Kuss-Skandal Rubiales schadet dem Ansehen von Spaniens Fußball-Frauen

Meinung | Düsseldorf · Spaniens Fußballverbandsboss Luis Rubiales klebt an seinem Stuhl. Er lehnt einen Rücktritt trotz der Kuss-Affäre beim WM-Finale der Frauen ab. Zudem schockiert er nun mit Aussagen, die ihn erst recht untragbar machen.

Luis Rubiales, Präsident des spanischen Fußballverbands, lehnt einen Rücktritt wegen des Kuss-Skandals ab.

Luis Rubiales, Präsident des spanischen Fußballverbands, lehnt einen Rücktritt wegen des Kuss-Skandals ab.

Foto: AP/RFEF

Langsam kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Nachdem am Donnerstagabend das Gerücht aufgekommen war, dass Spaniens Fußballverbandsboss Luis Rubiales wegen der Kuss-Affäre beim WM-Finale der Frauen zurücktreten wolle, folgte am Freitagmittag die Kehrtwende. Er bleibt. Der Druck, der seither auf ihn ausgeübt würde, sei ein Versuch, ihn „öffentlich zu ermorden“, teilte er mit. Es ist ein weiteres Kapitel in der unrühmlichen Woche des spanischen Ex-Profis.

Was war passiert? Nach dem Titelgewinn der spanischen Fußball-Nationalmannschaft der Frauen hatte Rubiales bei der Siegerehrung mitgewirkt. Bei der Medaillenvergabe gab es herzliche Umarmungen und Küsse auf die Wangen. Jennifer Hermoso hielt er den sogar Kopf fest und küsste sie auf den Mund. Die Spielerin selbst gab später zu Protokoll, dass es ihr nicht gefallen habe. In einem Statement des Verbands betonte Hermoso aber angeblich, welch großartiges Verhältnis sie zum Präsidenten habe und es eine natürliche Geste der Zuneigung gewesen sei – mutmaßlich jedoch ohne ihr Einverständnis.

Rubiales ging den klassischen Weg und entschuldigte sich bei „allen, die sich verletzt fühlten“, erklärte sich und gab zu, dass er „wahrscheinlich einen Fehler gemacht“ habe. Alleine das Wort „wahrscheinlich“ macht deutlich, dass er sich letztlich keiner Schuld bewusst ist und sich alle mal wieder ein wenig abregen sollen. All das macht ihn bereits für eine solche Stelle untragbar. Und mit seinen Aussagen am Freitag hat er tatsächlich noch einmal einen draufgesetzt.

Wäre Rubiales tatsächlich einsichtig und hätte sich reumütig gezeigt, wäre eine weitere Amtsausübung vielleicht noch irgendwie vertretbar. Mit einer solch unreflektierten Täter-Opfer-Umkehr allerdings kann davon keine Rede mehr sein. Jeder weitere Tag im Amt schadet nur noch dem Ansehen des Verbandes. Zumal sich die spanische Regierung mittlerweile einschalten will und die Fifa ein Disziplinarverfahren eingeleitet hat.

Da hilft es auch nicht, dass andere Fußballsenioren mit mehr als nur gestrigen Wertevorstellungen dem 46-Jährigen zur Seite gesprungen sind. Karl-Heinz Rummenigge zum Beispiel. Das Aufsichtsratsmitglied des FC Bayern fand den Kuss „vollkommen okay“. Er habe schließlich auch schon mal aus Emotionen heraus Männer auf die Wange geküsst.

Es mutet einfach grotesk an, so etwas mit einer sexuell-übergriffigen Handlung wie der von Rubiales zu vergleichen. Da ist es fast schon Glück, dass Rummenigge gemeinhin nicht als letzte Instanz für moralische Fragen gilt. Immerhin hat er dieses Mal nicht Paragraf 1 des Grundgesetzes zitiert, wie damals, als er eine Pressekonferenz veranstaltete, um sich über die Medien-Kritik an Bayern-Spielern zu echauffieren.

Es herrscht also weiterhin Unruhe im spanischen Fußballverband. Die Stimme der Frauen, so präsentiert es der Verband damit nach außen hin, hat absolut keinen Wert. Was eigentlich unfassbar ist, wenn man bedenkt, dass sie erst vor fünf Tagen den WM-Titel geholt haben. Und das in Vergessenheit zu bringen, ist eben auch Rubiales‘ Schuld.

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