WM der Schlamm-Fußballer in Finnland: Grasfressen gibt's nicht

WM der Schlamm-Fußballer in Finnland: Grasfressen gibt's nicht

Düsseldorf (RPO). Zugegeben: Viererkette, schnelles Kurzpassspiel und taktische Finessen sind bei der Schlamm-Fußball-WM in Finnland eher selten. Dafür aber haben die Teilnehmer Spaß ohne Ende. Jedes Foto aus Finnland versprüht mehr Freude als ein ganzer Kindergeburtstag. Absolute Fitness ist für diesen Sport allerdings zwingende Voraussetzung. Wer stehen bleibt, versinkt im Schlamm.

Immer werden Turniere im Matschfußball mit Superlativen bedacht. Das gilt selbstredend auch für die aktuelle WM im finnischen Hyrynsalmi, einem kleinen Ort 600 Kilometer nördlich von Helsinki. Ausgerechnet dort, in den entlegenen Sümpfen des Nordens, hat sich eine eigene Randsportart mit einem ganz eigenen Charme etabliert. Schon seit Jahren finden dort die Weltmeisterschaften statt, inzwischen sind es 30.000 Zuschauer, die das Event anzieht.

Womöglich, weil dort auch der Erfinder gelebt haben soll, ein Langläufer mit dem Namen Esa Romppainen. Er soll sich im Sommer beim Fitnesstraining gelangweilt und nach Alternativen gesucht haben. Beim Schlammfußball soll er fündig geworden. Ob sich das allerdings tatsächlich so abgespielt hat, ist umstritten. Eine andere Legende erzählt, dass ein finnischer Offizier seine Soldaten zum Konditionsbolzen ins Moor geschickt hat. Um die Motivation zu erleichtern, soll er seinen Leuten irgendwann einen Ball mitgegeben haben — Geburtsstunde einer neuen Sportart.

"Du vergisst sofort deinen Alltag"

Auch in Deutschland hat Schlammfußball bereits Liebhaber gefunden. "Du vergisst sofort deinen Alltag, überwindest Grenzen und kannst das tun, was du im normalen Leben nicht machst: Dich in den Matsch werfen", schwärmen etwa die Ausrichter der 2. Mittelfränkischen Meisterschaft auf ihrer Website.

Seit drei Jahren werden Meisterschaften ausgerichtet, bisher jedesmal in einem beschaulichen Dörfchen namens Wöllnau in Sachsen. Der amtierende Meister stammt aus Dresden. Er darf am 9. August gegen neun konkurrierende Teams seinen Titel verteidigen, als Preis winkt eine Einladung zur WM nach Finnland.

Nach ein bis zwei Minuten am Ende

Fitness ist für den schmutzigen Sport eine zwingende Voraussetzung. Die Kicker stecken bis zur Hüfte im Schlamm. Nur wer ständig in Bewegung bleibt, hat eine Chance nicht stecken zu bleiben. Gewechselt wird fliegend. "Ein normaler Sportler hält die Tortur auf dem Feld ein bis zwei Minuten aus, dann ist er am Ende", sagt Stephan Guth, Organisator der Deutschen Meisterschaft.

Der Sport ist höllisch anstrengend, macht aber auch höllischen Spaß. Kronzeuge für diese These sind alleine die Bilder, die in diesem Jahr von Hyrynsalmi aus in die Welt gehen.

Der Schlamm frisst Schuhe

Das Regelwerk unterscheidet sich ob der erschwerten Umstände vom herkömmlichen Fußball. Gespielt wird nur zu fünft plus Torhüter. Abseits gibt es nicht, die Spieldauer beschränkt sich auf zweimal 13 Minuten, ausgewechselt werden darf nach Belieben. Gespielt wird natürlich auf einem Kleinfeld von 60 mal 30 Metern, entweder einer überfluteten Ackerfläche oder Sumpflandschaft.

Und noch etwas: Ein Schuhwechsel während des Spiels ist nicht gestattet. Erfahrene Spieler achten daher tunlichst darauf, ihre Stiefel so fest zu schnüren wie irgend möglich. Der Matsch kann wirken wie Kleber mit Saugkraft. "Die Verluste sind trotz aller Vorsicht groß, jedes Jahr finden wir tausende von Schuhen im Matsch", zitierte die Baseler Zeitung vor einem Jahr den WM-Organisator Kimmo Kyhala.

Der Weltmeister im konventionellen Fußball wäre in Finnland vermutlich chancenlos. Das spanische Kurzpassspiel passt nicht zu den Gegebenheiten auf dem Platz. Als Großmächte gelten in der Schlammdisziplin hingegen die Skandinavier, England und Russland. In Deutschland ist die Szene vergleichsweise noch jung und von überschaubarer Größe.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sumpf-Fußball: Wer stehen bleibt, geht unter