Hamburger SV schickt "Bewerbung für die 2. Liga" ab

Krise geht trotz Punktgewinn weiter: HSV schickt "Bewerbung für die 2. Liga" ab

Keine Siege, kein Selbstvertrauen - und immer weniger Hoffnung: Der Kampf des Hamburger SV gegen den Abstieg wird unter Trainer Bernd Hollerbach zum Wettlauf gegen die Zeit.

Acht Spiele ohne Sieg, keiner schießt weniger Tore - und vom Retter-Effekt durch Trainer Bernd Hollerbach (noch) keine Spur: Der Kampf des Hamburger SV gegen den Abstieg wird immer mehr zum Wettlauf gegen die Zeit.

"Uns fehlt aktuell natürlich Selbstvertrauen und Leichtigkeit, aber wir haben uns reingebissen", sagte Hollerbach nach dem glücklichen 1:1 (0:1) im Nordduell gegen Hannover 96. Er sei "keiner, der die Hand auflegt und dann läuft es von alleine", sagte der 48-Jährige am Montag, sein Team müsse sich alles "Schritt für Schritt erarbeiten", dann werde es "irgendwann dafür belohnt werden".

Hollerbach, vor zwei Wochen als großer HSV-Hoffnungsträger und Nachfolger von Markus Gisdol installiert, klang dabei lange nicht mehr ganz so überzeugt wie bei seiner Inthronisierung.

Kein Wunder. Mit zwei Remis aus zwei Spielen konnte auch Hollerbach das Ruder beim Bundesliga-Gründungsmitglied bislang nicht rumreißen. Die "Bild"-Zeitung kommentierte am Montag: "Das Sterben rückt näher." Das Fachmagazin kicker titelte: "Bewerbung für die 2. Liga".

Angesichts der Sieglos-Serie und dem erneut erschreckend uninspirierten Auftritt gegen Hannover schwindet selbst bei den eingefleischten Anhängern allmählich die Hoffnung. Trotz des späten Ausgleichs durch Filip Kostic (86.) herrschte im Volksparkstadion nach Abpfiff am Sonntagabend gespenstische Stille. "Wir müssen weiter hart arbeiten und weiter an uns glauben", sagte Mittelfeldspieler Aaron Hunt. Die Situation sei "die gleiche" wie vorher.

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Das stimmt so nicht ganz. Der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt inzwischen drei Punkte, die Anzahl der ausstehenden Spiele wird immer weniger und die nächsten Gegner haben es in sich. Am kommenden Wochenende geht es ohne den gelb-rot-gesperrten Kyriakos Papadopoulos nach Dortmund, dann kommt Leverkusen in den Volkspark, anschließend geht es zum Nordderby nach Bremen.

Neuer Trainer, alte Probleme: Auch unter Hollerbach bekommen die Hamburger ihre eklatante Offensivschwäche bislang nicht in den Griff. Gegen Hannover erspielte sich der HSV, der mit 17 erzielten Toren den harmlosesten Angriff der Liga stellt, in 90 Minuten kaum eine Chance. Der vermeintliche Top-Angreifer Bobby Wood wartet inzwischen seit 1089 Minuten auf einen Treffer. Bezeichnend.

Zumindest die Moral scheint unter Hollerbach intakt. Nach dem Remis in Leipzig egalisierten die Rothosen auch gegen 96 einen Rückstand. Wie schon gegen die Sachsen rettete der Serbe Kostic mit seinem Treffer kurz vor dem Ende einen Punkt - und damit das zweite Remis im zweiten Hollerbach-Spiel. "Das ist in unserer Situation eigentlich zu wenig, aber ein Punkt ist besser als kein Punkt. Der Punkt kann noch sehr wertvoll sein", sagte HSV-Sportchef Jens Todt.

Doch am Ende, das weiß nicht nur der Manager, werden allein Unentschieden für den Klassenerhalt nicht ausreichen. "Natürlich wäre es nicht schlecht, wenn wir bald mal anfangen würden, drei Punkte zu holen", sagte Torhüter Christian Mathenia mit Blick auf den Spielplan. 13 Spiele sind es noch. Die Uhr tickt - und die Zeit läuft gegen die Hamburger.

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(sid)