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Zwei Jahre nach der WM: Frauenfußball: Die Luft ist raus

Zwei Jahre nach der WM : Frauenfußball: Die Luft ist raus

Zwei Jahre nach der WM im eigenen Land ist das Interesse am Frauen-Fußball wieder abgekühlt. Die Bundesliga-Klubs verzeichnen nur kleine Zuschauerzuwächse. Und für den FCR Duisburg wurde das Turnier sogar zum Fluch.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde in der Republik ein großes Fest gefeiert. Es war ein glanzvolles Spektakel, gespickt mit großen Erwartungen für eine glorreiche Zukunft des Frauenfußballs. Die vollen Stadien, die Begeisterung im Lande bei der WM 2011 — das alles hatte die Hoffnung genährt, es könnte nicht nur eine Liebe für einen Sommer sein. Doch nun ist es Winter und draußen nasskalt. Die vom Boulevard als "unsere Mädchen" titulierten Spielerinnen der deutschen Nationalmannschaft können wieder unbemerkt durch die Fußgängerzone schlendern. Es ist ruhiger um das Produkt Frauenfußball geworden.

Die Ruhe nach dem Sturm spiegelt sich ganz gut im Tagesgeschäft Bundesliga wider. Die Statistik sieht zunächst vielversprechend aus. Im Vergleich zur Saison vor der WM kommen seither an vielen Standorten 39 Prozent mehr Zuschauer in die Stadien, im Schnitt ist das in absoluten Zahlen pro Spieltag nur ein Zugewinn von 329 Fans. "Der Frauenfußball ist ausgereizt", sagt Bernd Schröder, Trainer von Meister Turbine Potsdam. "Wir haben doch schon so viel erreicht. Man sollte nicht in Sphären schweben, die illusorisch sind." Aber was ist realistisch für den Frauenfußball in Deutschland? Gehört ein Länderspiel ins Abendprogramm, ist es am Vorabend schon ganz gut aufgehoben, oder sollten die öffentlich-rechtlichen Sender lieber ganz auf die mediale Unterstützung verzichten? Während der WM war die DFB-Auswahl der Frauen ein Quotengarant für ARD und ZDF. Ein ganz "normales" Länderspiel sehen im Schnitt knapp zwei Millionen Zuschauer im TV, das Finale in Frankfurt vor zwei Jahren (USA gegen Japan) verfolgten 15,34 Millionen.

"Wir brauchen Geduld", sagt DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg. "Es hat sich viel verbessert. Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir bald den nächsten Schritt gehen." Die Frage ist wohl nur, wie groß er ausfallen wird. In Frankfurt am Main ist man von der Marke überzeugt. Siggi Dietrich ("Die Zukunft des Frauenfußballs hat erst mit der WM begonnen") ist dort der Manager von Branchenprimus 1. FFC, jenem Verein, in dem unter anderem Stars der Szene wie Nadine Angerer, Kerstin Garefrekes und Lira Bajramaj wirken.

Die Entwicklung des FCR Duisburgs hingegen ist typisch für den Frauenfußball. Knapp vier Jahre ist es erst her, dass der FCR auf dem Höhepunkt seiner Vereinsgeschichte angelangt war. Im Sommer 2009 wurde der Frauenverein Deutscher Pokalsieger und Gewinner des Uefa-Cups. Zahlreiche Nationalspielerinnen — unter anderem Inka Grings, Simone Laudehr, Annike Krahn, Lira Bajramaj, Alexandra Popp oder Luisa Wensing — spielten in Duisburg. Inzwischen kämpft der Klub ums wirtschaftliche Überleben. Der FCR musste Insolvenz anmelden, weil er die Mitte des Monats fällig gewordenen Gehälter nicht zahlen konnte. Insolvenzverwalter Andreas Röpke bestätigte eine Lücke von 250 000 Euro.

Im Sommer 2012 wurden die finanziellen Probleme erstmals öffentlich. Mit Hilfe von Gönnern und Freunden sowie einer Umverteilung der Verbindlichkeiten konnte der FCR die Spielzeit mit einem stark kostenreduzierten Kader, dem keine deutsche Nationalspielerin mehr angehörte, antreten. Der Vorsitzende Thomas Hückels erklärte, dass die Finanzen des Vereins "für die nächsten beiden Spielzeiten" gesichert seien. Bereits vor Weihnachten begannen die Alarmglocken aber erneut zu läuten. Röpke sagte, ein namhafter sechsstelliger Betrag habe sich kurzfristig verschoben. "Wir hoffen aber, dass die Summe in die Sanierung einfließen wird."

Der Aufsichtsratsvorsitzende Ferdi Seidelt sprach in der Rückschau von "einem Wellenberg von 2009 bis zur Heim-WM 2011. Der Frauenfußball machte plötzlich eine explosionsartige Entwicklung durch. Das tat der Sportart nicht ausschließlich gut". Allein die Spielerinnen beim FCR hätten im Zuge der Weltmeisterschaft in Deutschland mehr als 30 Werbeverträge gehabt. "Jedem Mädel habe ich es gegönnt, aber es ist doch auch klar, dass die Mädels nach der WM nicht mehr für das gleiche Geld spielen wollen wie davor. Auch vor dem Hintergrund, dass andere Vereine mehr zahlen." Und so wird der Segen WM vielleicht doch zum Fluch.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Frauen-WM 2011: Die besten TV-Quoten

(RP/can)