USA: Equal Pay“-Zoff zwischen Verband und Frauen-Team spitzt sich zu

Unruhe im US-Fußball : „Equal Pay“-Zoff zwischen Verband und Frauen-Team spitzt sich zu

Der Konflikt zwischen dem US-amerikanischen Fußballverband und dem Frauen-Nationalteam schwelt weiter. Laut USSF-Präsident Carlos Cordeiro hat das Frauenteam, das seit Monaten gleiche Bezahlung fordert, seit 2010 mehr verdient als die Männer-Auswahl.

Drei Wochen nach dem WM-Triumph der US-amerikanischen Frauen-Nationalmannschaft spitzt sich die Situation im nationalen Fußballverband USSF zu. Nach dem angekündigten Rücktritt von Jill Ellis, die den Rekordweltmeister zu zwei WM-Titeln geführt hat, stehen die besten Fußballerinnen der Welt weniger als ein Jahr vor Olympia ohne neue Trainerin da - und abseits des sportlichen Geschäfts hat der Konflikt zwischen der Frauen-Auswahl und dem Verband durch einen offenen Brief des USSF-Präsidenten Carlos Cordeiro neue Schärfe bekommen.

Unterstützung erhalten Megan Rapinoe und Co. von der Spielergewerkschaft der Männer. "Das ist mal wieder das Gleiche von einem Verband, der ständig in Konflikte und Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist und sich auf die Steigerung von Einnahmen und Gewinnen konzentriert, ohne zu wissen, wie man dieses Geld für die Entwicklung des Sports verwenden kann", heißt es in der Erklärung der Männer-Gewerkschaft. "Die Frauen-Nationalspielerinnen verdienen gleiche Bezahlung und es ist richtig, Rechtsmittel vor Gericht oder dem Kongress einzulegen."

Laut Cordeiro hat die USSF ihren Spielerinnen im Zeitraum zwischen 2010 und 2018 34,1 Millionen Dollar gezahlt, der Männer-Auswahl mit 26,4 Millionen Dollar knapp acht Millionen weniger - ein gewagtes Zahlendribbling des gebürtigen Inders in einem öffentlich geführten Kampf um Gleichstellung, der vor langer Zeit von der Frauen-Auswahl um Starspielerin und Sprachrohr Rapinoe eröffnet worden war.

Molly Levinson, Sprecherin der US-Spielerinnen, nannte die von Cordeiro zitierten Zahlen - die beispielsweise die FIFA-Boni für WM-Teilnahmen außer Acht lassen und die Vereinsgehälter der Frauen berücksichtigen - "völlig falsch". "Jeder Vergleich von Äpfeln mit Äpfeln zeigt, dass die Männer weitaus mehr verdienen als die Frauen", betonte sie.

Im März hatte der viermalige Weltmeister den von Cordeiro geführten Verband wegen des Vorwurfs der Geschlechterdiskriminierung verklagt und gleiche Bezahlung und Bedingungen wie die sportlich bekanntlich wenig erfolgreichen Männer gefordert. Die Diskussionen um gleiche Bezahlung im Männer- und Frauenfußball hatten im Verlaufe der WM in Frankreich weiter an Fahrt aufgenommen, nun steht ein Schlichtungsverfahren an.

Zwei Abgeordnete des Repräsentantenhauses hatten zuletzt sogar einen Gesetzentwurf eingereicht, der Zuschüsse für die an die USA, Mexiko und Kanada vergebene Männer-WM 2026 blockieren soll, bis die Frauen gleichberechtigt behandelt werden. "Die Frauen haben die ganze Welt und das ganze Land zusammengebracht", sagte die Abgeordnete Doris Matsui: "Das muss auf angemessene Weise anerkannt werden. Und sie müssen die gleiche Bezahlung erhalten."

Zur Absegnung des Gesetzentwurfs müssten diesen allerdings der US-Senat und das Repräsentantenhaus bewilligen, zudem müsste Präsident Donald Trump zustimmen. Legt der 73-Jährige sein Veto ein, müsste dieses wiederum per Abstimmung außer Kraft gesetzt werden.

Im Verlaufe des WM-Turniers hatte Trumps Disput mit Kapitänin und WM-Torschützenkönigin Rapinoe für Aufsehen gesorgt. Die 34-Jährige, die sich gegen Rassismus, Homophobie und Geschlechterdiskriminierung engagiert, hatte wiederholt ausgeschlossen, nach dem Titelgewinn eine Einladung ins Weiße Haus anzunehmen.

Weitreichende Unterstützung hatten die Weltmeisterinnen bereits Anfang Juli unter anderem auch von Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, bekommen: "Das Frauen-Nationalteam hat uns seine Größe gezeigt - jetzt gebt ihnen das Geld", hatte Pelosi in aller Deutlichkeit gefordert - der Weg dorthin scheint jedoch noch lang und beschwerlich zu sein.

(eh/sid)
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