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Warum ein Mönch aus dem Sauerland Fan des SV Sandhausen ist - Pater Maurus

Senf drupp spezial : Warum ein Mönch aus dem Sauerland Fan des SV Sandhausen ist

Bei Fortuna Düsseldorf geben viele gern ihren Senf dazu. In diesem Fall ist es aber ganz spezieller Senf – und der kommt eher auf Fortunas Samstag-Gastgeber SV Sandhausen „drupp“. Das spannende Bekenntnis von Pater Maurus Runge OSB aus Meschede.

Hätte mir jemand vor einigen Jahren gesagt, dass ich an einem freien Wochenende einmal quer durch die Republik fahre, um in einem kleinen Dorf in der Kurpfalz den örtlichen Fußballverein im Stadion anzufeuern, ich hätte ihn wohl für verrückt erklärt. Aber es ist die Wahrheit, nichts als die Wahrheit, so wahr mir Gott helfe – aber um letzteren soll es hier ja nicht gehen, sondern um meine Liebe zum glorreichen SV Sandhausen, der sich nun schon lange mit kleinem Budget in der 2. Liga hält.

 Die F95-Kolumne.
Die F95-Kolumne. Foto: Grafik: Zörner

Es war im Nachklang jener Wette, über die mein Twitterbekannter und mittlerweile guter Freund Thomas Nowag zu einem früheren Zeitpunkt hier geschrieben hat, dass wir uns im Februar 2017 zum DFB-Pokalspiel des SV Sandhausen gegen Schalke 04 aufgemacht haben. Das Spiel endete mit einer krachenden 1:4-Niederlage – und einem unvergesslichen Afterglow im Klubhaus neben dem Stadion mit ganz eigenem Charme.

Fans von mindestens acht Vereinen (in Sandhausen hat jeder auch einen Zweitverein) saßen zusammen, klönten, tranken Dopsi, den ortseigenen Likör (eine Mischung aus Asbach und Cola) und ließen die Fußballökumene hochleben. Nach diesem Abend war klar: Ich komme wieder.

Ich kam dann schon im Mai tatsächlich zurück, um das Saisonfinale und den Aufstieg von Hannover 96 live mitzuerleben – incl. Platzsturm der Hannoveraner, die nichts am Ort ließen, selbst das Stadionschild nicht. Der Stehplatz der „Sandhausen-Ultras“ war damals in gleißender Sonne genau vor der Haupttribüne, sodass ich einem gewissen Martin Kind die Sicht aufs Spiel versperrte (sorry for that!).

Das dritte Mal reiste ich dann Ende Juni von Meschede nach Sandhausen – dienstlich, erkennbar als Benediktiner, der als Missionsprokurator für die Kontakte zu unseren afrikanischen Mitbrüdern verantwortlich ist. In dieser Eigenschaft wurde ich nach Trikots für die Auszubildenden der Berufsschule eines unserer Klöster in Tansania gefragt, und ich erinnerte mich meiner beginnenden Liebe zum SV Sandhausen und fragte einfach mal über meine Kontakte (Danke, Stefan, von @CDSandhausen) in der dortigen Geschäftsstelle nach. Innerhalb weniger Tage hatte ich die Zusage, drei komplette Trikotsätze der Jugendmannschaft des SVS zu bekommen, und so kam es, dass ein Mönch auf dem heiligen Rasen des Hardtwaldstadions die Trikots für Tansania entgegennahm. Welcher Verein kann das schon von sich sagen?

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Seitdem verbinde ich noch einige schöne Geschichten mit Stadionbesuchen in Sandhausen: z.B., als der Verkäufer im örtlichen Dönerladen mir den Dönerteller billiger verkaufte, als er hörte, wie weit ich zum Zweitligakracher Sandhausen vs. Heidenheim angereist war. Oder als wir mit der halben Sandhäuser Mannschaft im Heimbereich auf den Klassenerhalt anstießen, nachdem wir glücklich dem Ansturm der Hannoveraner Horden entkommen waren. Oder die letzte Zigarette, die Norbert Meier als Trainer des 1. FC Kaiserslautern nach der 0.1-Niederlage vor dem VIP-Eingang rauchte. Oder der Gang zum provisorischen Klubhaus mit zwei Spielern des SV nach dem Abendspiel. In Bayern oder Dortmund wäre das wohl kaum möglich.

Leider hat Corona im letzten Jahr keine Stadionerlebnisse mehr möglich gemacht. Um so mehr freue ich mich darauf, wenn endlich wieder ein Besuch des glorreichen SV Sandhausen live im Stadion möglich sein wird. Vielleicht gibt es dann ja mal wieder einige Trikotsätze – wir haben noch einige Klöster in Afrika zu versorgen…

Pater Maurus Runge OSB ist Benediktinermönch der Abtei Königsmünster in Meschede und als Missionsprokurator für die Kontakte zu den Klöstern weltweit zuständig. Ebenso betreut er die Social-Media-Aktivitäten seiner Gemeinschaft. In seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Fußballfan. Der 42jährige leidet nicht nur mit dem SV Sandhausen, sondern auch mit dem 1. FC Köln.