Nach Curtius-Aus Heike Ullrich ist die neue starke Frau beim DFB

Frankfurt · Der Nächste, bitte: Nach Präsident Fritz Keller verabschiedet sich auch Generalsekretär Friedrich Curtius vom DFB. In Heike Ullrich folgt ihm eine Frau nach - der Druck nach grundlegenden Veränderungen bleibt aber hoch.

 Neue starke Frau beim DFB: Heike Ullrich.

Neue starke Frau beim DFB: Heike Ullrich.

Foto: dpa/Silas Stein

Die Aufräumarbeiten beim Deutschen Fußball-Bund gehen voran, ein weiterer Schritt für einen Neuanfang ist getan: Gut eine Woche nach Präsident Fritz Keller hat auch Generalsekretär Friedrich Curtius seinen Posten geräumt, der 45-Jährige und der DFB einigten sich am Mittwoch auf eine Vertragsauflösung. Doch der Druck auf den kriselnden Verband bleibt hoch, vor allem durch die aufstrebende Frauenpower-Bewegung.

Gefallen dürfte der Frauen-Initiative zumindest schonmal die zwischenzeitliche Beförderung von Heike Ullrich. Die bislang stellvertretende Generalsekretärin wird kommissarisch die Aufgaben von Curtius übernehmen und zunächst das operative Geschäft im DFB leiten. Curtius' endgültiges Ende kam wenig überraschend, er hatte schon mit dem Rücktritt Kellers angekündigt, den Weg für einen Neuanfang freimachen zu wollen.

In den vergangenen Wochen verhandelte er mit dem DFB über eine Vertragsauflösung. Über die genauen Modalitäten machte der Verband zwar keine Angaben, doch die Abfindung für den höchsten hauptamtlichen Mitarbeiter dürfte durchaus üppig ausfallen. Das DFB-Präsidium dankte Curtius in der Pressemitteilung "für die in der Vergangenheit für den DFB und den deutschen Fußball geleisteten Dienste."

Curtius war im seit Monaten schwelenden Machtkampf im Deutschen Fußball-Bund eine der zentralen Figuren. Die Präsidenten der Landes- und Regionalverbände hatten ihm ebenso wie Keller Anfang Mai auf einer Konferenz das Vertrauen entzogen. Geführt wird der DFB interimsmäßig von den beiden ersten Vizepräsidenten Rainer Koch (Amateure) und Peter Peters (Profis).

Auf einem vorgezogenen Bundestag Anfang des kommenden Jahres sollen dann endgültig die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Dass dies nicht nur mit personellen Veränderungen, sondern auch mit grundlegenden Strukturreformen einhergeht, daran arbeitet die Frauen-Initiative im Hintergrund fleißig. "Wir dürfen nicht wieder dem gleichen Reflex nachgehen, über Namen zu reden. Denn das ist dem Amt einfach nicht würdig", sagte Katja Kraus, Anführerin der Bewegung und als Präsidentschaftskandidatin gehandelt, am Samstag im ZDF. Es gehe der Gruppe um nachhaltige Veränderung.

Der Meinung ist auch Ute Groth. Die 62-Jährige gehört zwar nicht zu den neun Initiatorinnen der Frauenpower-Bewegung, doch sie hat bereits klar ihr Interesse an einer Bewerbung um das Präsidentenamt bekundet - allerdings unter der Bedingung einer kompletten Tabula rasa.

"Ich kandidiere für diesen Posten nur, wenn es ein komplett neues Team gibt. Es hat keiner Lust, in dieses Wespennest einzutreten", sagte die 62-Jährige im Interview mit dem Sportbuzzer: "Es muss erst mal alles aufgeräumt und bereinigt werden. Ein Neustart kann nicht mit der alten Besetzung losgehen."

Die Vereinsvorsitzende der DJK Tusa 06 Düsseldorf hatte sich bereits 2019 um den Chefposten beim DFB beworben, war aber nicht zur Wahl zugelassen worden. Auch sie sieht Strukturreformen nun als zwingend notwendig an. "Die ganze Verbandsstruktur ist ein Fußballverwaltungsapparat, der in vielen Teilen sehr aufgebläht ist. Das ist eine Überbürokratie", kritisierte sie: "Zudem ist das Ganze zu undurchsichtig und für keinen nachvollziehbar. Es ist ein veraltetes Modell, das angepasst werden muss."

Die Aufräumarbeiten stehen also erst am Anfang.

(dör/SID)