Deutsche Schiedsrichterin im WM-Finale: Bibiana Steinhaus sieht fast alles richtig

Deutsche Schiedsrichterin im WM-Finale: Bibiana Steinhaus sieht fast alles richtig

Frankfurt/Main (RPO). Kurz vor ihrem Anpfiff war bei Bibiana Steinhaus nur ein konzentrierter Tunnelblick zu erkennen, im WM-Finale zeigte die deutsche Schiedsrichterin eine ordentliche Leistung. Ein Fehler unterlief ihr dennoch.

Die große Blonde mit den schwarzen Stutzen leitete die Partie zwischen den Fußballerinnen aus den USA und Japan insgesamt gesehen zwar äußerst souverän, lag bei einer wichtigen Abseitsentscheidung aber falsch. Beim 3:1-Sieg der Japanerinnen im Elfmeterschießen vertrat die Polizeibeamtin aus Hannover dennoch würdig die deutschen Farben anstelle der eigentlich erwarteten Titelverteidigerinnen.

Die Spielerinnen machten es Steinhaus, die von Katrin Rafalski und Marina Wozniak an den Seitenlinien unterstützt wurde, in der ersten Hälfte aber auch nicht sonderlich schwer. Die Unparteiische musste lediglich sieben harmlose Fouls vor der Pause ahnden. Da zudem die Assitentinnen immer auf der Höhe des Geschehens waren, konnte das Trio zufrieden in die Kabine gehen.

Ein falscher Abseitspfiff

Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel ein wenig härter. Steinhaus hatte aber dank ihrer klaren Gesten und deutlichen Ansprachen an die Spielerinnen weiter alles im Griff. In der 64. Minute leistete sich das deutsche Trio allerdings einen Fehler. Steinhaus pfiff die durchgebrochene Japanerin Shinubo Ohno zu Unrecht wegen angeblicher Abseitsstellung zurück. Vier Minuten später ging die USA durch Alex Morgan in Führung. Doch die Fehlentscheidung blieb am Ende ohne Folgen. In der Nachspielzeit der Verlängerung zeigte sie der Japanerin Azusa Iwashimizu nach einer Notbremse zurecht die Rote Karte.

Für die Zweitliga-Schiedsrichterin Steinhaus war der Final-Einsatz der absolute Karrierehöhepunkt. "Wir Schiedsrichter sind Sportler. Und natürlich ist es immer unser Ziel, in einem Turnier so weit wie möglich zu kommen", hatte Steinhaus vor Turnierbeginn gesagt. Damals rechnete die 32-Jährige aber nicht damit, dass die deutsche Auswahl bereits im Viertelfinale scheitern könnte. Erst das 0:1 der Deutschen gegen Japan machte den Weg für Steinhaus ins Endspiel frei.

Starke WM-Leistungen

Zuvor hatte die Unparteiische bei ihren beiden WM-Auftritten in der Vorrunde bewiesen, dass sie zu den internationalen Spitzenschiedsrichterinnen zählt. Beim Spiel zwischen den USA und Nordkorea (2:0) zeigte Steinhaus eine tadellose Vorstellung und erhielt anschließend Lob von höchster Stelle. Auch bei der Partie Brasilien gegen Äquatorial-Guinea (3:0) überzeugte Steinhaus.

"Das ist ein riesiger Erfolg für sie und das deutsche Schiedsrichterwesen", hatte Lutz Michael Fröhlich, der Leiter der Schiedsrichter-Abteilung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), nach der Final-Berufung von Steinhaus gesagt. Steinhaus hat laut Fröhlich schon bei ihren internationalen Einsätzen in den Frauenwettbewerben der abgelaufenen Saison einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Noch kein Aufstieg in die Bundesliga

Die Berufung zum Endspiel-Referee dürfte bei Steinhaus die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg in die Männer-Bundesliga etwas gemindert haben. Diese Entscheidung hatte die Schiedsrichter-Kommission des DFB noch vor der Frauen-WM getroffen. Zuletzt hatten sich prominente Fürsprecher für einen Einsatz der Niedersächsin in der Eliteklasse stark gemacht, setzten sich aber mit ihrer Meinung nicht durch.

Steinhaus hatte gelassen auf den Verbleib im Unterhaus reagiert. "Ich denke, dass die 2. Liga eine der besten Ligen Europas ist. Und dort habe ich auch schon sehr gut Fuß gefasst", hatte Steinhaus gesagt. Ihren Fokus wollte sie auf die WM in Deutschland legen - mit Erfolg.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Frauen-WM: Steinhaus pfeift das Finale

(SID/can)
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