Fortuna: Ratajczak - der Chef im Ring

Fortuna: Ratajczak - der Chef im Ring

Fortunas Torhüter Michael Ratajczak war der überragende Mann beim 1:0-Sieg der Zweitliga-Fußballer in Aachen. Dass der Erfolg etwas glücklich war, scherte Trainer Meier nicht: "Wir brauchen uns nicht zu entschuldigen."

Das erste Problem stellte sich für Michael Ratajczak erst nach dem Schlusspfiff ein. Vehement forderten die 4000 Fortuna-Fans am Aachener Tivoli den Torhüter auf, bei der Jubel-"Humba" den Vorsänger zu geben. Doch im Gegensatz zu den 90 Fußballminuten zuvor, in denen "Rata" bei Fortunas 1:0-Sieg auch in kritischsten Situationen immer wieder eine Lösung gefunden hatte, half jetzt nichts: Es gab einfach kein Mikrofon am Tivoli.

Doch Ratajczak wusste sich erneut zu helfen. Kurzerhand ernannte er seine Trinkflasche zum Ersatz-Mikro, brüllte die Vorgaben an die Fans in die Trinktülle. Zu hören war davon auf den oberen Rängen nichts - was aber auch egal war, denn den Text kannten die Feierwilligen ohnehin. Endlich wieder ein Auswärtssieg: Da hätte der Düsseldorfer Anhang seinen Keeper-Helden zur Not auch auf Schultern nach Hause getragen.

Ratajczak selbst beurteilte das Geschehen gewohnt sachlich. "Für mich war es wichtig, zu gewinnen und zu Null zu spielen", fasste der 27-Jährige zusammen und gab jedes an ihn gerichtete Lob gleich weiter: "Wir haben sehr konzentriert gearbeitet, kompakt gestanden." Das wiederum stimmte nur zum Teil. Aus dem Spiel heraus hatte Fortuna zwar nicht viel zugelassen - dafür brannte es nach etlichen Standardsituationen lichterloh im Düsseldorfer Strafraum. Ohne "Ratas" Glanztag wäre es wohl nichts geworden mit dem Schlussstrich unter die Auswärts-Pleitenserie.

  • Fotos : 4000 Fortunen in Aachen

Das Quäntchen Glück beim 1:0 in Aachen hatte sich Fortuna nach etlichen unglücklichen Niederlagen auf fremden Plätzen jedoch verdient. "Wir brauchen uns nicht zu entschuldigen", sagte Chefcoach Norbert Meier gestern nach einem ruhigen Trainingstag, an dem er mit den Reservisten einige Übungen durchzog, während die Stammelf am Rhein entlangradelte, um die Muskeln zu lockern. "Wir sind ja nicht die einzigen, die mal ein solch dreckiges Spiel gewinnen."

Thema Nummer eins war neben Ratajczaks Gala-Abend weiterhin Martin Harniks herrlicher Treffer. Glaubhaft versicherte Torsten Oehrl, dass seine sehenswerte Vorlage "volle Absicht" gewesen sei - und ebenso glaubhaft erklärte Harnik, dass sein artistisch angebrachter Heber rein gar nichts mit turnerischer Vorbildung zu tun habe: "Ich bin ein typischer Nur-Fußballer, völlig ungelenk." Und so gern er mal für das "Tor des Monats" geehrt werden würde, wichtiger war dem 22-Jährigen die richtige Einordnung des Sieges vom Montagabend: "Wir dürfen jetzt nicht in Euphorie verfallen. Nicht alles war heute gut." Stimmt - aber doch eine ganze Menge.

(RP)