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Fußball: Es brodelt beim Traditionsverein 1. FC Mönchengladbach

1. FC Mönchengladbach : Abmeldung der Damenmannschaften schlägt hohe Wellen

Der Landesligst 1. FC Mönchengladbach hat zwei Frauen-Teams und eine Mädchenmannschaft für die neue Saison nicht mehr gemeldet. Das schlägt hohe Wellen. Sogar FVN-Boss Peter Frymuth schaltet sich ein.

Es brodelt beim 1. FC Mönchengladbach. Die Nachricht, dass der älteste noch bestehende Fußballverein im Westdeutschen Fußballverband nach dem Saisonabbruch wegen Corona möglicherweise in die Oberliga aufsteigen darf, kam vergangene Woche. Es folgte eine Schock-Nachricht für die Frauen-Abteilung: Der Vorstand um Klubboss Christian Oh hat die zuletzt sehr erfolgreichen Teams in der Niederrheinliga und der Bezirksliga ebenso nicht mehr für die Saison 2020/21 gemeldet wie das U17-Team, das in der Regionalliga spielt.

Schon zuvor hatte es Dissonanzen in der Nachwuchsabteilung des Klubs gegeben, in deren Folge der langjährige Trainer Carlos Miguel und 14 Spieler aus der U15 zum SV Straelen abwanderten. Im März war eine außerordentliche Mitgliederversammlung geplant, da wollte eine Gruppe um den Vorsitzenden der Frauen-Abteilung, Ralf Vander, und den Ex-Vorsitzenden Uwe Röhrhoff den amtierenden Vorstand ablösen. Doch wegen der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown fiel die Machtprobe aus.

Die Frauen- und Mädchenabteilung des 1. FC Mönchengladbach hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Aushängeschild des Klubs entwickelt. Über 130 Mitglieder hat sie und war im August 2019 erstmals in der ersten Runde des DFB-Pokals vertreten. Dort schied sie mit 0:1 gegen den ambitionierten Regionalligisten TuS Wörrstadt aus. Punktgleich mit dem Tabellenführer MSV Duisburg II landete das Team von Trainer Christian Brüsseler in dieser Saison auf Platz zwei. Die Zweite des FC kämpfte als Dritter in der Bezirksliga um den Aufstieg in die Landesliga. In der Regionalliga West logierte die U17 auf dem fünften Tabellenplatz. Insgesamt ist die FC-Frauenabteilung die Nummer zwei in Gladbach hinter Borussia.

„Vor zwei Wochen wurde der geplante Trainingsplan völlig durcheinander geworfen. Dabei wurde überhaupt keine Rücksicht auf die zeitlichen Verfügbarkeiten der Spielerinnen und Trainer genommen“, berichtete nun Brüsseler. In einem zweiten Gespräch am vergangenen Freitag wurde den Verantwortlichen der Abteilung dann überraschend mitgeteilt, dass die Erste, Zweite und U17 in der Saison 2020/21 nicht mehr gemeldet werden. Diese Botschaft ging auch an den Fußball-Verband Niederrhein (FVN).

„Das war natürlich ein absoluter Schock für uns und ist nicht nachvollziehbar. Wir hatten einen Kompromiss erarbeitet, der nur noch durch den ersten Vorsitzenden Christian Oh abgesegnet werden musste“, sagte Trainer Christian Brüsseler unserer Redaktion. „Als Begründung wurde der Aufstieg der ersten Herrenmannschaft in die Oberliga genannt“, so Brüsseler. Zukünftig sollen auch die zweite Herrenmannschaft und die A-Junioren mehr trainieren. Am Sonntag wäre zudem kein geregelter Spielbetrieb mehr möglich. „Wir haben uns alles angeguckt. Es wäre machbar gewesen. Doch diesen Kompromiss gab es leider nicht“, sagte Brüsseler indes. Er hat eine Petition ins Netz gestellt, „wir hoffen auch hier auf breite Unterstützung“. Bis Dienstagnachmittag gab es fast 3000 Unterschriften. Das Thema ging regelrecht viral in den sozialen Netzwerken und wurde sehr emotional diskutiert.

Christian Oh versicherte derweil im Gespräch mit unserer Redaktion, dass die Entscheidung über den Rückzug der Frauen-Teams „unabhängig von der Ligazugehörigkeit“ sei und „mit dem möglichen Aufstieg nichts zu tun hat“. Es sei eine strategische Entscheidung. „Die DNA des FC ist der Leistungsbereich. Wir haben zwei starke Leistungsbereiche, die Männer und die Frauen. Wir werden aber auf Dauer nicht in beiden Leistungsbereichen konkurrenzfähig bleiben können. Darum mussten wir eine Entscheidung treffen“, sagte Oh.

Ob der FC die Option Oberliga annimmt, „werden wir im Juli offiziell verkünden“, sagte Oh, der seit Ende 2018 Vorsitzender des FC ist. Und er versicherte: „Wir haben über 20 Spieler für die Erste Mannschaft.“ Namen werden aber noch nicht genannt, „da warten wir ab, bis alles fix ist, darauf haben wir uns intern verständigt“, sagte Oh.

Wie es mit den Fußball-Frauen weitergeht, ist offen. „Es darf nicht sein, das uns das Recht genommen wird im Verein Fußball zu spielen“, sagt Brüsseler. Oh erklärte, der FC habe den Westdeutschen Fußball-Verband und den Fußball-Verband Niederrhein angeschrieben, um die Ligazugehörigkeit bei einem Vereinswechsel der drei Teams zu gewährleisten. „Es gibt einige Vereine, die Interesse haben. Auch aus Gladbach“, sagte Oh.

Möglich, dass es Vermittlungsgespräch mit dem FVN gibt und dieser von höchster Stelle vertreten sein wird. Uwe Röhrhoff hat Kontakt nach Duisburg aufgenommen und die Zusage von FVN-Chef Peter Frymuth, selbst nach Gladbach zu kommen, um ein Gespräch mit dem Vorstand des FC, einem Vertreter der Frauen-Abteilung und der Vorsitzenden des Fußballkreises Mönchengladbach/Viersen, Yvonne Cremer, zu führen. „Das Ziel ist, dass die Frauenteams da bleiben dürfen“, sagte Röhrhoff unserer Redaktion. Christof Wellens, Vize-Präsident des Stadtsportbundes Mönchengladbach findet den Ansatz, alle Parteien zusammenzubringen, gut. „Wir als Stadtsportbund rufen zu einer rheinischen Lösung im Sinne des Sports und der Sportlerinnen auf“, sagte Wellens unserer Redaktion.