1. Sport
  2. Fußball
  3. Hertha BSC

Hertha BSC: Bruno Labbadia feierte den perfekten Einstand

4:0-Sieg im Geister-Derby : Labbadia macht die Hertha flott

Diese Wandlung hätte der Hertha niemand zugetraut. Der Aufschwung der Berliner nach der Coronapause wird von zwei Personen geprägt: Trainer Bruno Labbadia und Angreifer Vedad Ibisevic.

Für den ersten "Titel" seiner Amtszeit gab es keine Blumen und keinen Pokal, weder mit den Fans noch mit den Vereinsbossen konnte Bruno Labbadia gebührend feiern. "Es ist momentan sehr schwierig, in Berlin etwas zu feiern, weil die Gastronomie leider um zehn Uhr schließen muss", sagte der neue Trainer von Hertha BSC am Samstag.

Dennoch war er über den Gewinn der inoffiziellen Berliner Stadtmeisterschaft sichtlich glücklich - und von der Außenwirkung des verdienten 4:0 (0:0) im Geister-Derby gegen Aufsteiger Union überzeugt.

Die unter seinen Vorgängern verspielten Sympathien in der Hauptstadt, so dachte Labbadia, gewann Hertha am Freitagabend dank einer starken Leistung ein Stück weit zurück. "Wir müssen die Leute mitnehmen und für uns gewinnen", sagte Labbadia: "Ich glaube, mit dem Fußball, den wir heute gespielt haben, haben wir viele Leute für uns gewonnen."

Die Alte Dame Hertha, die sich seit Saisonbeginn zumeist als Pflegefall präsentierte und nicht nur in Berlin zum Gespött machte, wird plötzlich wieder sexy. Sieben Tore in zwei Spielen, sechs Punkte ohne Gegentreffer - der Labbadia-Effekt hat aus dem Abstiegskandidaten Hertha BSC einen stabilen Bundesligisten gemacht.

Das große Fußball-Fest war das Derby nicht, die über 74.000 grauen Sitzschalen im Olympiastadion blieben bei Labbadias Heimdebüt leer. An der spielerisch dürftigen ersten Halbzeit hatten die Zuschauer in den heimischen Wohnzimmern oder den Berliner Gaststätten wenig Freude.

Nach dem Seitenwechsel drehte Hertha aber auf. Kapitän Vedad Ibisevic (51.), Dodi Lukebakio (52.), Matheus Cunha (61.), der wegen der Geburt seines ersten Kindes das Stadion noch vor dem Abpfiff verließ, und Dedryck Boyata (77.) nahmen Revanche für die 0:1-Schmach aus der Hinrunde. Union wurde dagegen kaum gefährlich.

"Wir wissen genau, was dieses Spiel für die Fans bedeutet und auch, wie schmerzhaft die Niederlage aus dem Hinspiel war", sagte Ibisevic bei DAZN.

Ibisevic, 35, blüht unter Labbadia, mit dem er bereits beim VfB Stuttgart zusammenarbeitete, auf. In Hoffenheim und gegen Union sammelte der Bosnier Argumente für eine Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags. Gegen Union avancierte er mit einem Treffer und zwei Vorlagen sogar zum Matchwinner.

"Ich weiß, dass er ein Torjäger ist. Das verlernt man nicht", sagte Labbadia. Ibisevic erwiderte: "Er hat mir eine faire Chance gegeben, und die habe ich nun genutzt."

Genutzt haben Labbadia und sein Trainerstab auch die spielfreie Zeit in der Coronakrise. In Herthas Spiel ist plötzlich eine Struktur zu erkennen, die Abstimmung auf dem Platz hat sich verbessert, die Chancenverwertung ebenfalls.

"Wir haben die vier Wochen ohne Mannschaftstraining sehr, sehr gut genutzt", sagte Labbadia, der vom schnellen Erfolg aber selbst überrascht war: "Es war nicht zu erwarten, dass wir schon so weit sind, dass wir diese Geduld aufzeigen, und auch so überzeugend im Ballbesitz sind."

Nach sechs Punkten in sechs Tagen sind die Blau-Weißen viele Sorgen losgeworden. Den Abstiegskampf erklärte Labbadia aber dennoch nicht für beendet: "40 Punkte sollte man haben. Wir sind demütig und wissen, dass die sechs Punkte extrem wichtig waren. Wir sind keine Träumer und denken, jetzt ist alles klasse."

Hier geht es zur Bilderstrecke: 29. Spieltag: Reaktionen der Trainer

(sid/old)