Endspielort des DFB-Pokal-Finals: Das Olympiastadion in Berlin steht vor einer ungewissen Zukunft

Endspielort des DFB-Pokal-Finals : Das Olympiastadion steht vor einer ungewissen Zukunft

Das DFB-Pokalfinale ist an keinem anderen Ort als dem Berliner Olympiastadion vorstellbar. Trotzdem ist die konkrete Zukunft der Traditions-Arena offen

Ein volles Olympiastadion. Was sich Hertha BSC seit Urzeiten regelmäßig wünscht, wird meist nur beim DFB-Pokalfinale Realität. "Es ist optisch eines der schönsten Stadien in Deutschland oder sogar in Europa. Das Stadion muss aber voll sein, damit die Stimmung gut ist", sagte Ex-Herthaner Kevin-Prince Boateng, der an alter Wirkungsstätte mit Eintracht Frankfurt am Samstag (20.00 Uhr/ARD und Sky) zum Endspiel gegen Bayern München antritt.

Atmosphäre bis unter das Stadiondach, das erlebt die Hertha für gewöhnlich nur, wenn der FC Bayern in der Bundesliga vorbeischaut und die knapp 75.000 Plätze im weiten Oval gefüllt sind. Ansonsten kommen zu den Heimspielen der Berliner einfach nicht genug Zuschauer. Und ins Pokalfinale haben es seit 1985 - seit es im Olympiastadion stattfindet - nur die Berliner Amateure 1993 geschafft. Hertha ist unzufrieden, und das beeinflusst die Zukunft von Deutschlands wohl berühmtester Arena.

Wenn es nach dem Tabellenzehnten der abgelaufenen Bundesliga-Saison geht, ist es ganz einfach: Ein neues, reines Fußball-Stadion muss her. Nach Ende des für das Olympiastadion geltenden Mietvertrages bis 2025 will die Hertha dann in der nagelneuen Arena ihre Heimspiele austragen. Der neue Fußball-Tempel soll unweit der bisherigen Heimstätte im Olympiapark stehen und komplett privat finanziert werden. Das Problem: Der Berliner Senat favorisiert einen Umbau des Olympiastadions.

"Neben dem Argument, dass für einen Umbau ein dreistelliger Millionenbetrag an Steuergeldern benötigt werden würde, können wir uns nicht vorstellen, wie das funktionieren soll - selbst wenn es abgesenkt wird, die Laufbahn verschwindet und nur bei Bedarf wieder eingezogen wird", sagte Hertha-Manager Michael Preetz dem Tagesspiegel: "Wir glauben nicht, dass es möglich ist, durch einen Umbau eine solche Atmosphäre herzustellen, wie wir sie brauchen. Das Olympiastadion kann man nicht steiler und kompakter bekommen"

Zum Thema Umbau gibt es mittlerweile Zahlen. Wie die Berliner Morgenpost berichtete, taxiert Sportsenator Andreas Geisel die Umbaukosten am Freitag bei einem Termin im Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses auf rund 190 Millionen Euro. Die Summe müsste die Landesregierung komplett tragen. "Die Vorzugsvariante des Landes Berlin ist, dass Hertha weiter im Olympiastadion spielt. Wenn möglich mit einer Modernisierung, aber ohne großen Umbau", sagte Geisel: "Wir nehmen zur Kenntnis, dass Hertha andere Vorstellungen hat."

Der Senat hat Angst, dass ihm mit der Hertha der Hauptmieter und damit Einnahmen in Millionenhöhe wegbrechen. Nur noch Kulturevents, das Pokalfinale, Spiele der Nationalmannschaft und Leichtathletikevents wie das legendäre ISTAF - das ist dem Land Berlin zu wenig. Und selbst wenn es am Ende doch zum Neubau der laut Hertha 55.000 Zuschauer fassenden Fußball-Arena kommen sollte, hat der Senat bereits Wünsche hinterlegt.

Geisel betonte am Freitag abermals die Wichtigkeit einer Konkurrenzausschlussklausel, die Hertha verböte, dem Olympiastadion Events abzuwerben. Gleichzeitig erneuerte er seine Idee, die großen Spiele der Hertha, wie etwa gegen Bayern München und Borussia Dortmund, weiterhin im Olympiastadion abzuhalten. Dieser Vorschlag stößt bei Hertha auf taube Ohren. Auf dieses Szenario angesprochen, berief sich Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller Anfang der Woche auf die Gültigkeit des Konkurrenzausschlusses für beide Seiten.

Nur für ein Spiel, eine ganz besondere Partie, könnte sich Hertha für das Olympiastadion langfristig begeistern. "Für das letzte Pokalspiel ziehen wir gerne um", hatte Schiller am vergangenen Montag scherzhaft gesagt. Ob nun dieser Wunsch oder jener nach einem neuen Stadion realistischer ist, bleibt abzuwarten.

(SID)
Mehr von RP ONLINE