sagte Geldgeber Lars Windhorst. Präsident Werner Gegenbauer, Windhorst und Sport-Geschäftsführer Michael Preetz stellten sich am Vormittag erstmals seit der Nachricht den Fragen der Medien.

Der Investor kritisierte vor allem Klinsmanns Stil: „Es ist bedauerlich und er sieht das ähnlich, dass er da eine Kurzschlussreaktion vollzogen hat. Das kann man als Jugendlicher machen, aber im Geschäftsleben unter Erwachsenen kann man das nicht.“

Klinsmann hatte in seiner Ankündigung, nach nur elf Wochen das Traineramt wieder zu räumen, davon gesprochen, sich wieder auf seine „ursprüngliche langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückzuziehen“. Nachdem sein Rückzug viel Wirbel ausgelöst hatte, ließ er in einem Videochat am Mittwoch seinen Verbleib im Kontrollgremium offen und legte die Entscheidung in die Hände des Klubs.

„Ich bin schon einige Jahre dabei und glaube, schon vieles erlebt zu haben. Das was am Dienstagmorgen passiert ist, war für mich neu“, sagte Preetz.

Klinsmann war Anfang November durch die Tennor Holding von Geldgeber Lars Windhorst für einen Platz im Aufsichtsrat der GmbH & Co. KGaA benannt worden, nachdem diese ihre Anteile für insgesamt 224 Millionen Euro auf 49,9 Prozent aufgestockt hatte. Dieses Amt ließ Klinsmann ruhen, als er knapp drei Wochen später den Cheftrainerposten vom entlassenen Ante Covic übernahm.

Trotz der jüngsten Turbulenzen bestätigte Windhorst sein Engagement beim Hauptstadtclub. Sein Investment sei weiterhin „sehr, sehr langfristig angelegt“ und „nicht für drei oder fünf Jahre“, betonte der Unternehmer. Der Geldgeber unterstrich erneut sein Vorhaben, aus der Hertha einen „Big City Club“ zu machen. „Wir waren der festen Überzeugung, dass so ein traditioneller Hauptstadtklub einer der bedeutendsten Klubs in Deutschland und Europa werden kann. Es gibt überhaupt keinen Grund dafür, warum Hertha BSC nicht in den nächsten Jahren an der Spitze in Deutschland und Europa stehen sollte. Das ist keine Rocket Science, da müssen keine Formeln geknackt werden“, so Windhorst.

Wer langfristig die Nachfolge von Klinsmann beim Tabellen-14. übernehmen soll, ist bislang noch unklar. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) und in den nächsten Wochen wird Klinsmanns früherer Assistent Alexander Nouri, ehemaliger Cheftrainer von Werder Bremen und des FC Ingolstadt, und Markus Feldhoff auf der Bank sitzen. Wir werden mit Nouri und Feldhoff und dem Trainerteam in die nächsten Wochen gehen. Wir wissen alle, dass wir schwere Aufgaben vor der Brust haben und in den nächsten Wochen punkten müssen. Diese beiden verdienen die volle Unterstützung, die Mannschaft auf die nächsten Wochen vorzubereiten“, sagte Hertha-Manager Preetz. Auch Performance Manager Arne Friedrich bleibt im Amt. Die Stelle für den früheren Hertha-Kapitän war Ende November auf Drängen von Klinsmann neu geschaffen worden.

„Für Sommer“ sei es dann „natürlich eine Aufgabe, eine neue Besetzung für den Cheftrainerposten zu finden“, kündigte Preetz an, der Meinungsverschiedenheiten mit Klinsmann über die Interpretation der Traineraufgabe bestätigte. „Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, wie die Rolle des Cheftrainers definiert ist. Da sind wir nicht übereingekommen“, sagte der Manager und äußerte ebenfalls harsche Kritik an Klinsmann: „Dinge, die ich gestern gehört habe, dass ich auf der Bank sitze und engagiert auftauche. Das sind keine Dinge, die wir miteinander besprochen haben. Das kann man nicht klären, wenn man sich umdreht und davonläuft.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Jürgen Klinsmann

(mit dpa)