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Fußball: DFB setzt Zeichen für Vielfalt​

Fußball für alle : DFB setzt Zeichen für Vielfalt

Der Deutsche Fußball-Bund setzt mit einer eigenen Regelung zum Spielrecht trans, inter und nicht-binärer Personen ein Zeichen für Vielfalt. Auch im Umgang mit Homosexualität gibt es klare Kante.

Verbale Botschaften der Spieler, die Regenbogenbinde von Manuel Neuer – und nun eine Sonderregel im Verbandsrecht: Der deutsche Fußball mausert sich im Kampf um Vielfalt zum Vorreiter. Der DFB lässt künftig Spieler und Spielerinnen mit dem Geschlechtseintrag „divers“ oder „ohne Angabe“ selbst entscheiden, ob sie für eine Frauen- oder Männermannschaft auflaufen. Mit der eigenen Regelung zum Spielrecht trans, inter und nicht-binärer Personen setzt der Deutsche Fußball-Bund im internationalen Sport neue Maßstäbe.

„Das ist eine Entscheidung, die in die richtige Richtung geht“, lobte Sprecher Gabriel Nox Koenig vom Bundesverband Trans im Gespräch mit dem SID. „An Leute mit dem Personenstand 'divers' oder 'ohne Angabe' zu denken, hat noch keiner gemacht“, sagte Koenig. Zuletzt hatte sich die Transgender-Debatte im Sport an der US-Schwimmerin Lia Thomas entzündet, die die männliche Pubertät durchlief und nach Entscheidung des Weltverbandes FINA nun nicht mehr bei den Frauen antreten darf.

Was bedeutet eigentlich die Regenbogenfahne?

Der DFB geht mit der Aufnahme der neuen Regel in seine Spiel-, Jugend- und Futsal-Ordnung in eine andere Richtung. „Der Fußball steht für Vielfalt, und auch der DFB setzt sich dafür ein“, sagte Thomas Hitzlsperger, Verbandsbotschafter für Vielfalt: „Mit der Regelung des Spielrechts schaffen wir weitere wichtige Voraussetzungen, um auch Spieler*innen unterschiedlichster Geschlechteridentitäten das Spielen zu ermöglichen.“

Bislang war das in den Personaldokumenten eingetragene Geschlecht „männlich“ oder „weiblich“ maßgeblich für die Erteilung des Spielrechts. Eine gesonderte Regelung für die seit 2018 möglichen Eintragungen „divers“ oder „ohne Angabe“ gab es nicht, bei den Landesverbänden kam es oft zu Unklarheiten. Nun können trans Spieler und Spielerinnen selbstbestimmt jederzeit darüber entscheiden, ob sie in eine Mannschaft des anderen Geschlechts wechseln wollen.

Gleiches gilt für alle Personen, die ihr Geschlecht angleichen lassen. Bei der Erteilung des Spielrechts sollen Vertrauenspersonen helfen. „Selbstbestimmung von Spielerinnen und Spielern zu berücksichtigen, ist das, was wir uns wünschen“, betonte Koenig. Besonders für trans, inter und nicht-binäre Jugendliche ergebe sich so „die Basis, überhaupt Sport zu machen und daran Spaß haben zu können“.

Der Berliner Fußball-Verband hatte entsprechende Regeln bereits im Jahr 2019 eingeführt. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass die Wettbewerbsintegrität dadurch „nicht gefährdet“ werde, heißt es vom DFB. Auch klar geregelt wurde, dass Personen am Spielbetrieb teilnehmen können, solange die sportliche Betätigung während der Einnahme von Medikamenten die Gesundheit der betroffenen Personen nicht beeinträchtigt. Die Regelung schließt somit eine Dopingrelevanz aus.

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Passend zum Vielfalts-Zeichen des DFB prangerte Oliver Bierhoff auch nochmals den Umgang des kommenden WM-Gastgebers Katar mit Homosexuellen an. „Ich meine, das Schlimme ist natürlich die gesellschaftliche Ächtung, die man da ja heraushört“, sagte der Nationalmannschaftsdirektor auch mit Verweis auf eine persönliche Bekanntschaft aus der LGBTIQ+-Gemeinschaft: „Das andere ist, wenn du in deinem Leben Angst hast und dann auch noch von einer staatlichen Institution gegängelt wirst – das ist natürlich schon dramatisch.“

Derartige Zustände machen klare Statements wie die neue Regel des DFB umso wertvoller.

(lonn/SID)