Fortuna: Mob zerstört ein Fußballfest

Fortuna: Mob zerstört ein Fußballfest

Beim Zweitliga-Fußballspiel Düsseldorf gegen Rostock (3:1) hätten etliche Feuerwerkskörper aus dem Gästeblock fast zu einem Spielabbruch geführt. Hansa-Torhüter Walke und Linienrichter Pickel wurden verletzt.

Beim Zweitliga-Fußballspiel Düsseldorf gegen Rostock (3:1) hätten etliche Feuerwerkskörper aus dem Gästeblock fast zu einem Spielabbruch geführt. Hansa-Torhüter Walke und Linienrichter Pickel wurden verletzt.

Nach fünf Spielminuten ist es vorbei mit der Partystimmung in der Düsseldorfer Arena. Den ersten Kanonenschlag, der im Gästeblock detoniert, nehmen die 37.407 Zuschauer der Zweitliga-Fußballpartie Fortuna Düsseldorf gegen Hansa Rostock noch nicht sonderlich ernst. Doch dann folgen weitere heftige Böller, ein Feuerwerk wie an Silvester — diesmal aber inmitten einer dichtgedrängten Zuschauermenge aus Rostock.

Als dann noch etliche bengalische Feuer entzündet werden und aufs Feld fliegen, schließlich sogar der eigene Torhüter Alexander Walke durch ein solches Wurfgeschoss verletzt wird, eskaliert die Situation endgültig. Während Schiedsrichter Wolfgang Stark aus Ergolding die Spieler in die Kabinen schickt und die Partie für 19 Minuten unterbricht, verlassen etliche Zuschauer das Stadion. Kinder weinen vor Angst, werden von ihren besorgten Eltern nach Hause gebracht.

Der Rostocker Mob zerstört ein Fußballfest. Fortuna gewinnt das Spiel gegen eine gänzlich zweitligauntaugliche Hansa-Truppe 3:1, hätte den Chancen nach zweistellig siegen können. Das bleibt aber eine Randnotiz und spielt auch in der Analyse von Rostocks Trainer Marco Kostmann trotz der Bedeutung des Matchs — mit einem Sieg hätte Hansa noch den direkten Klassenerhalt schaffen können — nur eine untergeordnete Rolle.

"Die Vorkommnisse tun mir sehr weh", sagt der Trainer schleppend, und immer wieder schüttelt er den Kopf. "Es tut mir sehr leid für dieses Fußballfest, es tut mir leid für den deutschen Fußball. Ich habe für diese Vorfälle überhaupt kein Verständnis."

Fortunas Trainer schlägt in die gleiche Kerbe. "Das hier hat mit Fußball nichts zu tun", sagt Norbert Meier. "Es sind keine Fußballfans, die so etwas veranstalten. Da kann ich sogar die Menschen verstehen, die nicht mehr ins Stadion kommen wollen." Bittere Worte an einem Tag, der doch eine traumhafte Saison des Aufsteigers krönen sollte.

Die Düsseldorfer geben sich alle Mühe, ihr Fest zu retten. Kaum merklich ziehen die Fortuna-Spieler im Einklang mit den Stadionsprechern Ilja Ludenberg und André Scheidt die Zeit nach dem Abpfiff mit den Ehrungen der Spieler, die den Verein verlassen, in die Länge. So wird Zeit dafür gewonnen, die Rostocker Horde in Begleitung von Ordnungskräften aus dem Stadion zu schaffen, damit diese nicht mit unbeteiligten Düsseldorfer Anhängern in Berührung kommen.

Zwar wird ein vereinzeltes "Bengalo" auch im Fortuna-Block gezündet, doch leuchtet es im selben weißlichen Gelb wie die vielen in der Hansa-Ecke — verdächtig, waren doch über das Internet diverse Karten aus dem Heimbereich ungewollt in Rostocker Hände gelangt.

Schiedsrichter Stark schafft es schließlich, unterstützt von den ebenfalls fassungslosen Hansa-Spielern, das Spiel über die Bühne zu bringen. In der 83. Minute muss er es nochmals unterbrechen, als ein Feuerwerkskörper unmittelbar neben seinem Assistenten Mike Pickel explodiert. Pickel erleidet ein Knalltrauma, wie Fortunas Arzt Dr. Ulf Blecker feststellt, aber das Gespann macht weiter, beugt sich nicht der Gewalt des Gesindels im Gästeblock, das nur noch ein Ziel hat — den Spielabbruch.

Erstaunlicherweise kommt es anschließend nur noch zu wenigen Festnahmen. Kein Vergleich zu der Nacht der Gewalt, die die Rostocker zuvor in der Düsseldorfer Altstadt inszeniert hatten. 159 Festnahmen, 14 verletzte Polizisten waren die traurige Bilanz daraus. Es hätte ein großes Fußballfest werden können — der Mob hatte etwas dagegen.

(RP)