Am Niederrhein: Gewalt im Jugendfußball fast alltäglich

Am Niederrhein : Gewalt im Jugendfußball fast alltäglich

Bernd Biermann war erschüttert. "Das sprengt erneut den Rahmen", sagte der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses im Fußballkreis Düsseldorf, der immer wieder mit Gewalt im Jugendfußball zu tun hat.

Nach dem Spiel der B-Junioren von VfL Benrath und SC Unterbach hatte am vergangenen Wochenende ein Benrather Zuschauer den minderjährigen Schiedsrichter mit einem Faustschlag in den Magen niedergestreckt. "Nach den ersten Befragungen haben von den rund 60 Zuschauern viele die Tat gesehen, aber keiner will den Täter erkannt haben", sagte Biermann.

"Flut von meldepflichtigen Ereignissen"

Gewalt im Amateurfußball — auch bei Jugendlichen — ist fast schon Alltag für Biermann: "In der vergangenen Saison gab es im Bereich Düsseldorf wieder eine Flut von meldepflichtigen Ereignissen. Dazu gehörten der Einsatz von Pyrotechnik, rassistische und sexistische Beleidigungen gegenüber Schiedsrichtern und auch körperliche Gewalttaten. Unser Kreis ist trauriger Spitzenreiter in Deutschland."

Doch nicht nur Düsseldorf hat dieses Problem. Die Spruchkammer im Fußballkreis Kempen-Krefeld musste sich gerade mit einem D-Junioren-Spiel zwischen DJK Fortuna Dilkrath und Borussia Oedt/SV Grefrath beschäftigen. Es gilt als erwiesen, dass der Vater eines Dilkrather Jungen den Schiedsrichter nach dem Spiel tätlich angegriffen hatte.

Ein Beispiel aus Duisburg: Im U 19-Spiel zwischen dem TV Bruckhausen und dem DSV 1900 soll der TSV-Kapitän einen Zuschauer geschlagen haben. Diese Attacke löste einen Platzsturm aus. "Statistisch gesehen kann ich das Empfinden, dass die Gewalt auf unseren Plätzen zunimmt, nicht nachvollziehen", sagt Ulrich Pütz, der Vorsitzende der Spruchkammer. "Dass es in diesem Bereich im letzten Jahr einen negativen Ausrutscher nach oben gab, ist uns unerklärlich."

Norbert Brunnstein, Schiedsrichter-Obmann im Kreis Rees-Bocholt, sieht den immer akuter werdenden Mangel an Schiedsrichtern als Folge von Gewalt und aggressivem Ton auf den Plätzen. "Früher haben sich viele ältere Spieler dazu entschlossen, ihre sportliche Laufbahn als Schiri fortzusetzen", sagt er, "das gibt's nicht mehr. Die wissen schließlich, was auf den Plätzen los ist. Viele Jugendliche verlieren wegen der Anfeindungen schnell die Lust. Ich zitiere aus einem Brief, den mir eine junge Kollegin geschickt hat: 'Lieber Herr Brunnstein, ich höre auf, weil ich die Beleidigungen nicht mehr ertragen kann.'"

Der Soziologe Gunter Pilz legte dem Sportausschuss des Bundestags eine Auswertung von rund 4000 Fällen vor Sport- und Schiedsgerichten vor. Zweidrittel aller verhandelten Spielabbrüche wurden danach von Spielern mit Migrationshintergrund verursacht. Während bei den Deutschen die Opfer am häufigsten Spieler sind, attackieren Spieler mit Migrationshintergrund vor allem den Schiedsrichter.

Hier geht es zur Infostrecke: Gewalt auf deutschen Fußballplätzen

(RP)
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