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Hamburger SV hofft auf Pierre-Michel Lasogga: Nicht ohne Mutti

HSV hofft auf Pierre-Michel Lasogga : Nicht ohne Mutti

Vor dem ersten Relegationsspiel des Hamburger Sportvereins heute ( 20.30 Uhr/Live-Ticker) gegen den Karlsruher SC ist offen, ob Angreifer Pierre-Michel Lasogga rechtzeitig fit wird. In der vergangen Saison schoss er den HSV zum Klassenerhalt.

Vor dem ersten Relegationsspiel des Hamburger Sportvereins heute ( 20.30 Uhr/Live-Ticker) gegen den Karlsruher SC ist offen, ob Angreifer Pierre-Michel Lasogga rechtzeitig fit wird. In der vergangen Saison schoss er den HSV zum Klassenerhalt.

Es gibt da dieses Foto von Pierre-Michel Lasogga und seiner Mutter Kerstin. Er lehnt ölverschmiert mit nacktem Oberkörper an der Wand einer Fabrikhalle. Um den Hals trägt er eine Silberkette mit einem Kreuz, der linke Arm ist tätowiert. Neben ihm die Mama. Mit dem linken Unterarm lehnt sie an seiner Schulter, mit der rechten Hand berührt sie seinen Bauch. Es gibt wenige Aufnahmen eines Fußballers hierzulande, über die kontroverser diskutiert worden ist. Was bewegt eine Familie, sich so zu inszenieren? Das Bild hat der Duisburger RP-Fotograf Christoph Reichwein am 15. August 2013 geschossen. "Sie wollten dieses Motiv genau so", erzählt er. "Hinterher waren sie allerdings nicht mehr ganz so glücklich mit ihrer Entscheidung." Denn was ausdrucken sollte, ,seht her, zwischen uns beide passt kein Blatt Papier', entwickelte sich zu einer Lachnummer. Das Urteil vieler: Der Profifußballer Pierre-Michel kann nicht ohne Mutti.

Auf dem Platz kann er sich für einen überschaubaren Zeitraum ganz gut trennen. Der Angreifer in Diensten des Hamburger Sportvereins steckt derzeit mitten im Abstiegskampf. Und er steckt im Kampf mit sich selbst. Seine Schulter ist mal wieder lädiert. Erst kurz vor der Partie wird sich entscheiden, ob er heute auflaufen kann. Im Spiel gegen den FC Schalke 04 hatte er sich vor fünf Tagen verletzt. "Bei Pierre wird es ein Wettlauf mit der Zeit", sagte Sportchef Peter Knäbel dem "Hamburger Abendblatt". "Pierre und unsere medizinische Abteilung machen alles. Aber die Intensität dieser beiden Spiele und die emotionale Belastbarkeit wird derartig im Grenzbereich sein, dass man keine Restzweifel haben darf."

Bruno Labbadia hat gesteigertes Interesse an einer schnellen Genesung seines Angreifers. Denn Lasogga ist der Mann für die entscheidenden Tore. In der Saison 2013/14 erzielte er 13 in 20 Bundesliga-Einsätzen. Dazu noch eines, das den HSV in der Liga hielt: In der Relegation gegen Fürth reichte sein Treffer zum Klassenerhalt.

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Die Verantwortlichen in der Hansestadt waren hernach eifrig darum bemüht, ihn langfristig an sich zu binden. Für acht Millionen Euro wechselte er schließlich fest von Hertha BSC Berlin zum HSV - zuvor war er nur ausgeliehen. Um die geschäftlichen Dinge kümmerte sich seine Mutter, die als seine Spielerberaterin arbeitet. In der Branche eine sehr seltene Konstellation, in der höchsten deutschen Spielklasse sowieso. Vertragsverhandlungen mit Mutter Lasogga sind gefürchtet. "Sie weiß eben, was sie will, und davon weicht sie dann keinen Schritt ab", sagt ein enger Vertrauter der Familie. Zu seinem Stiefvater Oliver Reck, Ex-Trainer von Fortuna Düsseldorf, hat Pierre-Michel schon seit Jahren keinen Kontakt mehr.

In der zurückliegenden Spielzeit konnte Pierre-Michel Lasogga die an ihn geknüpften Erwartungen beim Hamburger SV nicht erfüllen: in 26 Begegnungen traf er nur vier Mal. Auch ein Grund für die Misere des Bundesliga-Dinos. Doch das Vertrauen in sein Talent sind größer als die Zweifel bei Durchsicht der Statistik. Er ist Hoffnungsträger, ein bulliger Typ, der weiß, wie man sich durchsetzt. Der 23-Jährige ist einer der wenigen echten Typen in der Liga. Jemand, der seine Meinung sagt und nicht auf glatt gebügelte Sätze achtet. Für ihn soll auf jeden Fall der Weg in der Bundesliga weitergehen. Seine Mutter wird ganz bestimmt darauf achten.

(RP)