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"Ich kann mich von den Vorwürfen nicht freisprechen": Geyer holt Stasi-Vergangenheit ein

"Ich kann mich von den Vorwürfen nicht freisprechen" : Geyer holt Stasi-Vergangenheit ein

Cottbus/Berlin (sid). Eduard Geyer ist von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Der 55 Jahre alte Fußball-Trainer von Bundesliga-Aufsteiger Energie Cottbus, der sich in den letzten Wochen mit kernigen Sprüchen und markanten Medienauftritten in der gesamten Republik einen Namen gemacht hatte, wird jetzt mit neuen Details aus seiner Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR konfrontiert.

Mit Belegen über Gratifikationszahlungen und handschriftlichen Erklärungen aus Akten, die in der Gauck-Behörde gefunden wurden, belegte die Bild am Sonntag die umfangreiche Tätigkeit des unter dem Decknamen "IM Jahn" agierenden Geyer.

"Ich kann mich von den Vorwürfen nicht freisprechen. Es ist beschämend", kommentierte "Ede" Geyer in der Vergangenheit seine Tätigkeit als "informeller Mitarbeiter". Bereits 1992 waren seine Aktivitäten bekannt geworden. Doch damals hatte der ehemalige Spieler von Dynamo Dresden, der es bei seinem offiziellen Arbeitgeber, der Volkspolizei, zum Major gebracht hatte, immer darauf berufen, keinem mit seinen Informationen geschadet und sich selber nicht bereichert zu haben.

Die neue Aktenlage zeichnet ein anderes Bild. Bereits 1982 quittierte Geyer handschriftlich den Erhalt von 300 Mark als Anerkennung und Auszeichnung für seine Tätigkeit. "Die Akten sind authentisch. Mir ist kein Fall bekannt, dass Belege gefälscht wurden", erklärte der Sprecher der Gauck-Behörde Johann Lengner der BamS. Im November 1986 soll Geyer vom Leiter der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit als Entgelt für seine geleisteten Dienste 100 Westmark und 500 Ostmark erhalten haben. Der Trainer der Lausitzer dementiert dies: "Wer weiß, wer das in die Unterlagen hineingeschrieben hat. Für mich ist das Thema abgeschlossen."

In den über 100 Treffen mit seinem Führungsoffizier soll "IM Jahn" Informationen über Mitspieler und später als Trainer über seine Kaderspieler preisgegeben haben. "Bei Kirsten und Stübner ist in der Vergangenheit viel versäumt worden, so dass sie keine positive Rolle im Kollektiv spielen. Sie treten teilweise frech und überheblich auf", heißt es in einem Tonbandmitschnitt. Der hier charakterisierte Ulf Kirsten, seit Jahren bei Bayer Leverkusen der überragender Torjäger, war einst beim Dynamo Dresden Schützling von Geyer.

Ebenfalls äußerte sich Geyer zum Trainerkollegen Klaus Sammer. "Er selbst (Geyer) ist der Meinung, dass die Trainer Sammer und Riedel in politischer Hinsicht Schwächen haben und hatten und deshalb schon eher abgelöst werden mussten", heißt es im Protokoll des Führungsoffiziers. Typisch sind angesichts dieser Erkenntnisse die Reaktionen der Beteiligten.

Während Geyer hartnäckig dementiert und Energie-Manager Klaus Stabach die neuerlichen Vorwürfe als "Unverschämtheit" einstuft, kritisieren die "Opferanwälte" das weit verbreitete Unrechtsbewusstsein. "Sie wissen doch gar nicht, ob sie jemandem geschadet haben, weil sie nicht wussten, was mit ihren Informationen gemacht wurde", sagte Irmtraut Hollitzer vom Leipziger Bürgerkomitee.

(RPO Archiv)