Hamburger SV: Druck ist für Trainer Dieter Hecking kein Problem - im Gegenteil

Neuer HSV-Trainer : Druck ist für Hecking kein Problem - im Gegenteil

Dieter Hecking soll den Hamburger SV zurück in die Bundesliga führen. Die von Krisen erschütterten Hanseaten wünschen sich von ihrem neuen Hoffnungsträger dabei vor allem Ruhe und Kontinuität.

Zumindest Aaron Hecking ist schon selig. "Mein Sohn ist glühender HSV-Fan. Der sitzt wahrscheinlich gerade auf den Färöer Inseln und denkt sich: Gott sei Dank, es hat geklappt", sagte Papa Dieter Hecking, der neue Trainer des krisengeschüttelten Hamburger SV. Die anderen leidgeplagten Anhänger des Traditionsklubs muss Hecking nun erst einmal von sich überzeugen: Am besten mit der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga im nächsten Sommer.

Hecking ist kein Träumer, dass der HSV "eine sehr große Herausforderung" darstellt, ist dem 54-Jährigen völlig klar. Der Druck an der Elbe ist für den Vater von fünf Kindern aber kein Problem - im Gegenteil. "Wenn es geheißen hätte, dass der HSV ein guter Zweitligist bleiben möchte, dann würde jemand anderes hier sitzen", sagte Hecking bei seiner Vorstellung am Mittwoch. In Hamburg zählt trotz der Konkurrenz aus Stuttgart, Nürnberg und Hannover nach der völlig verkorksten Zweitliga-Saison im nächsten Jahr nur der Aufstieg.

Und auf dieser Mission wollte der neue Sportvorstand Jonas Boldt in der Trainerfrage offenbar keine Experimente wagen. 14 Jahre am Stück war Hecking nun Bundesliga-Trainer, genoss seine Auftritte in der Champions und Europa League, holte 2015 mit dem VfL Wolfsburg den DFB-Pokal und die Vize-Meisterschaft. Er gilt als ehrlicher und bodenständiger Arbeiter, weniger als Entertainer - und ist damit vielleicht genau der Richtige für den HSV.

Es sei "keine Selbstverständlichkeit", dass sich Hecking für den HSV entschieden habe, sagte Boldt, dessen Vorgänger Ralf Becker bereits mit dem neuen Hoffnungsträger Kontakt aufgenommen hatte: "Er steht neben seiner Fachkompetenz für Ruhe und Kontinuität, ist sturmerprobt und erfüllt unser erstelltes Profil zu 100 Prozent." Schließlich hatten die relativ unerfahrenen Christian Titz und Hannes Wolf mit dem fast schon traditionell schwer trainierbaren HSV-Kader zuletzt arge Probleme.

"Viele haben gesagt: 'Warum tut der sich das an'? Nein, ich tue mir gar nichts an, sondern ich freue mich darauf", sagte Hecking, der zuletzt bei Borussia Mönchengladbach vorzeitig gehen musste und nun zunächst einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020 unterschrieben hat - mit Verlängerungsoption im Falle des Aufstiegs: "Ich verfolge diesen Verein, seitdem ich ein kleiner Junge war. Ich war ein großer Fan von Kevin Keegan zu seiner Hamburger Zeit. Das hat mich immer etwas zu diesem Verein hingezogen."

Doch vom Glanz der Vergangenheit ist in Hamburg nicht mehr viel geblieben. Derzeit stecke der Klub "zwar im Sturm", sei "aber noch immer toll", sagte Hecking, der aber auch weiß, dass die Mannschaft dringend erneuert werden muss. "Wir brauchen Spieler, die Bock auf den HSV haben und vor allen Dingen auch standhaft genug sind, um den Druck, der hier zweifellos herrscht, auszuhalten", sagte er: "Für mich ist es genau das, was ich jetzt brauche: Dieses Spannungsgefühl, wieder von unten etwas aufzuarbeiten und vom ersten Tag etwas gestalten zu können."

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(sid/old)
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