Zwei Testspiele : Härtetest vor der WM für DFB-Frauen

Wo stehen die deutschen Fußballerinnen? Knapp zwei Monate vor Turnierbeginn sollen zwei weitere WM-Härtetests der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg Antworten liefern.

Die vertraute Unterkunft weckte bei Lena Goeßling und Co. wunderbare Erinnerungen. Auf ihren WM-Härtetest in Schweden stimmten sich die deutschen Fußballerinnen im Radisson Blu Royal Park Hotel in Solna vor den Toren Stockholms ein - an genau jenem Ort also, wo im Sommer 2013 die feuchtfröhliche EM-Titelparty stieg, zu deren Höhepunkt Finalheldin Nadine Angerer in den See Brunnsviken hinter dem Hotel sprang.

Fast sechs Jahre nach dem 1:0 im Endspiel gegen Norwegen kehrt nun eine bis auf ein Quintett veränderte DFB-Auswahl in die Friends Arena im Vorort Solna zurück. Der Klassiker hier am Samstag (13.45 Uhr/ARD) soll der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg wichtige Antworten auf die Frage liefern: Wie titelreif ist dieses verjüngte Team zwei Monate vor der WM-Mission in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli)?

Gleiches gilt für das Heimdebüt der 51-Jährigen drei Tage später in Paderborn gegen Ex-Weltmeister Japan. "Unser Ziel ist es, diese Spiele zu nutzen, um auf der einen Seite zu testen, auf der anderen aber auch Automatismen einzustudieren", sagte "MVT". Aufbauen kann die neue Chefin auf dem Prestigeerfolg bei ihrer Premiere im Länderspiel beim WM-Gastgeber (1:0) Ende Februar.

Um vor der Endrunde Selbstvertrauen zu tanken, braucht es gute Ergebnisse - trotz Umbruch auf und neben dem Platz. "Natürlich ist unser Ziel, das Spiel zu gewinnen", sagte Voss-Tecklenburg vor dem 28. Duell mit den Schwedinnen. Die 125-malige Nationalspielerin erwartet "ein physisches Spiel", in dem ihre Schützlinge in der Defensive "sehr, sehr aufmerksam" sein müssen.

Seit Dienstag bereitete sich der zweimalige Welt- und achtmalige Europameister zunächst in der berühmten Klosterpforte vor. Voss-Tecklenburgs Eindruck: "Dem ganzen Team ist eine unheimlich große Lust und Bereitschaft anzumerken, für diesen WM-Platz zu kämpfen. Aktuell haben wir viele Spielerinnen auf einem hohen Niveau." Dabei fehlen sogar noch einige Stammkräfte wie Sara Däbritz und Lea Schüller (beide grippaler Infekt).

Zurück im Kreise der Mannschaft ist neben Torhüterin Almuth Schult nach überstandener Maserninfektion auch Pauline Bremer. Nach knapp zweijähriger Zwangspause infolge eines Schien- und Wadenbeinbruchs rückte die 22-Jährige von Manchester City nachträglich für die am Fuß verletzte Klara Bühl ins Team. Die überraschte Bremer vermutete beim Anruf der Bundestrainerin am Montag zunächst einen Aprilscherz: "Dann habe ich es aber realisiert und war voller Vorfreude."

Doch für jede Spielerin, die sich noch für den WM-Kader empfehlen will, läuft die Zeit. Denn nach dem Test-Doppelpack steht nur noch ein Länderspiel in der unmittelbaren Turniervorbereitung auf dem Programm. Ihre Generalprobe bestreiten die Olympiasiegerinnen am 30. Mai in Regensburg gegen den WM-Debütanten Chile. Am 3. Juni fliegt das Team nach Frankreich, wo in der Gruppe B die Gegner China (8. Juni/Rennes), Spanien (12. Juni/Valenciennes) und Südafrika (17. Juni/Montpellier) warten.

(rent/sid)
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