Frauen-WM 2019: DFB-Frauen profitieren im WM-Achtelfinale vom Videobeweis

Kritik an Umsetzung : Videobeweis sorgt für Unmut bei den DFB-Frauen

Premiere bei einem WM-Spiel der deutschen Fußballerinnen: Gleich zweimal kommt der Videobeweis im Achtelfinale gegen Nigeria zum Einsatz - und sorgt für viel Unmut. Doch die DFB-Frauen ließen sich nicht aus der Ruhe bringen.

Martina Voss-Tecklenburg versuchte es mit sanftem Druck. Die Fußball-Bundestrainerin verband ihre Forderung hinsichtlich des Videobeweises mit einem abschwächenden "vielleicht". "Die vielen Unterbrechungen sind emotional schwierig", sagte "MVT" nach den Aufregern im WM-Achtelfinale gegen Nigeria (3:0): "Vielleicht kommen wir in einen Prozess, bei dem alles ein bisschen schneller geht - die Kommunikation und die Entscheidung."

Dabei hatte der zweimalige Weltmeister in seinem ersten K.o.-Spiel bei der Endrunde in Frankreich noch Glück. Zweimal "gewann" die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Grenoble den Videobeweis. Beide Szenen waren von großer Bedeutung, schließlich ging es um die ersten beiden Treffer.

Beim Kopfball-Tor von Alexandra Popp zur Führung (20.) stand Svenja Huth vor der nigerianischen Torhüterin im Abseits. Doch Schiedsrichterin Yoshimi Yamashita (Japan) und Video-Assistent Carlos Del Cerro Grande aus Spanien entschieden nach Ansicht der Bilder auf passives Abseits. Das hätten die Referees durchaus auch anders sehen können.

Dennoch waren die Deutschen verwirrt. Popp erfuhr erst im ZDF-Interview nach der Partie den Grund für die Überprüfung. "Als es dann Videobeweis gab, war ich total irritiert. Ich wusste nicht, wieso, weshalb, warum", sagte die Torschützin: "Das ist im Spiel ein großes Fragezeichen, weil man nicht weiß, was denn jetzt warum geprüft wird."

Ähnlich hörte sich die Kritik von Almuth Schult an. "Die langen Pausen haben den Spielfluss gestört", äußerte die deutsche Torhüterin: "Dass schon zwei Minuten vergehen, bevor sich die Schiedsrichterin die Szene selbst noch mal anguckt, darf nicht sein."

Das Foul der Nigerianerin Evelyn Nwabuoku kurz darauf an Lina Magull hatte Yamashita gar nicht erst gesehen. Die Strafstoß-Entscheidung nach Videobeweis war zwar korrekt, doch die neutralen Zuschauer standen nach dem Treffer von Sara Däbritz vom Punkt (27.) im Lager des Außenseiters - wohl auch wegen der mangelhaften Transparenz.

Das war auch beim zweiten Achtelfinale in Nizza zwischen Norwegen und Australien (4:1 im Elfmeterschießen) ein Problem. Die deutsche Schiedsrichterin Riem Hussein aus Bad Harzburg stand gegen Ende der ersten Hälfte minutenlang vor dem Bildschirm an der Seitenlinie, im Ohr hatte sie ihren Video-Assistenten Felix Zwayer. Der Berliner wiederum wurde im Video-Raum von Katrin Rafalski (Besse) und Sascha Stegemann (Niederkassel) unterstützt.

Bei der "Schiri-Konferenz" drehte sich alles um die Frage, ob die norwegische Verteidiger Maria Thorisdottir den Ball mit dem Oberarm oder der Schulter im eigenen Strafraum geklärt hatte. Eine Antwort darauf war offensichtlich sehr schwierig zu finden - obwohl Hussein zunächst auf Strafstoß entschieden hatte.

Doch Zwayer intervenierte. Der 38-Jährige ist ein gebranntes Kind. Schließlich stand er gemeinsam mit dem Münchner Unparteiischen Felix Brych bei der Männer-WM im vergangenen Jahr im Mittelpunkt eines handfesten Skandals. Der damalige serbische Trainer Mladen Krstajic wollte die deutschen Referees nach der Vorrunden-Niederlage gegen die Schweiz (1:2) an das Kriegsverbrecher-Tribunal nach Den Haag "ausliefern".

Brych pfiff im Anschluss keine WM-Partie mehr. Gegen Zwayer wurden Vorwürfe laut, weil er in der entscheidenden Szene des Spiels nicht eingegriffen hatte. Das hat Zwayer nicht vergessen. Und so revidierte Hussein am Ende ihre zunächst getroffene Entscheidung. Ob das richtig oder falsch war, blieb Ansichtssache.

Immerhin hatte der Weltverband Fifa schon als Zwischenfazit nach der Vorrunde eingeräumt, dass nicht alles rund gelaufen sei. "Ich muss zugeben, dass ein paar Fehler gemacht worden sind", hatte Schiedsrichter-Boss Pierluigi Collina gesagt: "Das ist zwar verständlich, aber es sollte nicht passieren. Ich bedauere das."

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(dpa)
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