Hamburger SV: Christian Titz kämpft gegen den Abstieg und um seine Zukunft

Neuer Jugendstil beim HSV: Titz kämpft gegen den Abstieg und um seine Zukunft

In größter Abstiegsnot krempelt Christian Titz den Hamburger SV kräftig um, für seine Frischzellenkur erntet er viel Lob - doch darf der Trainer nächste Saison auch weitermachen? Kyriakos Papadopoulos steht vor der Rückkehr.

Immer noch Letzter. Immer noch sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsrang. Auch unter Neu-Trainer Christian Titz hat der Hamburger SV noch nicht gewonnen, aber mit dem 47-Jährigen auf der Bank sieht es mittlerweile fast nach Fußball aus, wenn der HSV spielt. Und so kämpft Titz nicht nur mit aller Macht gegen den drohenden Abstieg, sondern auch um seine Zukunft beim HSV.

"Ich glaube, dass wir in einer Situation sind, wo wir nicht viel zu verlieren haben. Für mich überwiegt die Chance", sagt Titz über seine Aufgabe, die er mit einer ordentlichen Frischzellenkur angeht. Unter ihm drängen immer mehr junge Spieler wie Stephan Ambrosius, Young-Jae Seo oder Tatsuya Ito in die erste Elf, Titz hat dem taumelnden Team zudem einen anderen Charakter verpasst.

"Wir wollten neue Impulse in die Mannschaft bringen, mehr mit dem Ball agieren und höher verteidigen", sagt Titz über seinen Jugendstil, der viele Beobachter an der Elbe begeistert - aber von vielen auch skeptisch beäugt wird. Doch Titz will auch gegen Schalke 04 (Samstag, 18.30 Uhr/Sky) seine Linie durchziehen. Die jungen Spieler "werden immer sicherer, ihre Leistungskurve wird nach oben steigen", sagt er: "Weil sie jetzt schon einige Zeit bei uns oben dabei sind und eine gewisse Selbstverständlichkeit in ihr Spiel kommt." Die "Tür für die andere Akteure" sei deshalb aber "keinesfalls zu."

Gut möglich, dass etwa Kyriakos Papadopoulos zurückkehrt. Titz lobte den Griechen, der sich für seine Verbal-Attacke nach dem Spiel gegen Hertha BSC entschuldigt hatte und das gesamte Team am Mittwoch zum Essen einlud. Andere Alteingesessene wie Dennis Diekmeier, Mergim Mavraj oder Bobby Wood sind aber außen vor. Dass der Klub so womöglich Kapital bei Transfererlösen verbrennt, kümmert Titz nicht. "Ich sehe keine Namen, sondern Menschen vor mir. Es gibt nicht jung oder alt, sondern es zählt nur die Leistung", sagt Titz: "Das Gehalt, der Marktwert oder die Ablöse dürfen in der Bewertung der Spieler keine Rolle spielen."

Als ehemaliger U21-Trainer hat Titz eine hohe Meinung von den Youngstern der Hanseaten. "Es ist meine Überzeugung, dass es viele junge Spieler beim HSV gibt, die Potenzial haben, höher zu spielen. Oftmals bedarf es einer Chance für einen jungen Spieler", sagt Titz, der hofft, dass auch er eine Chance über das Saisonende hinaus erhalten wird.

Und wenn es nach Bernhard Peters, dem Direktor Sport, sowie Alleinvorstand Frank Wettstein geht, soll Titz sie erhalten. "Frank Wettstein und ich sind von ihm total überzeugt - in seiner Arbeitsweise, in seinem Fleiß, in seiner Kompetenz. Und deswegen ist er für uns der Richtige", sagte Peters zuletzt dem NDR. Doch am Ende wird Aufsichtsratschef Bernd Hoffmann wohl entscheiden, der 55-Jährige fahndet weiter nach einem neuen Vorstand sowie Sportchef und soll dem Vernehmen nach (noch) nicht vollends von Titz überzeugt sein.

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(sid)