Fortuna Düsseldorf: Tugrul Erat - ein internationaler Fortune

Fortuna Düsseldorf: Tugrul Erat - ein internationaler Fortune

Der 21-jährige Mittelfeldspieler wurde auf kuriose Weise zum aserbaidschanischen U21-Nationalspieler. Bei Fortuna hat er den Sprung in die erste Mannschaft geschafft, und jetzt will er sich für einen neuen Vertrag empfehlen.

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Manchmal fühlt sich Erat immer noch wie in einem Traum. Zweieinhalb Jahre lang hatte Fortunas Mittelfeldspieler vergeblich um eine Chance in der ersten Mannschaft gekämpft - und plötzlich schlug seine große Stunde. Völlig überraschend nominierte der damalige Interimstrainer Oliver Reck den 21-Jährigen für die Zweitliga-Partie beim 1. FC Kaiserslautern, belohnte damit Erats starke Leistungen in der Zweitvertretung.

Der flinke 1,93-Meter-Mann nutzte seine Chance, spielte beim 1:0 in der Pfalz ebenso stark wie eine Woche später in Cottbus - und dort erzielte er sogar auf schlitzohrige Weise den Treffer zum 1:3-Endstand. "Das heißt aber alles nicht, dass ich jetzt die Garantie auf einen Stammplatz hätte", wiegelt Erat ab. "Dafür muss ich ordentlich weiter Gas geben. Neuer Trainer, neues Glück — das gilt für alle." Abheben ist bei ihm nicht drin, Bodenhaftung ist für "Tugi" das Wichtigste. Deshalb wohnt er auch heute noch in seinem Geburtsort Nettetal, deshalb ist ihm der Rat seiner Eltern auch bei beruflichen Entscheidungen wichtig.

Im vergangenen Herbst stand eine solche Entscheidung an - unter kuriosen Umständen. "Taskin Aksoy, mein Trainer in der zweiten Mannschaft, erhielt einen Anruf von seinem Kumpel Bernhard Lippert", berichtet Erat. "Der ist technischer Direktor bei der U21-Nationalmannschaft Aserbaidschans, und in dieser Eigenschaft erkundigte er sich bei Aksoy nach mir." Zwar hatten bis dahin weder Erat noch irgendein Mitglied seiner türkischstämmigen Familie irgendwelche Verbindungen nach Aserbaidschan - aber das sollte keine große Hürde sein. "Ich habe meine Eltern gefragt, ob sie Probleme damit hätten, wenn ich für Aserbaidschan spielen würde", sagt Erat, "aber das war nicht der Fall. Also schickte ich ein Passfoto und ein paar Unterlagen nach Baku, und wenig später hatte ich neben meinem türkischen auch einen aserbaidschanischen Pass."

Inzwischen hat der Fortune seine Feuertaufe in der U21-Auswahl des Staates am Kaspischen Meer hinter sich. "Ich hab's einfach mal ausprobiert", erklärt er, "und es hat richtig Spaß gemacht." Umso mehr, als Lippert in Eren Taskin einen weiteren jungen Düsseldorfer überzeugte, den gleichen Weg zu gehen. Doppelte Staatsbürgerschaften sind für den Nachwuchs türkischer Familien schließlich nichts Ungewöhnliches — üblicherweise ist der zweite Pass dann allerdings der deutsche. "Aber vielleicht habe ich den irgendwann ja auch noch", scherzt Erat. Womöglich gibt ihm Nationaltrainer Berti Vogts demnächst ja sogar eine Chance in der A-Mannschaft Aserbaidschans.

Weit wichtiger ist ihm jedoch seine Zukunft bei Fortuna, und da kam sein Aufschwung keinen Moment zu früh. Ende Juni nämlich läuft "Tugis" Vertrag aus, und da ist Werbung in eigener Sache wichtig. "Ich habe zwei Jahre lang hart gearbeitet und nie aufgegeben", sagt der Mittelfeldspieler. "Jetzt hätte ich nichts dagegen, wenn es so weitergeht wie in den vergangenen Monaten. Nach dem Stadtwerke Wintercup wollen sich mein Berater und Fortunas Sportvorstände Helmut Schulte und Wolf Werner zusammensetzen."

Eine engagierte Vorstellung bei dem Turnier am Sonntag sollte Erats Chancen auf einen neuen Vertrag weiter steigen lassen.

(can)
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