Giovane Elber schießt gegen Per Mertesacker

"Per ist Millionär": Elber hat kein Verständnis für Mertesacker-Aussagen

Per Mertesacker hat mit seinem Interview über den brutalen Druck im Fußball einen Nerv getroffen. Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig hat Giovane Elber hat kein Verständnis für die Aussagen und kritisiert den von Weltmeister massiv.

"Per hat sich da ein Eigentor geschossen, glaube ich. Natürlich haben auch Fußballer Druck, aber mein Gott: Per ist Millionär. Keiner zwingt ihn dazu, Fußball zu spielen", sagte Elber im Interview mit "Sportbuzzer".

Der frühere Nationalspieler Mertesacker hatte im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter anderem über seine Versagensängste während der WM 2006 gesprochen. Die Privilegien seien ihm bewusst, aber "irgendwann realisierst du, dass alles eine Belastung ist, körperlich und mental. Dass es null mehr um Spaß geht, sondern dass du abliefern musst, ohne Wenn und Aber. Selbst wenn du verletzt bist", sagte Mertesacker.

Elber kann diese Aussagen nicht nachvollziehen. "Per ist ein richtig guter Kerl, aber wirklich Druck hat ein Mensch, der jeden Tag gegen sieben Uhr aufstehen muss, für 500 Euro im Monat arbeitet und trotzdem nicht weiß, ob er am Monatsende die Stromrechnung zahlen kann", sagte der Brasilianer.

Lars Stindl steht hinter den Aussagen von Mertesacker

Im Gegensatz zu Elber zieht Nationalspieler Lars Stindl dagegen seinen Hut vor dem Arsenal-Legionär. "Ich finde es gut, dass man darüber spricht, und ich finde es super, dass gerade jemand wie Per mit seinen Erfahrungen in den Nachwuchsbereich geht. Er kann die jungen Leute noch besser darauf vorbereiten, was auf sie zukommt", sagte der Gladbacher dem Fußball-Magazin "11Freunde".

Mertesacker habe eine Dekade, eine ganze Generation mitgeprägt. Er sei eine prägende Erscheinung gewesen, und deswegen sei es gut, wenn jemand wie er offen über dieses Thema spreche. "Ich habe Pers Leistungen immer bewundert. Und jetzt - mit diesem Hintergrund - sage ich erst recht: Chapeau. Glauben Sie es mir, es betrifft ganz bestimmt mehrere Spieler, deshalb ist es so wichtig", so der 28-Jährige.

Bereits unmittelbar nach Erscheinen des Interviews hatte Lothar Matthäus den Profi vom FC Arsenal kritisiert. Dem Weltmeister von 1990 gefielen vor allem die Aussagen zur Heim-WM nicht. "Ich verstehe nur nicht, wenn er im Nachhinein sagt, dass er bei der WM 2006 eigentlich gar nicht spielen wollte, weil der Druck ihm zu groß war. Druck gehört im Profifußball dazu. Das ist Teil des Systems. Ein anderer hätte sich gefreut, wenn er gespielt hätte", sagte Matthäus und warf die Frage auf, wie der Weltmeister von 2014 "nun noch seinen Job als Nachwuchschef bei Arsenal antreten wolle.

Für seine Kritik war Matthäus von anderen Ex-Spielern angegriffen worden. Stefan Effenberg etwa schrieb in einer Kolumne, die Aussagen von Matthäus zeugten davon, "dass er sich nicht wirklich mit dem Thema beschäftigt hat".

(old/sid)