Frauen-WM: Deutschland verliert den Anschluss

Platz vier bei der Frauen-WM : Deutschland verliert Anschluss

Der deutsche Frauenfußball hat eine lange Erfolgsgeschichte geschrieben. Und er hat sich auch nach Rückschlägen wie dem Ausscheiden im Viertelfinale bei der WM im eigenen Land vor vier Jahren immer wieder erholt. Deshalb muss niemandem bange sein, wenn aus der WM in Kanada die richtigen Schlüsse gezogen werden.

Diese Weltmeisterschaft war weniger von der Platzierung als vielmehr von den fußballerischen Leistungen eine große Enttäuschung. Die Deutschen mussten feststellen, dass ihnen einige Nationen unterdessen davongezogen sind. Das muss sich nicht unbedingt in deren Rang bei der WM widerspiegeln. Frankreich spielte im Viertelfinale viel besser als Deutschland, die DFB-Auswahl kam sehr glücklich ins Halbfinale.

Sie hat ganz offenkundig den Sprung in den modernen Frauenfußball noch nicht bewältigt. Vor Jahren konnte sie ihre fußballerischen Mittel auf den Platz bringen, weil es im erfreulich körperlosen Spiel reichlich Raum zur Entfaltung gab. Heute ist körperlich deutlich aufgerüstet worden. Und im Behauptungskampf auf engerem Raum sind die technischen Mittel im Umgang mit dem Ball auf der Strecke geblieben. Das ist ein Ausbildungsproblem.

Ebenso wie die Tatsache, dass die vielzitierte Spieleröffnung aus der Abwehr von vergleichsweise schlichten Spielertypen vollzogen wird, die meist ziemlich froh sind, wenn sie mit dem Ball nichts mehr zu tun haben. Sie stehen (manchmal buchstäblich) für ein überholtes Modell. Der einstige Branchenführer im internationalen Fußball muss dringend wieder auf die Schulbank.

(RP)