Dzsenifer Marozsan nach Lungenembolie zurück

„Ich genieße jeden Tag“: Marozsan nach Lungenembolie zurück

Schockdiagnose Lungenembolie: Dzsenifer Marozsan hat eine dreimonatige Leidenszeit hinter sich. Nun ist die Kapitänin zurück im Kreis der Nationalmannschaft, doch die schwere Erkrankung wirkt nach.

Die schlimmen Schmerzen, die bangen Stunden im Krankenhaus, die lange Zwangspause vom geliebten Fußball, all das hat Dzsenifer Marozsan verändert. Aus der sonst eher zurückhaltenden Kapitänin der Frauen-Nationalmannschaft sprudeln vor dem Länderspiel gegen Italien am Samstag (16.00 Uhr/ARD) in Osnabrück die Erinnerungen an ihre Leidenszeit nur so heraus.

Am 12. Juli dieses Jahres, erzählt Marozsan bei der Gesprächsrunde im Restaurant der Klosterpforte, ausgerechnet am 50. Geburtstag ihrer Mutter, bemerkt sie im Heimaturlaub in Saarbrücken starke Schmerzen in der rechten Schulter, die sich bis in den Brustkorb ausweiten und zu Atemnot führen. Aus der Notaufnahme wird die 26-Jährige mit Verdacht auf Nierensteine wieder entlassen - doch zwei Tage später greifen die Schmerzen auch auf die linke Seite über.

Zurück in der Notaufnahme erhält sie die Diagnose: beidseitige Lungenembolie. "Das war der schockierendste Moment meiner Karriere", erinnert sich die Mittelfeldspielerin von Olympique Lyon. Zwei Wochen stationärer Aufenthalt und eine medikamentöse Therapie mit Blutverdünnern folgen, alles in dem Wissen: "Es war wichtig, dass ich mich in der Zwischenzeit nicht viel bewegt hatte wegen der Schmerzen. Es hätte noch schlimmer kommen können."

Wie aber kam es überhaupt zu der Erkrankung? Sie habe eine Thrombose in der Wade nicht bemerkt, die dann in die Lunge gewandert sei, so die in Budapest geborene 86-malige Nationalspielerin, Europameisterin und Olympiasiegerin. Ein Blutgerinnsel, nach Angaben ihrer Ärzte ausgelöst durch die Einnahme der Anti-Baby-Pille. Die Hormone setzte sie sofort ab.

Da die Erklärung gefunden war, dauerte die Zwangspause drei Monate. Eine Zeit, in der Familie und Freunde Halt geben, auch ihre Hündin, Zwergpinscher "Nyuszka" (ungarisch für Häschen), weicht ihr nicht von der Seite. Bundestrainer Horst Hrubesch ruft regelmäßig an, OL-Vereinspräsident Michel Aulas besucht sie am Krankenbett. "Das alles hat mir viel Kraft gegeben." Und das einschneidende Erlebnis ihre Lebenseinstellung verändert. "Ich sehe alles etwas gelassener und genieße einfach jeden Tag."

Am 17. Oktober durfte sie im Champions-League-Achtelfinale des Titelverteidigers Lyon bei Ajax Amsterdam ihr Comeback geben, am vergangenen Wochenende gelang der Spielmacherin per Traumtor beim 5:0 gegen Dijon der erste Saisontreffer. Am Mittwoch folgte nun die wohltuende Rückkehr der begnadeten Technikerin in den Kreise des Nationalteams, allerdings nur in den Trainingsbetrieb: "Es ist noch zu früh. Ich bin bei 65 bis 70 Prozent, mir fehlt noch die Leichtigkeit."

Am Tag vor dem zweiten Test am Dienstag (16.00 Uhr/ZDF) in Erfurt gegen Spanien reist sie zurück nach Frankreich. Die WM dort im kommenden Sommer (7. Juni bis 7. Juli 2019) unter Leitung der neuen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg ist nun sportlich das nächste große Ziel am Horizont. Marozsan kann sich nach dem schweren Schicksalsschlag auf eine Art Heim-WM freuen: Halbfinale und Endspiel finden in ihrer Wahlheimat Lyon statt.

Doch erst mal, das betont sie beim Comeback in der hellgrauen DFB-Kapuzenjacke als Dienstkleidung ausdrücklich, zählt vor allem eines: "Gesund zu bleiben."

(sid/old)
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